Spinnmilbenmännchen helfen Weibchen nicht ganz selbstlos bei der Häutung13. Juli 2023 Spinnmilben-Männchen, das ein Weibchen bewacht. Foto: © Peter Schausberger Männliche Spinnmilben bewachen Weibchen vor ihrer letzten Häutung und helfen bei der Häutung, um sich die erste Paarung zu sichern. Ein Team um Peter Schausberger von der Universität Wien konnte nachweisen, dass die Paarung dadurch auch früher erfolgen kann. Bei den Männchen vieler Arten lohnt es sich, kurz vor der Geschlechtsreife stehende Weibchen zu bewachen und zu verteidigen, um bei der Paarung als Erste an der Reihe zu sein. Verhaltensbiologe Peter Schausberger: „Bei Spinnmilben ist der Wettbewerb um die erste Paarung besonders intensiv. Das liegt daran, dass der erste Kopulationspartner eines Weibchens auch derjenige ist, der alle Nachkommen zeugt.” Aufgrund dieses intensiven Wettbewerbs um die Nummer eins bewachen Spinnmilbenmännchen kurz vor der Reifung stehende Weibchen mehrere Stunden lang, bevor sich die Weibchen häuten und damit in das Erwachsenenstadium kommen. „Kurz vor der Häutung ändern die bewachenden Männchen ihr Verhalten – manchmal trommeln sie mit ihren Vorderbeinen auf die Weibchen, möglicherweise um sie zu stimulieren, den Häutungsprozess einzuleiten und die Exuvie aufzusprengen”, so Schausberger. „Sobald die Exuvie reißt, werden die Männchen hochaktiv und entkleiden die Weibchen, indem sie den hinteren Teil der Exuvie vom Weibchen streifen um die Geschlechtsöffnung freizulegen. Dann kommt es rasch zur Paarung.” Unbewachte Weibchen streifen zuerst den Vorderteil der Exuvie ab und brauchen länger für den Häutungsvorgang. „Das Entkleidungsverhalten maximiert die Chancen des Bewachers, der erste Paarungspartner zu werden und das Weibchen nicht im letzten Moment an einen Rivalen zu verlieren”, erklärt Schausberger. Schausberger und seine KollegInnen an der Universität Wien interessieren sich generell für die sexuelle Selektion bei Milben und insbesondere für alternative Fortpflanzungstaktiken der Spinnmilbenmännchen, einschließlich Kämpfen und Erschleichen. Beim Sichten von Videoaufzeichnungen der Interaktionen zwischen Männchen und Weibchen fiel ihnen das Entkleidungsverhalten auf, das sie nun im Detail beschrieben und in der Fachzeitschrift iScience veröffentlicht haben. „Die Ergebnisse sind ein exzeptionelles Beispiel für die faszinierenden Verhaltensweisen, die durch die sexuelle Selektion hervorgebracht werden”, so Schausberger. Es käme nicht auf die Größe an um hochkomplexe Verhaltensweisen zu entwickeln. In Zukunft wollen die ForscherInnen genauer untersuchen, ob kämpfende Männchen sich in diesem Verhalten von Schleichern unterscheiden. Außerdem wollen sie herausfinden was passiert, wenn Männchen während des Entkleidens eines Weibchens mit Rivalen konkurrieren müssen und ob das Entkleidungsverhalten als Signal für die Weibchen für die Qualität eines Männchens dient.
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