Spirometrie und kardiovaskuläres Risiko: Was die Lungenfunktion aussagt21. Juni 2024 © Svitlana – stock.adobe.com (Symbolbild) Anhand der spirometrischer Messungen lässt sich offenbar das Risiko zukünftiger kardiovaskulärer Erkrankungen (CVD) besser abschätzen, wie eine kürzlich publizierte Untersuchung vermuten lässt. Bisher war der zusätzliche Vorhersagewert von Lungenfunktionsmessungen für CVD unklar. Für die prospektive Kohortenstudie werteten Mediziner aus China Daten von 308.415 Teilnehmern der UK Biobank mit spirometrischen Messungen aus, die anfänglich keine CVD aufwiesen. Die einbezogenen CVD-Ergebnisse wurden durch QRISK3, das Vorhersagemodell des American College of Cardiology/American Heart Association (ACC/AHA) bzw. das SCORE-Vorhersagemodell (European Systematic Coronary Risk Evaluation) definiert. Die Vorhersagefähigkeit ermittelten die Forscher über Entscheidungskurvenanalysen. Über ein medianes Follow-up von 12,5 Jahren erfassten Erstautor Lihui Zhou und Kollegen 21.885 QRISK3-Ereignisse, 12.843 ACC/AHA-Ereignisse und 2987 SCORE-Ereignisse. Die Assoziationen von Spirometrieparametern mit CVD-Ereignissen waren L-förmig. Restriktive und obstruktive Beeinträchtigungen waren im Vergleich zu normalen Spirometrieparametern mit bereinigten HRs von 1,84 (95%-KI 1,65–2,06) bzw. 1,72 (95%-KI 1,55–1,90) für SCORE-CVD assoziiert. Ähnliche Zusammenhänge stellten die Forscher für QRISK3-CVD fest (restriktiv vs. normal, bereinigte HR 1,30; 95%-KI 1,25–1,36; obstruktiv vs. normal, bereinigte HR 1,20; 95%-KI 1,15–1,25) und ACC/AH-CVD (restriktiv vs. normal, bereinigte HR 1,39; 95%-KI 1,31–1,47; obstruktiv vs. normal, bereinigte HR 1,26; 95%-KI 1,19–1,33). Die Verwendung von Modellen, die die nichtlineare 1-Sekunden-Kapazität integrierten, führte zu einem zusätzlichen 10-Jahres-Nettonutzen/100.000 Personen von 25, 43 bzw. 5 für QRISK3-CVD bei einem Schwellenwert von 10%, ACC/AHA-CVD bei 7,5% und SCORE-CVD bei 5,0%. Abschließend weisen die Autoren darauf hin, dass Kosten-Wirksamkeits-Studien und klinische Versuche erforderlich sind, um die neue CVD-Risikobewertung in die Praxis umzusetzen. Fazit Kliniker könnten spirometrische Messungen bei der Bewertung des CVD-Risikos berücksichtigen. Um die neue Risikobewertung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in die Praxis umzusetzen, sind Kosten-Wirksamkeits-Studien und klinische Versuche erforderlich. (ah) Autoren: Zhou L et al. Korrespondenz: Yaogang Wang; [email protected] Studie: Predictive value of lung function measures for cardiovascular risk: a large prospective cohort study Quelle: Thorax 2024;79(3):250–258. Web: https://doi.org/10.1136/thorax-2023-220703
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