Staphylococcus-aureus-Bakteriämie: Weniger Nebenwirkungen mit bekannten Antibiotika22. Juni 2026 Die Studie SNAP vergleicht erstmals gängige Antibiotika zur Behandlung der Staphylococcus-aureus-Bakteriämie. (Symbolfoto: ©Davizro Photography/stock.adobe.com) Die internationale SNAP-Studie zeigt: Die Antibiotika Cefazolin und Benzylpenicillin wirken bei schweren Blutstrominfektionen durch das Bakterium Staphylococcus aureus genauso gut wie das bisher gängige Standardpräparat Flucloxacillin – sie verursachen aber deutlich seltener schwere Nebenwirkungen. von Dr. Aileen Hochhäuser Staphylococcus aureus (S. aureus) zählt zu den gefährlichsten bakteriellen Krankheitserregern. Die antibiotische Behandlung richtet sich vor allem nach dem vorliegenden Bakterienstamm. Ist dieser Methicillin-sensibel (Methicillin-sensibler S. aureus; MSSA), kommen typischerweise Beta-Laktam-Antibiotika zum Einsatz. Während in Deutschland bisher meist Flucloxacillin verwendet wird, wird in anderen Ländern wie den USA häufiger das Cephalosporin Cefazolin eingesetzt. Penicillin selbst kann nur bei S.-aureus-Stämmen eingesetzt werden, die auch sensibel gegenüber Penicillin sind (Penicillin-sensibler S. aureus, PSSA). Bislang fehlten allerdings belastbare Vergleichsstudien zu diesen seit Jahrzehnten verwendeten Antibiotika bei MSSA und PSSA. Solche Vergleichsdaten liefert die derzeit laufende Plattformstudie SNAP (Staphylococcus aureus Network Adaptive Platform; über die Details zur Studie berichteten wir hier). Diese ermöglicht es, verschiedene Behandlungen gleichzeitig zu untersuchen. Bislang nahmen insgesamt mehr als 6000 Patientinnen und Patienten an der Studie teil. Sie wird in mehr als 150 Krankenhäusern in Australien, Deutschland, Frankreich, Israel, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Singapur, Südafrika, Schweden, Spanien und dem Vereinigten Königreich durchgeführt. Das Ziel der Studie ist es, die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit S.-aureus-Infektionen weltweit zu verbessern. Relevante Ergebnisse daraus wurden jüngst in den medizinischen Fachjournalen „New England Journal of Medicine“ und „The Lancet“ veröffentlicht. Sie liefern wichtige Erkenntnisse für neue Standardtherapien bei MSSA- und PSSA-Bakteriämie. Studienergebnisse zur MSSA-Bakteriämie Für die im „New England Journal of Medicine“ präsentierten Studienergebnisse wurden in acht Ländern insgesamt 1341 Patientinnen und Patienten der SNAP-Studie aufgenommen. Die ausgewählten Studienteilnehmer hatten eine Bakteriämie mit Penicillin-resistenten MSSA, waren im Median 66 Jahre alt und zu 69 Prozent männlich. Die Patienten erhielten randomisiert entweder Cefazolin oder ein Staphylokokkenpenicillin (Flucloxacillin oder Cloxacillin). Der primäre Endpunkt war die Gesamtsterblichkeit innerhalb von 90 Tagen nach Aufnahme in die Plattform. Dieser ergab für Cefazolin keinen Nachteil in der Wirksamkeit: In der Cefazolin-Gruppe verstarben 15 Prozent der Studienteilnehmer, in der Flucloxacillin/Cloxacillin-Gruppe 17 Prozent. An den Tagen 14, 28 und 42 lag die geschätzte Wahrscheinlichkeit für eine Überlegenheit von Cefazolin hinsichtlich der Mortalität zwischen 94 und 99 Prozent. Bis Tag 90 blieb die Wahrscheinlichkeit der Überlegenheit bei etwa 90 Prozent. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich bei den Nebenwirkungen: Unter der Behandlung mit Cefazolin traten weitaus weniger Fälle von akutem Nierenversagen auf als unter den Staphylokokkenpenicillinen (13,9 % versus 19,6 %; Wahrscheinlichkeit für Überlegenheit von Cefazolin: 99,7 %). Zudem wurde unter Cefazolin ein geringeres Risiko für den Beginn einer Nierenersatztherapie sowie für den Abbruch der Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen verzeichnet. Studienergebnisse zur PSSA-Bakteriämie Analog zu diesen Ergebnissen erschien in „The Lancet“ eine Auswertung von 281 Patientinnen und Patienten mit PSSA-Bakteriämie aus der SNAP-Studie. Die inkludierten Studienteilnehmer stammten aus 67 Studienzentren in acht Ländern, waren im Median 67 Jahre alt und ebenfalls zu 69 Prozent männlich. Sie erhielten randomisiert entweder Benzylpenicillin oder ebenfalls die Staphylokokkenpenicilline Flucloxacillin oder Cloxacillin. Auch in dieser Erhebung kam es unter Benzylpenicillin seltener zu einem akuten Nierenversagen als mit Flucloxacillin oder Cloxacillin (11 % versus 22 %; Wahrscheinlichkeit für Nichtunterlegenheit von Benzylpenicillin 99,8 %; Wahrscheinlichkeit für Überlegenheit 98,4 %). Mit Blick auf den primären Endpunkt verstarben 14 Prozent der Teilnehmer unter Benzylpenicillin und 22 Prozent unter den Staphylokokkenpenicillinen. Obwohl das präspezifizierte Kriterium der Nichtunterlegenheit für Benzylpenicillin formal nicht erreicht wurde, wurde die Studie aufgrund des erhöhten Sicherheitsrisikos unter Flucloxacillin und Cloxacillin frühzeitig beendet. Nach Ansicht der Studienautoren weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass Benzylpenicillin gegenüber Flucloxacillin oder Cloxacillin zur Behandlung von PSSA-Bakteriämie bei Erwachsenen bevorzugt werden sollte. „Meilenstein für die Infektionsmedizin“ Studienärztin Jana Butzmann von der Universitätsmedizin Magdeburg ordnet die beiden Studien in einer Mitteilung der Universitätsmedizin Magdeburg wie folgt ein: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Cefazolin für die Patientinnen und Patienten mindestens genauso wirksam wie Flucloxacillin, aber besser verträglich ist.“ Die Universitätsmedizin Magdeburg ist unter Leitung von Prof. Achim Kaasch, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Koordinator für die 19 teilnehmenden Studienzentren hierzulande. Kaasch ergänzt: „Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Meilenstein. Sie werden dazu führen, dass Cefazolin die neue Standardbehandlung für die meisten Erwachsenen mit dieser Infektion wird.“
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