Statement amerikanischer Krebsgesellschaften zu E-Zigaretten

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Seit dem im Jahre 1964 veröffentlichten „Surgeon General Report“ zu den negativen gesundheitlichen Konsequenzen des Rauchens ist der Konsum von Rauchtabak auf einen historischen Tiefstand gefallen. Im Gegensatz dazu hat der Gebrauch von elektronischen Nikotinabgabesystemen (ENDS), insbesondere E-Zigaretten, alarmierende Raten erreicht und droht, den Fortschritt im Kampf gegen den Tabakkonsum zu behindern.

Aufgrund dessen haben die American Association for Cancer Research (AACR) und die American Society of Clinical Oncology (ASCO) eine aktualisierte Grundsatzerklärung zum Gebrauch der ENDS erarbeitet. Das Statement, das in den beiden Fachzeitschriften „Journal of Clinical Oncology“ und „Clinical Cancer Research“ veröffentlicht wurde, beschreibt die wissenschaftlichen Fortschritte im Zusammenhang mit ENDS und enthält Empfehlungen zur Regulierung dieser Produkte im Interesse der öffentlichen Sicherheit.

Als besonders besorgniserregend betrachten die Fachgesellschaften den Gebrauch von ENDS durch Jugendliche und Erwachsene, die zuvor nie Tabak geraucht haben. So schätzen epidemiologische Studien, dass etwa 15–42% der Erwachsenen, die ENDS verwenden, noch nie ein anderes Tabakerzeugnis konsumiert haben, und weitere 36–54% sowohl ENDS als auch Rauchtabak verwenden.

Obwohl ENDS weniger krebserregende Stoffe freisetzen als Rauchtabak, gibt es laut AACR und ASCO erste Hinweise darauf, dass der Konsum von ENDS zu DNA-Schäden und Entzündungen führt, die für die Entstehung von Krebs entscheidend sind. Außerdem könne ein hoher Nikotingehalt das Suchtpotenzial erhöhen, den Blutdruck steigern, die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und das Immunsystem unterdrücken. Gleichzeitig verweisen die beiden Fachgesellschaften auf die noch immer mangelnde Evidenz im Hinblick auf langfristige Gesundheitsrisiken, die erst beurteilt werden könnten, wenn entsprechende Längsschnittstudien abgeschlossen sind.

„ENDS werden als vielversprechendes Mittel zur Raucherentwöhnung angepriesen, aber es bedarf weiterer Evidenz, um ihre potenzielle Wirksamkeit bei rauchenden Erwachsenen zu beurteilen“, betonen die Verfasser der Erklärung. Sie fordern daher „dringende Maßnahmen, um die räuberischen Praktiken der Tabakindustrie zu beenden und die öffentliche Gesundheit zu schützen“. Vor allem verlangen sie ein sofortiges Verbot aller ENDS-Produkte ohne Tabakgeschmack, die natürliches oder synthetisches Nikotin enthalten, um den ENDS-Konsum von Jugendlichen und Erwachsenen zu reduzieren, die noch nie Tabak geraucht haben.

Fazit
Amerikanische Krebsgesellschaften haben eine aktualisierte Grundsatzerklärung zum Gebrauch der ENDS erarbeitet. Oberste Priorität zur Senkung der Krebsinzidenz und zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit haben für die beiden Organisationen evidenzbasierte Maßnahmen zur Förderung der Raucherentwöhnung und zur Verhinderung eines Rückfalls in den Tabakkonsum. Insgesamt sehen sie zu der ENDS-Thematik noch weiteren dringenden Forschungsbedarf. (ah)

Autoren: Herbst RS et al.
Korrespondenz: Roy Herbst; [email protected]
Studie: Electronic Nicotine Delivery Systems: An Updated Policy Statement From the American Association for Cancer Research and the American Society of Clinical Oncology
Quelle: J Clin Oncol 2022;40(35):4144–4155.
Web: https://doi.org/10.1200/JCO.22.01749