Stationär behandelte Bronchiolitis: Feste Nachsorgetermine möglicherweise gar nicht notwendig9. Juli 2020 Foto: © andriano_cz/Adobe Stock Eine neue Studie von Medizinern des Intermountain Primary Children’s Hospital in Salt Lake City (USA) hat ergeben, dass Nachsorgetermine bei Kindern, die wegen einer Bronchitis stationär behandelt wurden, häufig nicht erforderlich sind. Der Wechsel von einer obligatorischen zu einer Nachsorge bei Bedarf könne vor allem in Zeit der COVID-19-Pandemie einen zusätzlichen Nutzen bringen. Wenn Kinder nach der Behandlung einer Bronchiolitis (verursacht durch Respiratory-Syncytial-Viren [RSV]) das Krankenhaus wieder verlassen, wird den Eltern normalerweise empfohlen, sich innerhalb weniger Tage an ihren Kinderarzt oder Hausarzt zu wenden. In der aktuellen Untersuchung stellten sich nun die Forscher eine einfache Frage: Warum ist das so – besonders wenn sich die meisten Kinder vollständig und schnell wieder erholen? Die Mehrheit der Kinder, die mit einer Bronchiolitis in ein Krankenhaus eingewiesen werden, ist ansonsten gesund. Oftmals haben sie keine chronischen Grunderkrankungen wie Erwachsene“, erklärt der Hauptautor der Studie, Dr. Eric Coon von der University of Utah und dem Intermountain Primary Children’s Hospital. „Wenn sie das Krankenhaus verlassen, erwartet man, dass sie sich schnell und vollständig erholen. Wenn wir diesen Kindern und ihren Eltern – insbesondere während einer Pandemie – die Zeit und die Kosten für einen weiteren Untersuchungstermin ersparen können, sollten wir dies tun.“ An der Studie nahmen 304 Kinder im Alter unter zwei Jahren teil. Sie wurden randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt: Für die einen wurde ein Nachsorgetermin festgelegt, die anderen suchten für einen solchen Termin den Arzt nur bei Bedarf auf. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Familien in der Gruppe mit einer Nachsorge nach Bedarf wesentlich seltener aus diesem Grund einen Arzt aufsuchten, dass die Outcomes dort aber ähnlich waren wie in der Gruppe mit vorab festgelegten Nachuntersuchungsterminen. Insbesondere stellten die Forscher fest, dass die beiden Gruppen sich hinsichtlich der Besorgnis der Eltern, der Dauer der Symptome des Kindes, der Zufriedenheit der Eltern mit der Versorgung und des Rezidivrisikos glichen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir unsere begrenzten Ressourcen für die Gesundheitsversorgung dieser Patienten möglicherweise ineffizient nutzen“, konstatiert Coon. „Dies gilt insbesondere für Familien, für die eine Nachsorgetermin einen zusätzlichen Stressfaktor in finanzieller Hinsicht darstellen könnte – zusätzlich zu dem im Krankenhaus versorgten Kind.“ „Wir wissen aus früheren Untersuchungen, dass die Belastung durch solche ambulanten Besuche Familien mit geringerem Einkommen überproportional betrifft“, fügte er hinzu. „Dieser eine Folgetermin kann bedeuten, dass mehr Arbeitszeit opfern müssen. Außerdem ist der Transport möglicherweise nicht leicht zu bewerkstelligen. Wenn wir Familien diese Reise und die Kosten ersparen können, möchten wir das tun.“ Die Forscher fanden auch heraus, dass Kindern mit geplanten Nachsorgeterminen bei diesem mit höherer Wahrscheinlichkeit Antibiotika verschrieben bekamen. Dabei sind Antibiotika keine Standardbehandlung bei Bronchiolitis, da es sich um eine Viruserkrankung handelt, wie Coon betont. „Die Tatsache, dass mehr Kinder in der Gruppe mit geplanter Nachsorge Antibiotika erhalten, deutet darauf hin, dass eine medizinische Behandlung eine andere hervorruft“, sagt Coon. „Die Umstellung auf Nachsorgeuntersuchungen nach Bedarf bedeutet, dass es weniger Möglichkeiten dafür gibt, dass Patienten Therapien erhalten, die sie möglicherweise nicht benötigen.“ Coon fügt hinzu, dass diese Rationale möglicherweise auch für andere häufige Ursachen für Krankenhausaufenthalte von Kindern gelten könnte, wie Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen und Gastroenteritis, insbesondere während der COVID-19-Pandemie.
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