Stellungnahme: Sinnvolle und nötige COVID-19-Maßnahmen aus Sicht der Pneumologie

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Angesichts steigender COVID-19-Infektionszahlen und einer zunehmenden Verunsicherung der Bevölkerung sehen sich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und die Deutsche Lungenstiftung als Experten der Lungengesundheit dazu aufgerufen, ihr Position in den aktuellen Diskussionen deutlich zu machen.

Die beiden Verbände veröffentlichten daher am 28. Oktober eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie „einstimmig und ausdrücklich“ die Initiative der Bundesärztekammer für die Einrichtung eines nationalen ärztlichen Pandemierates begrüßen. Zudem betonen DGP und Lungenstiftung, dass sie die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV-2-Verbreitung (einschließlich des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes) aus infektiologischer und lungenärztlicher Sicht für richtig halten.

Die Lungenexperten zeigen in ihrer aktuellen Stellungnahme aber auch Wege auf, die ihrer Ansicht nach dazu beitragen können, die COVID-19-Krise zu bewältigen. So müsse es vermieden werden, dass Patienten aufgrund von Personal- und Ressourcenmangel vermeidbaren Schaden nehmen. Auch dürfe die Versorgung von Patienten mit anderen lebensbedrohlichen oder potenziell bleibende Schäden verursachenden Erkrankungen nicht eingeschränkt werden. Des Weiteren fordern DGP und Lungenstiftung die Vermeidung eines Mangels an persönlicher Schutzausrüstung für das die Patienten versorgende Personal und einer beeinträchtigten Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen, wie beispielsweise in Pflegeheimen. Letztere könne durch fehlende Testmöglichkeiten, fehlende Möglichkeiten einer räumlichen Trennung von Infizierten und Nicht-Infizierten sowie fehlende apparative Möglichkeiten zur örtlichen Versorgung von Patienten entstehen.

DGP und Lungenstiftung unterstreichen, dass aus ihrer Sicht Schulen und Kindergärten nicht systematisch geschlossen werden dürften. Es solle aber die Möglichkeit bestehen, lokal Schließungen anzuordnen, wenn es örtlich COVID-19-Ausbrüche gebe. Ebenso sollte nach Ansicht der Pneumologen eine systematische häusliche Isolierung von Personen aus Infektionsschutzgründen vermieden werden. „Eine unkontrollierte Durchseuchung der Bevölkerung ist keine Option zur Bewältigung der Pandemie“, betonen DGP und Lungenstiftung.

Um die zuvor genannten Ziele zu erreichen, sprechen sich die Unterzeichner der Stellungnahme für die Durchführung einer nationalen Präventionsstrategie aus. Diese solle regionale Konzepte (Unterscheidung zwischen Ballungsräumen und Nicht-Ballungsräumen) enthalten sowie das Einhalten der AHA-L-Regeln am Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen. Das Tragen von Alltagsmasken sei geboten in geschlossenen Räumen und bei Menschenansammlungen in Außenbereichen, wenn dort absehbar ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Personen nicht eingehalten werden könne.

Zudem sehen die Pneumologen es als adäquate Maßnahme an, ein zusätzliches Krankenhaus-basiertes Bench-Mark-System zur besseren Steuerung dieser Präventionsmaßnahmen zu etablieren. Dies solle die Auslastung der Krankenhauskapazitäten auch außerhalb von Intensivstationen abbilden. Als Index wird die Einschätzung des Morbiditätsverlaufes empfohlen (Krankenhausaufnahmen: 7-Tages-Inzidenz; positive Testungen: 7-Tages-Inzidenz bezogen auf die Vorwoche).

Als angemessene Interventionen betrachten die Vertreter der Lungenheilkunde außerdem die Umsetzung einer nationalen Impfstrategie bei den durch die Ständige Impfkomission empfohlenen Bevölkerungsgruppen und die Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, damit dieser Infektionsketten nachverfolgen könne.

Schließlich, so betonen die DGP und die Deutsche Lungenstiftung in ihrer gemeinsamen Stellungnahme, müssten Maßnahmen ergriffen werden, um die Personalsituation in Kliniken, Altersheimen und Praxen zu verbessern.