Strahlentherapie verdoppelt Überlebenszeit beim oligometastasierten nicht kleinzelligen Lungenkrebs5. Juli 2019 Grafik: © hywards/Adobe Stock Eine neue Studie1 präsentiert das längerfristige Ergebnis der ersten randomisierten Studie zur lokalen Behandlung von Metastasen beim nicht kleinzelligen Lungenkarzinom mit maximal drei Metastasen zusätzlich zur Chemotherapie. Die zusätzliche lokal konsolidierende Therapie (in mehr als 85% der Fälle handelte es sich um eine Hochpräzisionsbestrahlung) zeigte sich dabei hocheffektiv und verlängerte das Gesamtüberleben der Patienten signifikant. Das Ergebnis fiel bereits bei einer relativ kleinen Zahl an Patienten so deutlich aus, dass die Studie vorzeitig beendet wurde. Laut dem Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) sollte dieses Studienergebnis Eingang in die Leitlinien finden. Wenn das Wort „Metastasierung“ fällt, denken viele Patienten, dass eine Krebserkrankung nicht heilbar ist oder sogar der baldige Tod zu erwarten ist. Heute ist jedoch dank der modernen Medizin meistens eine deutliche Verlangsamung des Erkrankungsverlaufes möglich, manchmal sogar eine Heilung. Bei Oligo-Metastasierung sind zwar bereits einzelne Tumorabsiedlungen vorhanden, aber der Krebs hat sich noch nicht unkontrolliert im Körper ausgebreitet, so dass es sinnvoll sein kann, gezielt die Metastasen zu entfernen, um die Heilungsaussichten zu verbessern. Dies kann chirurgisch oder nicht-invasiv mit einer Hochpräzisions-Strahlentherapie erfolgen. Eine solche Krebserkrankung, bei der es oftmals zur Oligo-Metastasierung kommt, ist der nicht kleinzellige Lungenkrebs (NSCLC). Beim NSCLC ist bei bis zur Hälfte der Patienten die Metastasierung auf wenige Lokalisationen begrenzt.2 Eine vor drei Jahren publizierte Phase-II-Studie3 schloss Patienten ein, die ein NSCLC mit maximal drei Metastasen hatten und bei denen nach einer Erstlinien-Chemotherapie mindestens drei Monate keine Progression ihrer Erkrankung auftrat. Sie wurden 1:1 randomisiert: in Gruppe 1 erfolgte leitlinienentsprechend eine systemische Erhaltungstherapie oder Beobachtung und in Gruppe 2 eine lokale Konsolidierungsbehandlung (in 85% der Fälle eine Bestrahlung aller ehemaligen Tumorregionen). Das progressionsfreie Ein-Jahres-Überleben betrug unter dieser zusätzlichen lokalen Therapie 48 Prozent gegenüber 20 Prozent ohne zusätzliche Behandlung. Nach der lokalenTherapie waren außerdem neu aufgetretene Metastasen signifikant seltener. „Für diese Patienten konnte vor drei Jahren erstmals ein Vorteil für eine lokale Bestrahlung der Metastasen bei akzeptablem Nebenwirkungsprofil nachgewiesen werden – die Fortführung der Studie zeigte nun, dass dieser Vorteil sogar hochsignifikant ist, und zwar im Hinblick auf das Gesamtüberleben“, so Prof. Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der DEGRO. Jüngst wurden die Langzeitauswertungen präsentiert. Der Follow-up betrug median 38,8 (28,3 – 61,4) Monate, wobei die Vorteile der Konsolidierungstherapie anhaltend signifikant waren: In Gruppe 2 liegt das progressionsfreie Überleben median bei 14,2 (7,4-23,1) versus 4,4 (2,2-8,3) Monaten in Gruppe 1 (p=0,022). Das Gesamtüberleben beträgt zurzeit in der Bestrahlungsgruppe median 41,2 versus 17,0 Monate in der Kontrollgruppe (p=0,017). Von den Patienten, bei denen es im Verlauf zum Fortschreiten der Tumorerkrankung gekommen war, hatten diejenigen aus der Bestrahlungsgruppe sogar eine viermal längere Überlebenszeit, als die der Kontrollgruppe (37,6 versus 9,4 Monate, p=0,034). Diese Patienten wurden individuell weiterbehandelt. Von den 20 Patienten der Kontrollgruppe, die eine Tumorprogression hatten, wurden neun daraufhin ebenfalls lokal bestrahlt, ihr medianes Überleben liegt derzeit bei 17 Monaten. Inzwischen hat nach Randomisierung von nur 49 Patienten das DSMB („Data and Safety Monitoring Board“), ein unabhängiges Gremium zur Beobachtung der Daten und Überwachung der Patientensicherheit, empfohlen, die Studie vorzeitig zu beenden, um keinem geeigneten Patienten die Option der Konsolidierungsbehandlung unnötig vorzuenthalten. „Die Studie zeigt, dass Patienten mit einem NSCLC in einem metastasierten Stadium mit bis zu drei Metastasen von einer lokalen Behandlung zusätzlich zur Chemotherapie profitieren können. Dabei hat sich die lokale Bestrahlung sehr gut bewährt, die in dieser Studie bei circa 85 Prozent der Patienten zum Einsatz kam. Dies sollte auch Eingang in die Leitlinien finden, sodass diesen Patienten mit ein NSCLC eine lokale Konsolidierungsbestrahlung angeboten wird“, erklärt Prof. Rainer Fietkau, Präsident der DEGRO.
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