Strategische Partnerwahl bei Guinea-Pavianen6. März 2025 Guinea-Paviane im Senegal inspizieren einen Futterautomaten. Foto: © Tessa Frank/Deutsches Primatenzentrum GmbH Ein Forschungsteam vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung hat herausgefunden, dass weibliche Guinea-Paviane Männchen verstärkt umwerben, wenn diese besondere Fähigkeiten bei der Nahrungssuche zeigen. Es wurden zwei Pavian-Gruppen in ihrem natürlichen Lebensraum im Senegal und eine Gruppe im Tiergarten Nürnberg untersucht. Die jetzt veröffentlichte Studie trägt zum Verständnis darüber bei, was Tiere über die Fähigkeiten und Kompetenzen von Gruppenmitgliedern wissen und wie sie diese Informationen nutzen, um soziale Entscheidungen zu treffen. Männchen mit Vorteilen werden attraktiver In der Studie wurde einem Männchen pro Gruppe beigebracht, eine spezielle Futterbox zu bedienen, die nur sie öffnen konnten. Dadurch konnten sie eine wertvolle Nahrungsquelle für ihre Gruppe bereitstellen. Während dieser Phase zeigte sich ein deutlicher Anstieg in der Aufmerksamkeit der Weibchen: Sie verbrachten mehr Zeit mit diesen Männchen, pflegten sie intensiver und verhielten sich aggressiver gegenüber anderen Weibchen in ihrer Gruppe. Interessanterweise nahm dieses Verhalten wieder ab, nachdem die Futterbox entfernt wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Weibchen ihr Verhalten nicht aufgrund einer grundsätzlichen Einschätzung der Fähigkeiten des Männchens änderten, sondern vielmehr kurzfristig auf die Vorteile reagierten, die sie von ihm erhielten. Einem männlichen Guineapavian wurde beigebracht, wie er den Futterautomaten bedienen muss. Diese Fähigkeit, macht ihn kurzfristig attraktiv für Weibchen. Foto: © Tessa Frank/Deutsches Primatenzentrum GmbH Unterschiedliche Reaktionen von Männchen und Weibchen Während die Weibchen ihren Umgang mit den „spezialisierten” Männchen anpassten, blieben die anderen Männchen in der Gruppe weitgehend unbeeindruckt. Obwohl auch sie von der zusätzlichen Nahrungsquelle profitierten, änderten sie ihr Verhalten gegenüber dem fähigen Männchen nicht. Dies könnte darauf hindeuten, dass in der sozialen Struktur der Guinea-Paviane Männchen untereinander weniger Konkurrenz um einzelne Futterquellen haben als Weibchen. Hinweise auf die Evolution menschlichen Sozialverhaltens Die Ergebnisse zeigen, dass Guinea-Paviane in ihrer Partnerwahl pragmatisch vorgehen. Sie orientieren sich nicht an der langfristigen Fähigkeit eines Männchens, sondern an dem direkten Nutzen, den sie von ihm haben. „Unser Experiment ist das erste, das die Art des Mechanismus, also ergebnis- oder kompetenzbasiert, identifiziert, der der Zuschreibung von Fähigkeiten bei einem wild lebenden Affen zugrunde liegt. Damit bieten unsere Ergebnisse einen einzigartigen Einblick in die Evolution der komplexen Kompetenzzuschreibung beim Menschen“, sagt William O´Hearn. Vorversuche im Tiergarten Nürnberg Vor der Feldarbeit im Senegal fanden Vorversuche bei Guinea-Pavianen im Tiergarten Nürnberg statt. Der Tiergarten ist einer der wenigen Halter der Art in Europa und langjähriger Kooperationspartner des DPZ. Zootiere lassen sich aufgrund der guten Sichtbarkeit sehr gut beobachten, so dass Ideen für die Feldarbeit unter kontrollierten Bedingungen getestet werden können. „Entscheidend für diese Studie war die Möglichkeit, unter kontrollierten Bedingungen mit den Guinea-Pavianen im Tiergarten Nürnberg arbeiten zu können. Solche Forschungsansätze sind nicht nur wissenschaftlich wertvoll, sondern bereichern auch das Leben der Tiere, indem sie ihnen kognitive Herausforderungen bieten, die ihre natürlichen Fähigkeiten fördern“, so Lorenzo von Fersen, Kurator für Forschung und Artenschutz im Tiergarten. Der Tiergarten kooperiert mit dem DPZ auch bei der Forschung im Senegal. „Zoos haben ein enormes Forschungspotential und bieten zum Beispiel auch Informationen über ihre Individuen, die in der Natur oft nicht vorliegen, sowie Expertise, die bei der Arbeit im Freiland wichtig ist“, sagt Jörg Beckmann, biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens.
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