Studie: Bedarf an psychiatrischer Versorgung von Rauchern mit COPD nicht gedeckt

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Forscher der Universität von Alabama in Birmingham berichten in einer aktuellen Studie, dass eine bessere psychiatrische Versorgung für aktuelle und ehemalige Raucher, insbesondere solche mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), dringend notwendig ist.

„Jeder Vierte der mehr als 5000 Raucher mit und ohne COPD aus der multizentrischen Längsschnittstudie zur genetischen Epidemiologie der COPD (COPDGene) zeigte klinisch verstärkte Symptome von Angst beziehungsweise Depression“, erklärt Hauptautor Dr. Anand S. Iyer von der University of Alabama at Birmingham. „Von den Studienteilnehmern mit verstärkten Symptomen erhielten zwei Drittel keine Medikamente zur Behandlung dieser Symptome, wie zum Beispiel ein Medikament gegen Angst oder ein Antidepressivum. Es gibt auch viele nicht pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten, doch Medikamente sind der Grundpfeiler der Therapie bei klinisch verstärkten Symptomen.“

Iyer fügte hinzu, dass diese Symptome nicht nur für Raucher mit einer COPD im Endstadium ein Problem seien. „Während depressive Symptome bei den schwerwiegendsten COPD-Fällen am häufigsten auftraten, waren die Angstsymptome bei Rauchern mit und ohne COPD ähnlich häufig, sodass davon auszugehen ist, dass das Problem bei der Erkrankung offenbar viel früher einsetzt“, unterstreicht Iyer. „Wir haben auch einige Merkmale identifiziert, die mit nicht medikamentös behandelten Symptomen in Verbindung gebracht wurden, nämlich Zugehörigkeit zur Bevölkerungsgruppe der Afro-Amerikaner, männliches Geschlecht und das Fehlen einer Krankenversicherung.“

Laut Iyer, der auch am UAB Lung Health Center tätig ist, bedeuten nicht therapierte psychische Symptome eine große Lücke in der COPD-Versorgung. Laut seiner Aussage ist bereits gezeigt worden, dass emotionale Symptome viele Outcomes im Zusammenhang mit einer COPD beeinflussen.“Wir haben in der Vergangenheit festgestellt, und andere Wissenschaftler haben Assoziationen mit Exazerbationen und einer schlechter Therapieadhärenz beobachtet“, sagt Iyer.

Der Forscher fügt hinzu, dass Pneumologen und Allgemeinmediziner solche Symptome zu selten beurteilen. Es sei auch nicht klar, wer für die Behandlung dieser Symptome verantwortlich ist: der Lungenfacharzt oder der Hausarzt.

„Da die von uns beobachteten verstärkten emotionalen Symptome auch bei Rauchern mit nur leichter COPD auftraten, ist eine frühere Beurteilung und Untersuchung in der Primärversorgung erforderlich, möglicherweise sogar eine frühzeitige Palliativversorgung“, sagt Iyer.

Verursacht Rauchen also Angstzustände oder Depressionen? Iyer sagt, dass der Zusammenhang kompliziert sein kann, aber bidirektional zu sein scheint. Iyer weist auf ähnliche Rezeptoren im Gehirn hin, die bei zigarettenabhängigen Rauchern und bei Angstzuständen und Depressionen aktiv sind. „Tatsächlich sind die meisten der Medikamente, die häufig zur Raucherentwöhnung eingesetzt werden, auch Antidepressiva.“

„Stellen Sie sich jemanden vor, der ängstlich ist und diese Angst in einer Art Selbstmedikation mit Zigaretten angeht, was wir natürlich nicht wollen“, fährt Iyer fort. „Es gibt viele Phänotypen bei COPD, wie zum Beispiel jemanden mit chronischem Husten oder Emphysem oder hoher Eosinophilenzahl, und all diese rechtfertigen einzigartige patientenzentrierte Ansätze. Unsere Forschung ergänzt die wachsende Literatur zu einem möglichen einzigartigen psychischen COPD-Phänotyp, der ein hohes Risiko für Exazerbationen und eine schlechte Lebensqualität besitzt.“

Laut Iyer ist der nächste Schritt in diesem Forschungsbereich die Untersuchung des Einflusses von Symptomen wie Angst und Depressionen auf wichtige COPD-Outcomes, insbesondere Exazerbationen.