Studie definiert Schwellenwerte für Cannabiskonsumstörung13. Januar 2026 Britische Forscher haben Schwellenwerte für die THC-Aufnahme definiert, ab denen bei Jugendlichen und Erwachsenen eine Cannabisabhängigkeit vorliegt. (Foto: © TaylerDerden – stock.adobe.com) Forschende aus Großbritannien haben sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene Schwellenwerte definiert, die zwischen einem noch nicht klinisch relevanten und einem krankhaften Konsum unterscheiden. Das Risiko einer Cannabiskonsumstörung hängt von verschiedene Faktoren wie Konsumform, -motiv und Potenz des konsumierten Produktes ab. Bislang gibt es jedoch kaum wissenschaftlich belegte Anhaltspunkte dafür, welches Ausmaß des Cannabiskonsums wie risikoreich ist. Eine Forschungsgruppe aus Großbritannien hat nun untersucht, ab welcher wöchentlichen Menge Tetrahydrocannabinol (THC) eine Cannabiskonsumstörung eintritt. Dabei quantifiziert sie den THC-Konsum über Einnahmeeinheiten, sogenannte Units. Eine Unit entspricht dabei fünf Milligramm THC. Nur vollständiger Verzicht ist risikofrei Mithilfe von Daten der CannTeen-Studie analysierte das Forschungsteam die Konsummuster von 65 Erwachsenen (26–29 Jahre) und 85 Jugendlichen (16–17 Jahre). Die Teilnehmenden stammten aus Großbritannien und hatten innerhalb der vergangenen zwölf Monate Cannabis konsumiert. Alle drei Monate wurden im Rahmen der CannTeen-Studie ihre Konsummuster erfasst. Am Ende wurden sie auf eine Cannabiskonsumstörung untersucht. Im Rahmen der Analyse konnte das Forschungsteam erstmals Schwellenwerte für eine wöchentliche THC-Einnahme vorschlagen, die zwischen Personen, die eine Cannabiskonsumstörung entwickeln und denen, die keine entwickeln, unterscheiden können. Bei Jugendlichen lag der Schwellenwert bei 6,04 Units pro Woche. Für eine moderate bis schwere Störung waren es 6,45 Units pro Woche. Bei Erwachsenen lag der Wert für eine Cannabiskonsumstörung bei 8,26 Units pro Woche und für moderate bis schwere bei 13,44 Units pro Woche. Als vollständig risikofrei gelte nur der Verzicht auf Cannabis. Diese Schwellenwerte könnten den Autoren zufolge als Screening-Instrument fungieren, um das Risiko für eine Cannabiskonsumstörung einzuschätzen. Auch zu Leitlinien für einen risikoarmen Cannabiskonsum könnten diese ersten Ergebnisse beitragen. THC-Gehalt ist meist nicht bekannt Auch Dr. Jakob Manthey, Arbeitsgruppenleiter „Substanzkonsum und Public Health“ am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) stuft Schwellenwerte als „grundsätzlich sehr nützlich“ ein, um Gesundheitsrisiken zu kommunizieren. Allerdings bestehe dabei auch die Gefahr, dass ein Konsum unterhalb des Schwellenwertes als harmlos oder gar gesundheitsfördernd interpretiert werde. Und noch eine Schwierigkeit sieht der Experte in von den britischen Forschenden vorgeschlagenen Schwellenwerten: Konsumierende hätten häufig keine zuverlässige Möglichkeit, den THC-Gehalt der verfügbaren Produkte zu kennen. Zwar sei der THC-Gehalt von Cannabis aus Apotheken und Anbauvereinigungen bekannt, für Cannabis aus Eigenanbau oder illegalen Quellen bestehe jedoch keine rechtssichere Möglichkeit, den THC-Gehalt zu testen. „Dabei ist Eigenanbau eine relevante Bezugsquelle, vor allem durch die Weitergabe an Bekannte.“ Klarheit nur bei reguliertem Markt Als einfachsten Weg, Freizeitkonsumenten von Cannabis dabei zu unterstützen, ihren Konsum genau zu bestimmen und ihnen zu helfen, ihr Risiko zu kontrollieren, sieht Prof. David Nutt, Vorsitzender des wissenschaftlichen Ausschusses von DrugScience in Großbritannien, in einem regulierten Cannabismarkt mit klarer Produktqualität und Angabe der Einheiten. Außerdem sei es für Konsumenten von verschriebenem medizinischem Cannabis wichtig zu wissen, dass diese Produkte aufgrund ihrer Beschaffenheit (erheblicher Cannabidiolgehalt), ihrer Verabreichungsform (Öle) und der Art ihrer Verwendung (d. h. nicht zum Rauschzweck) ein geringeres Abhängigkeitsrisiko bergen. Außerdem interessant zum Thema Cannabiskonsum: Neue S3-Leitlinie: Evidenzbasierte Hilfe bei cannabisbezogenen Störungen Cannabiskonsum in Deutschland 2024: Trends, Konsumformen und -gründe
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