Studie: Geringe Handgriffkraft kein unabhängiger Prädiktor für Prostatakrebs

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Eine geringe Handgriffkraft ist kein zuverlässiger Indikator für ein erhöhtes Prostatakarzinomrisiko bei älteren Männern. Darauf deuten neue Forschungsergebnisse der University of Sharjah (Vereinigte Arabische Emirate).

Der Zusammenhang zwischen geringer Handgriffkraft (HGS) und Prostatakarzinom war in der wissenschaftlichen Literatur lange Zeit unklar. Wenn Mediziner die HGS als möglichen Indikator in Betracht ziehen, würden sie sich dabei häufig eher auf Erkenntnisse aus der allgemeinen Krebsforschung als auf direkte Belege stützen. Das schreiben die Autoren der aktuellen Studie aus der Fachzeitschrift „Maturitas“. In ihrer Forschungsarbeit legen sie detaillierte Daten und Analysen vor, die diese Annahme infrage stellen.

„Eine geringe HGS ist bei älteren europäischen Männern kein unabhängiger Prädiktor für das Prostatakarzinomrisiko“, schreiben die Forscher. Und weiter: „Obwohl die HGS ein wertvoller Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand ist, scheint ihre Bedeutung für die Einschätzung des Prostatakarzinomrisikos begrenzt zu sein.“

Daten von mehr als 64.000 Männern

Die Studie stützt sich auf Daten einer großen Längsschnittkohorte, die zu Beginn der Untersuchung 64.371 Männer im Alter von 50 Jahren und älter umfasste. Die Teilnehmer wurden im Jahr 2004 im Rahmen der ersten Erhebungswelle der Studie „Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe“ (SHARE) rekrutiert. Im weiteren Verlauf wurden sie über mehrere Erhebungswellen hinweg bis 2022 prospektiv beobachtet.

Prostatakrebs wurde anhand von ärztlichen Diagnosen erfasst, über die die Teilnehmer selbst berichteten, während die HGS mit einem Smedley-Dynamometer gemessen wurde. „Wir wandten gepoolte logistische Regression, Modelle mit festen Effekten sowie Propensity-Score-Matching (PSM) an. Dabei berücksichtigten wir Alter, Body-Mass-Index (BMI), psychische Gesundheit, chronische Erkrankungen sowie länderspezifische Effekte“, so die Autoren.

Die Studie ist laut den Forschern von Bedeutung, da sie neue Erkenntnisse zu einem potenziellen Ansatz liefere. Auf diesen hätten sich Mediziner bei der Früherkennung der Krankheit bislang eher vorsichtig gestützt.

Klinische Praxis im Blick

„Angesichts der zunehmenden Belastung durch Prostatakrebs ist die Identifizierung beeinflussbarer Risikofaktoren und früher Anzeichen für eine erhöhte Anfälligkeit von entscheidender Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und die klinische Praxis“, erklären die Forscher.

„Unter den neu erforschten Biomarkern für die systemische Gesundheit hat die HGS als einfacher, nicht-invasiver Indikator für Muskelkraft und die allgemeine physiologische Reserve an Aufmerksamkeit gewonnen.“

Die ersten Studienergebnisse zeigten, dass eine geringe Handkraft mit einem um 1,13 Prozentpunkte erhöhten Prostatakrebsrisiko einhergeht. Ein Propensity-Score-Matching-Modell ergab darüber hinaus einen relativen Risikoanstieg von 83 Prozent.

Nach Berücksichtigung der Abstimmung auf Länderebene stellten die Forscher jedoch fest, dass die Aussagekraft der HGS hinsichtlich des Prostatakarzinomrisikos bei älteren europäischen Männern „statistisch nicht signifikant“ war. Diese Ergebnisse stellen frühere Annahmen infrage und deuten darauf hin, dass die Rolle dieses Parameters bei der Diagnose weiterhin unklar ist.

Statistisch signifikanter Zusammenhang fehlt

Das zentrale Studienergebnis sei das Fehlen eines statistisch signifikanten Zusammenhangs zwischen geringer HGS und dem Risiko für Prostatakrebs. Das deute daraufhin, dass die HGS wahrscheinlich kein zuverlässiges Instrument zur Früherkennung oder zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs darstellt.

„Demnach scheint die HGS als alleinige Messgröße die Komplexität dieser biologischen Wechselwirkungen nicht in einer Weise zu erfassen, die eine aussagekräftige Vorhersage des Prostatakrebsrisikos ermöglicht“, merken die Forscher an.

Die Studienergebnisse stehen mitunter zwar in Widerspruch zur bestehenden Literatur über den Zusammenhang zwischen HGS und Krebserkrankungen, so die Autoren. Sie geben jedoch zu bedenken, dass sich ein Großteil der früheren Studien auf das allgemeine Krebsrisiko und nicht auf spezifische Krebsarten wie Prostatakrebs bezog.

„Während einige Studien Zusammenhänge zwischen einer geringen HGS und einer erhöhten Krebssterblichkeit aufgezeigt haben, beziehen sich die Ergebnisse häufig auf das allgemeine Krebsrisiko und nicht auf spezifische Krebsarten wie Prostatakrebs“, erklären sie. „Diese Unstimmigkeiten lassen sich möglicherweise teilweise auf die Krebsart, Kovariaten, die Zusammensetzung der Studienpopulation, die geringere Stichprobengröße sowie die Messprotokolle für die HGS zurückführen.“

Um diesen Unstimmigkeiten zu begegnen, empfehlen die Autoren, dass künftige Forschungsarbeiten das Propensity-Score-Matching (PSM) innerhalb einer großen europäischen Kohorte anwenden. Und das unter Verwendung standardisierter Messverfahren und mit besonderem Fokus auf Prostatakrebs.

Einschränkung der Ergebnisse

Die Bedeutung der Studie liegt laut den Autoren in den neuen Erkenntnissen, die sie über den Zusammenhang zwischen geringer HGS und dem Risiko für Prostatakrebs liefert. Die Autoren berichten: „Während eine geringe HGS in unbereinigten Modellen zunächst mit einem höheren Prostatakrebsrisiko assoziiert schien, verlor dieser Zusammenhang nach der Bereinigung um Kovariaten wie Alter, BMI, psychische Gesundheit und chronische Erkrankungen seine statistische Signifikanz.“

Darüber hinaus blieb der beobachtete Zusammenhang zwischen niedrigem HGS und Prostatakrebsrisiko auch nach Anwendung von PSM zur Reduzierung potenzieller Störfaktoren zwar positiv, war aber, wie die Autoren selbst anmerken, nicht mehr statistisch signifikant.

Trotz dieser Ergebnisse weisen die Forscher auf mehrere Einschränkungen hin, die in zukünftigen Studien berücksichtigt werden sollten. Insbesondere betonen sie das Potenzial für verbleibende Störfaktoren und merken an: „Obwohl wir eine Vielzahl von Co-Variaten berücksichtigt haben, könnten nicht erfasste Faktoren wie Ernährung, körperliche Aktivität, genetische Prädisposition und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen die beobachteten Zusammenhänge weiterhin beeinflussen.“

Zudem weisen sie darauf hin, dass der Ausschluss von Teilnehmern mit Handarthritis zu einem Selektionsbias geführt haben könnte. Das schränke die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse möglicherweise auf vergleichsweise gesündere Personen ein.

Indikator für allgemeinen Gesundheitszustand

Dennoch weise die Studie einige Stärken auf. Die große Stichprobe und das Längsschnittdesign erhöhen die statistische Aussagekraft sowie die zeitliche Validität der Ergebnisse. Darüber hinaus ermöglicht die Anwendung verschiedener Analyseverfahren eine robuste und umfassende Bewertung des Zusammenhangs zwischen der HGS und dem Prostatakarzinomrisiko.

Das Fazit der Autoren: „Obwohl eine niedrige HGS anfänglich mit einem erhöhten Prostatakarzinomrisiko assoziiert ist, bleibt dieser Zusammenhang nach Bereinigung um relevante Kovariaten und Anwendung robuster statistischer Kontrollen nicht statistisch signifikant.“

Diese Ergebnisse legen nahe, dass die HGS zwar ein wertvoller Indikator für den allgemeinen Gesundheitszustand und Gebrechlichkeit ist. Jedoch könne die HGS möglicherweise nicht als unabhängiger Prädiktor für das Prostatakarzinomrisiko bei älteren Männern dienen.

(ri/BIERMANN)