Studie: Hanf als Tierfutter kann Gesundheit von Kühen beeinträchtigen15. November 2022 Bekiffte Rinder? Foto: © Gerhard – pixabay.com Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in einer Studie herausgefunden, dass bei der Verfütterung selbst geringer Mengen von Nutzhanf in der Landwirtschaft ein psychoaktiver Inhaltsstoff Δ9-Tetrahydrocannabinol in die Milch der Kühe übertritt. Aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten erfährt Nutzhanf derzeit eine regelrechte Renaissance. Nutzhanf-Sorten enthalten nur geringe Mengen an psychoaktiven (berauschenden) Cannabinoiden, zu denen vor allem das Δ9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC) gehört. Ein Forscherteam unter Leitung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) untersuchte nun, welche Folgen das Verfüttern von Nutzhanf-Silage an Milchkühe haben kann. Silage ist durch Vergären haltbar gemachtes Futter. Ergebnis der im Fachblatt „Nature Food“ veröffentlichten Studie: War eine vergleichsweise hohe Konzentration an Cannabinoiden in der Nutzhanf-Silage enthalten, kam es bei den Tieren zu Verhaltensänderungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. So verlangsamten sich Atmung und Herzschlag. Die Kühe wurden schläfrig, bewegungsunsicher, fraßen weniger und gaben weniger Milch. „Unsere Untersuchung zeigt außerdem, dass selbst ein geringer Zusatz an Nutzhanf-Silage zur Tagesration für Milchkühe dazu führt, dass Cannabinoide, darunter auch das Δ9-THC, in der Milch nachgewiesen werden können“, sagt BfR-Futtermittelexperte Dr. Robert Pieper, einer der Studienautoren. „Die Beeinträchtigungen der Tiergesundheit sind offenbar durch die Cannabinoid-Konzentration in der Silage bedingt, die ihrerseits von vielen Faktoren abhängt.“ Schon vor mehr als zehn Jahren erste Hinweise Die Anfänge der Studie liegen schon mehr als zehn Jahre zurück. Damals hatte es Hinweise in der EU gegeben, dass in verfüttertem Nutzhanf enthaltene Cannabinoide in die Kuhmilch übergehen können, belastbare Daten dazu lagen jedoch nicht vor. Um die Wissenslücken zu schließen, begann das BfR bereits 2016 mit entsprechenden Untersuchungen. Die nun veröffentlichte Studie erfolgte an zehn Milchkühen. Gemessen wurde der Cannabinoid-Gehalt in Milch, Blutplasma und Kot. Außerdem wurden die Körperfunktionen wie Puls und Atmung überprüft und das Verhalten der Tiere beobachtet. Zunächst erhielten die Kühe in der Tagesration bis zu 920 Gramm Nutzhanf-Silage aus ganzen Pflanzen mit sehr niedriger Cannabinoid-Konzentration. Das hatte keine messbaren gesundheitlichen Folgen. Dann bekamen die Tiere zwischen 840 und 1680 Gramm cannabinoidreichere Nutzhanf-Silage, die aus Blättern, Blüten und Samen hergestellt worden war. Der Gehalt an psychoaktivem Δ9-THC in dieser Silage lag mit ca. 0.12 % noch immer unter dem zulässigen Höchstgehalt für Nutzhanf von 0.2 %. Daraufhin änderte sich das Verhalten der Tiere deutlich. Vom zweiten Tag an fraßen die Kühe weniger und gaben zudem weniger Milch. Die Atemfrequenz und die Herzschlagrate nahmen ab. Zudem kam es zu verstärktem Speicheln, Zungenspiel und einer Rötung der Nickhaut im Auge. Kurz nach Beginn der Fütterung mit dem Nutzhanf waren gesundheitlich bedeutsame Mengen an Δ9-THC und anderen Cannabinoiden in der Milch nachweisbar. Bei Verzehr von Milch und Milchprodukten mit einem Δ9-THC-Gehalt in dieser Größenordnung kann beim Menschen die akute Referenzdosis (ARfD) von 0,001 Milligramm THC pro Kilogramm Körpergewicht deutlich überschritten werden. Besonders ausgeprägt wäre die Überschreitung bei Kindern. Die ARfD gibt die geschätzte maximale Aufnahmemenge an THC an, die im Verlauf eines Tages ohne erkennbares Gesundheitsrisiko aufgenommen werden kann. Die wissenschaftliche Studie war zur Untersuchung der Frage angelegt, in welchem Umfang es bei Verfütterung von Nutzhanf grundsätzlich zu einem Übergang in die Kuhmilch kommen kann. Ein hoher Δ9-THC-Gehalt in Kuhmilch ist in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht zu erwarten. Über das BfR Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
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