Studie identifiziert krebskranke Kinder mit Risiko für tödliche Infektionen

Neun von zehn Tumorpatienten entwickeln unter Zytostatika eine Neutropenie. (Quelle: WEHI)

Kinder, die eine Chemotherapie erhalten, haben ein erhöhtes Risiko, an potenziell lebensbedrohlichen Infektionen zu erkranken. Daher erhalten Krebspatienten mit febriler Neutropenie (FN) vorbeugend intravenöse Antibiotika. Australische Forscher haben nun Immunprofile identifiziert, die das Risiko einer schweren Infektion während einer FN erkennen könnten.

Obwohl weniger als ein Viertel der FN-Fälle potenziell lebensbedrohlich werden, gibt es derzeit keine Möglichkeit zu bestimmen, welche Patienten in diese Kategorie fallen. Eine gemeinsame Studie des Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research (WEHI), des Royal Children’s Hospital, des Murdoch Children’s Research Institute und des Peter MacCallum Cancer Centres in Melbourne, Australien, hat nun erste Immunsignaturen identifiziert, die zur Entwicklung von Tests verwendet werden könnten, mit denen sich leichte von schweren FN-Episoden unterscheiden lassen.

Verbesserte Interventionen

Etwa 50 Prozent der Kinder, die mit Chemotherapie behandelt werden, entwickeln mindestens eine FN-Episode. Obwohl nur ein Bruchteil der Patienten mit FN eine lebensbedrohliche Infektion entwickelt, werden alle Fälle als medizinische Notfälle behandelt.

FN und Antibiotikaresistenz seien kritische Probleme bei der Krebstherapie, erklärte Dr. Marcel Doerflinger. “Wir verschlimmern diese beiden Probleme jedes Mal, wenn unnötigerweise Antibiotika verabreicht werden”, sagte der Wissenschaftler. Die Forscher hoffen, künftig verhindern zu können, dass Kinder unnötig mit Antibiotika behandelt werden, indem sie helfen, die Behandlung für die Kinder zu optimieren, die das größte Risiko für schwere Komplikationen haben.

“Während die febrile Neutropenie für jeden immunsupprimierten Patienten unabhängig von seinem Alter ein ernstes Problem darstellt, gibt es für Erwachsene einige von der FDA zugelassene Tests, die verhindern könnten, dass sie diese Behandlung ohne triftigen Grund erhalten”, sagte Doerflinger. “Da solche Tests aber noch nicht auf Kinder übertragen wurden, helfen unsere Ergebnisse dabei, diese entscheidende Lücke zu schließen und sicherzustellen, dass die Lebensqualität von Kindern mit Krebs nicht beeinträchtigt wird.”

Immunantwort während FN-Episoden bei Krebspatienten im Kindesalter

Durch den Einsatz von Next-Generation-Sequencing konnten die Forscher die Transkriptionsprofile von Blutzellen von Kindern mit Krebs und FN vergleichen und 24 Gene identifizieren, die zur Unterscheidung zwischen leichten und schweren FN-Infektionen verwendet werden können.

“Unsere Daten zeigen, dass nur Patienten mit diesen spezifischen Immunsignaturen als medizinische Notfälle mit FN behandelt werden sollten”, sagte Prof. Marc Pellegrini. Als wichtigste Unterschiede in den Immunprofilen von gutartigen FN-Episoden und Fällen mit schweren Infektionen identifizierten die Forscher Zelltodprozesse von Immunzellen, spezifische Entzündungsreaktionen und Stoffwechselprozesse.

“Dieses Projekt wurde ins Leben gerufen, um potenzielle Biomarker zu finden, auf die getestet werden kann, sobald Kinder mit Krebs und FN im Krankenhaus eingeliefert werden”, sagte Pellegrini. “Dies würde es den Ärzten ermöglichen, den Schweregrad der Infektion eines Patienten zu bestimmen und, was noch wichtiger ist, die Behandlung individuell anzupassen. Unsere Ergebnisse sind ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Entwicklung dieses wichtigen Instruments, das Tausenden von Kindern in der ganzen Welt eine Infektion ersparen könnte.”