Studie: Lungentransplantierte ohne präventive Antimykotika besitzen höheres Mortalitätsrisiko

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Eine Prävention mit antimykotischen Medikamenten reduziert das Mortalitätsrisiko im ersten Jahr nach einer Lungentransplantation um die Hälfte. Dies geht aus Untersuchungen der Mayo Clinic (USA) hervor, an denen 667 Patienten teilnahmen, die zwischen 2005 und 2018 ein Lungentransplantat erhalten hatten.
Die retrospektive Studie ist laut den Autoren die größte, die jemals durchgeführt wurde, um die Wirksamkeit von Antimykotika bei Empfängern von Lungentransplantaten zu bewerten, die besonders anfällig für invasive Pilzinfektionen sind. Diese Infektionen sind mit einem fast dreifachen Anstieg der Mortalität bei Empfängern von Lungentransplantaten verbunden.

Forscher der Mayo Clinic verwendeten anonymisierte Daten aus dem OptumLabs Data Warehouse, die von erwachsenen Patienten stammten, die sich zwischen dem 01.01.2005 und dem 31.12.2018 in den USA einer uni- oder bilateralen Lungentransplantation oder einer Herz-Lungen-Transplantation unterzogen hatten. Von den 667 Patienten erhielten 385 (57,8%) eine antimykotische Behandlung, 282 (42,3%) nicht. 65 Patienten verstarben während der Studie, und die Gesamtmortalität erwies sich bei den Patienten, die Antimykotika erhalten hatten, als signifikant niedriger.

„Präventive Antimykotika werden bei Lungentransplantationspatienten immer häufiger eingesetzt, aber keine Studien haben bislang ihre Wirksamkeit nachgewiesen“, erklärt Dr. Kelly Pennington, Erstautorin der Studie. „Dies ist die erste Studie, die einen Mortalitätsvorteil im Zusammenhang mit einer Antimykotikaprophylaxe bei Lungentransplantationspatienten nachweist. Wir wissen immer noch nicht, welche Lungentransplantationspatienten den größten Nutzen aus diesen Medikamenten ziehen, und es gibt andere unbeantwortete Fragen, zu denen weiter geforscht werden muss.“

Eine Studie der Mayo Clinic aus dem Jahr 2019 hatte ergeben, dass 90% der US-amerikanischen Transplantationszentren nach einer Lungentransplantation routinemäßig präventiv antimykotische Medikamente verschreiben. Bislang gab es aber keine prospektiven Studien, in denen Vorteile durch den Einsatz dieser Medikamente nachgewiesen wurden. „In unserer retrospektiven Studie ist das Mortalitätsrisiko innerhalb des 1. Jahres nach der Transplantation bei Patienten, die keine präventive antimykotische Therapie erhalten, etwa doppelt so hoch wie bei Patienten, die behandelt werden“, berichtet Pennington.

Itraconazol und Voriconazol waren die beiden häufigsten in der Studie verschriebenen Antimykotika. Patienten, die Antimykotika erhielten, hatten eine geringere Rate an Pilzinfektionen als diejenigen ohne eine solche präventive Maßnahme, obwohl der Unterschied statistisch nicht signifikant war.

Der längerfristige Einsatz von Antimykotika kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben: Kardiomyopathie, Hautkrebs und Leberfunktionsstörungen können damit einhergehen. Zudem sind Antimykotika teuer und können mit anderen Medikamenten interagieren. Eine intensive Überwachung entsprechend behandelter Patienten ist daher notwendig.

„Angesichts der unterschiedlichen Vorgehensweisen in den Transplantationszentren, des Potenzials für Nebenwirkungen von Medikamenten, der Medikamentenkosten und des Risikos von Arzneimittelwechselwirkungen war es dringend notwendig zu ermitteln, ob eine Prävention mit Antimykotika für Empfänger von Lungentransplantaten von Vorteil sind“, betont Seniorautorin Dr. Cassie Kennedy. „Unsere Feststellung einer signifikanten Verringerung des Mortalitätsrisikos bei Empfängern von Lungentransplantaten, die Antimykotika erhielten, steht im Einklang mit mehreren früheren Studien zu hämatologischen Malignitäten und Patienten mit Knochenmarktransplantationen.“