Studie: Untersuchung von Darmmikrobiom und Kontraktilität helfen bei chronischer Obstipation

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Die Komplexität der Diagnose, das Fehlen eines einheitlichen Behandlungsansatzes und unbefriedigende Behandlungsergebnisse machen die chronische Obstipation (CC) zu einem ernsthaften Problem. In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben Forscher nun versucht, einen Einblick in die Rolle von Kontraktilität und Mikrobiota in der Ätiologie des CC zu gewinnen.

Zu diesem Zweck untersuchten die Wissenschaftler die spontane und evozierte kontraktile Aktivität absteigender Dickdarmsegmente von Patienten, die sich aufgrund refraktärer Formen des CC einer Operation unterzogen hatten. Die Mukosa-nahen Mikrobiota in diesen Kolonproben wurden mit kulturbasierten und 16S-rRNA-Sequenzierungstechniken charakterisiert. Bei Patienten mit CC blieb die spontane Kolonmotilität im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Funktionsstörungen der Darmmotilität unverändert. Darüber hinaus waren die durch Kaliumchlorid und Carbachol induzierten Kontraktionen sowohl in kreisförmigen als auch in longitudinalen Kolonmuskelstreifen erhöht, was auf die Erhaltung des kontraktilen Apparates und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber cholinerger Nervenstimulation im obstipierten Darm hinweist.

Basierend auf älteren Daten könne geschlussfolgert werden, dass glatte Muskelzellen eine kompensatorische Reaktion auf die Abnormalität bei der cholinergen Stimulation entwickeln, so die Forscher. In der Testgruppe wurde die Zusammensetzung der Darmmikrobiota als typisch für den menschlichen Organismus beurteilt, mit vier dominanten Bakterienphyla (Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria) sowie der üblichen Darstellung der am häufigsten vorkommenden Darmbakteriengattungen. Es wurden jedoch signifikante interindividuelle Unterschiede festgestellt. Die phylogenetische Vielfalt der Darmmikrobiota wurde nicht durch Alter, Geschlecht oder Kolonanatomie (Dolichocolon oder Megacolon) beeinflusst.

Die Häufigkeit der Butyrat produzierenden Gattungen Roseburia, Coprococcus und Faecalibacterium war gering, während die herkömmlichen probiotischen Gattungen Lactobacillus und Bifidobacteria in den Darmmikrobiomen der obstipierten Patienten nicht verringert waren.

Wie aus der Studie hervorgeht, mangelt es an spezifischen mikrobiellen Biomarkern für den Obstipationsstatus. Die Ergebnisse weisen laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass die Darmmikrobiota insgesamt auf funktioneller Ebene wahrscheinlich eine Rolle spielen.