Studie: Untersuchung von Darmmikrobiom und Kontraktilität helfen bei chronischer Obstipation24. August 2020 Grafik: © catsnfrogs/Adobe Stock Die Komplexität der Diagnose, das Fehlen eines einheitlichen Behandlungsansatzes und unbefriedigende Behandlungsergebnisse machen die chronische Obstipation (CC) zu einem ernsthaften Problem. In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben Forscher nun versucht, einen Einblick in die Rolle von Kontraktilität und Mikrobiota in der Ätiologie des CC zu gewinnen. Zu diesem Zweck untersuchten die Wissenschaftler die spontane und evozierte kontraktile Aktivität absteigender Dickdarmsegmente von Patienten, die sich aufgrund refraktärer Formen des CC einer Operation unterzogen hatten. Die Mukosa-nahen Mikrobiota in diesen Kolonproben wurden mit kulturbasierten und 16S-rRNA-Sequenzierungstechniken charakterisiert. Bei Patienten mit CC blieb die spontane Kolonmotilität im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Funktionsstörungen der Darmmotilität unverändert. Darüber hinaus waren die durch Kaliumchlorid und Carbachol induzierten Kontraktionen sowohl in kreisförmigen als auch in longitudinalen Kolonmuskelstreifen erhöht, was auf die Erhaltung des kontraktilen Apparates und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber cholinerger Nervenstimulation im obstipierten Darm hinweist. Basierend auf älteren Daten könne geschlussfolgert werden, dass glatte Muskelzellen eine kompensatorische Reaktion auf die Abnormalität bei der cholinergen Stimulation entwickeln, so die Forscher. In der Testgruppe wurde die Zusammensetzung der Darmmikrobiota als typisch für den menschlichen Organismus beurteilt, mit vier dominanten Bakterienphyla (Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria) sowie der üblichen Darstellung der am häufigsten vorkommenden Darmbakteriengattungen. Es wurden jedoch signifikante interindividuelle Unterschiede festgestellt. Die phylogenetische Vielfalt der Darmmikrobiota wurde nicht durch Alter, Geschlecht oder Kolonanatomie (Dolichocolon oder Megacolon) beeinflusst. Die Häufigkeit der Butyrat produzierenden Gattungen Roseburia, Coprococcus und Faecalibacterium war gering, während die herkömmlichen probiotischen Gattungen Lactobacillus und Bifidobacteria in den Darmmikrobiomen der obstipierten Patienten nicht verringert waren. Wie aus der Studie hervorgeht, mangelt es an spezifischen mikrobiellen Biomarkern für den Obstipationsstatus. Die Ergebnisse weisen laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass die Darmmikrobiota insgesamt auf funktioneller Ebene wahrscheinlich eine Rolle spielen.
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform" Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform Eine Neuaufstellung der Krankenhäuser in Deutschland steht eigentlich schon im Gesetz. Union und SPD bringen jetzt aber Nachbesserungen der Krankenhausreform durch.
Mehr erfahren zu: "Universitätsmedizin Göttingen: Neues Gerät erkennt kleinste Metastasen" Universitätsmedizin Göttingen: Neues Gerät erkennt kleinste Metastasen Forschende des Instituts für Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben ein neues Gerät entwickelt und zum Patent angemeldet, das die Entnahme von Lymphknoten aus dem Fettgewebe von Krebspatienten erheblich erleichtert.
Mehr erfahren zu: "Stuhltransplantate von älteren Mäusen verbessern Ovarfunktion und Fruchtbarkeit jüngerer Mäuse" Stuhltransplantate von älteren Mäusen verbessern Ovarfunktion und Fruchtbarkeit jüngerer Mäuse Eine neue Studie zeigt, dass Stuhltransplantate von älteren weiblichen Mäusen die Ovarfunktion und Fruchtbarkeit junger Mäuse deutlich verbessern. Die Ergebnisse weisen auf eine direkte Verbindung zwischen dem Mikrobiom und der […]