Studie: Vaping oder Rauchen verringert die Fitness junger Menschen spürbar14. Juli 2026 Foto: kjekol/stock.adobe.com Junge Menschen, die E-Zigaretten konsumieren oder Zigaretten rauchen, sind im Vergleich zu Nichtrauchern und Nicht-Dampfern körperlich nicht so leistungsfähig. Sie weisen außerdem eine eingeschränkte Gefäßfunktion und eine verringerte Atemeffizienz auf. Zu diesen Erkenntnissen sind die Autoren einer gerade in „ERJ Open Research“ veröffentlichten Studie gekommen. Hauptautor Dr. Azmy Faisal von der Manchester Metropolitan University (Großbritannien), verdeutlicht: „Bei aktiven, gesunden jungen Erwachsenen mit normaler Lungenfunktion führten sowohl das Dampfen als auch das Rauchen von Tabak zu einer geringeren körperlichen Leistungsfähigkeit, zu Kurzatmigkeit und starker Ermüdung der Beine.“ Der Forscher ergänzt: „Unsere Studie deutet darauf hin, dass Vaping – ähnlich wie Rauchen – zu negativen Veränderungen der Blutgefäße und der Lungeneffizienz unter körperlicher Belastung führen kann. Ebenso kann es zu einer Verringerung der Fitness um etwa 15 Prozent im Vergleich zu Personen, die weder geraucht noch gedampft haben, kommen.“ Faisal et al. untersuchten 75 Personen im Alter von 18 bis 30 Jahren: Ein Drittel hatte noch nie geraucht oder gedampft, bei einem weiteren Drittel handelte es sich um Raucher (die aber nie E-Zigaretten konsumiert hatten), während das letzte Drittel seit etwa drei Jahren E-Zigaretten konsumierte (aber niemals geraucht hatte). Alle Teilnehmenden hatten in Ruhe eine normale Lungenfunktion. In Bezug auf den Lebensstil, einschließlich Koffein- und Alkoholkonsum sowie körperliche Aktivität, unterschieden sich die Gruppen kaum voneinander. Jede Testperson absolvierte einen stufenweise zunehmenden Belastungstest auf dem Fahrradergometer, bei dem Herz-, Atem- und Laktatwerte unter steigender Belastung bis zum Maximum gemessen wurden. Zudem wurden Ultraschalluntersuchungen und Bluttests durchgeführt, um die Funktion der Arterien zu überprüfen. Unterschied von rund 15 Prozent bei Leistungsfähigkeit und Sauerstoffaufnahme Die Ergebnisse zeigten, dass die Gruppen der Vaper und der Raucher bei maximaler Belastung eine signifikant geringere Leistungsfähigkeit und Sauerstoffaufnahme zeigten – der Unterschied betrug etwa 15 Prozent. Die Fähigkeit der Lunge, Kohlendioxid auszuatmen, war eingeschränkt, und bei Dampfern und Rauchern bildete sich bereits vor Erreichen der maximalen Belastung schneller Milchsäure (Laktat) im Blut. Dies führte im Vergleich zur Kontrollgruppe (Nichtraucher/Nicht-Dampfer) zu stärkerer Atemnot und Beschwerden in den Beinen. Ultraschalluntersuchungen und Blutproben zeigten Anzeichen von Entzündungen in den Blutgefäßen. Die Forschenden sehen in diesen Ergebnissen Hinweise darauf, dass Dampfen und Rauchen bei jungen Menschen ähnliche Auswirkungen haben. Testergebnisse in Zahlen Hinsichtlich der Spiegel des Nikotinmetaboliten Cotinin fanden die Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen E-Zigaretten-Nutzern und Rauchern herkömmlicher Zigaretten (80,7±33,0 pg/ml vs. 65,5±27,6 pg/ml; p=0,2). Unter maximaler körperlicher Belastung wiesen sowohl E-Zigaretten-Konsumenten als auch Raucher im Vergleich zur Kontrollgruppe eine geringere Belastbarkeit (182±31 W bzw. 178±27 W vs. 219±43 W; p<0,05) sowie eine niedrigere Sauerstoffaufnahme (35,1±6,4 ml/kg/min bzw. 35,1±5,3 ml/kg/min vs. 41,2±5,9 ml/kg/min; p<0,05) und Ventilation auf (97,8±24,7 l/min bzw. 98,9±21,6 l/min vs. 116,1±29,8 l/min; p<0,05). Zudem beobachteten die Forschenden bei E-Zigaretten-Konsumenten und Rauchern eine verminderte ventilatorische Effizienz unter Belastung, die im Vergleich zur Kontrollgruppe mit höherer Ventilation, höheren Blutlaktatwerten sowie stärkerer Dyspnoe und stärkeren Beschwerden in den Beinen während submaximaler Belastung einherging. E-Zigaretten-Nutzer und Raucher herkömmlicher Zigaretten wiesen im Vergleich zu Nichtrauchern eine geringere flussvermittelte Dilatation der Arteria brachialis auf (4,7±3,0% bzw. 4,5±2,9% vs. 8,1±3,5%; p<0,05). Dieser Wert stand laut den Autoren in einem umgekehrten Zusammenhang mit den Werten für das Zelladhäsionsmolekül VCAM-1 (Vascular Cell Adhesion Molecule-1) und des Glykoproteins Thrombospondin-2. „Diese Erkenntnisse liefern wichtige Informationen für die Öffentlichkeit, das medizinische Fachpersonal und die Regulierungsbehörden hinsichtlich potenzieller früher Risiken des E-Zigaretten-Konsums – insbesondere für die wachsende Zahl junger Erwachsener, die nie geraucht haben, sich aber für diese Produkte entscheiden“, konstatiert Faisal. „Darüber hinaus stützt unsere Studie den britischen Tobacco and Vapes Act 2026, der Personen unter 18 Jahren das Dampfen untersagt und darauf abzielt, den Konsum von E-Zigaretten bei jungen Erwachsenen künftig zu verringern.“ Das Team um Faisal plant nun eine Reihe von Magnetresonanztomographie-Studien, um die mit Vaping verbundenen Veränderungen in Herz, Lunge und Skelettmuskulatur besser zu verstehen – insbesondere jene zugrundeliegenden Mechanismen, die zu einer geringeren körperlichen Fitness führen. “Vaping ohne Hintergrund der Tabakentwöhnung immer schwerer zu rechtfertigen” Dr. Stamatoula Tsikrika vom Sotiria-Krankenhaus in Athen (Griechenland) ist Mitglied der Expertengruppe für Tabak, Tabakkontrolle und Gesundheitsaufklärung der European Respiratory Society. Er war an der Studie nicht beteiligt, erklärt aber: „Immer mehr junge Menschen, die nie geraucht haben, nutzen E-Zigaretten. Mit der zunehmenden Beliebtheit des Vapings wächst auch die Sorge, dass es sich zu einem alltäglichen Verhalten entwickelt, als Einstieg in die Nikotinabhängigkeit dient und ernsthafte Gesundheitsrisiken mit sich bringt.“ Der ERS-Experte fährt fort: „E-Zigaretten enthalten zwar möglicherweise geringere Mengen krebserregender Stoffe, können aber dennoch genetische Veränderungen wie DNA-Schäden und Entzündungen auslösen, die mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko in Verbindung gebracht werden. Für Menschen, die nie geraucht haben und E-Zigaretten somit nicht zur Raucherentwöhnung nutzen, lassen sich die gesundheitlichen Folgen des Dampfens für politische Entscheidungsträger und die Tabakindustrie immer schwerer rechtfertigen.“ Tsikrika kommentiert auch den Gesetzentwurf zu einem Tobacco and Vapes Bill, der Anfang des Jahres in Großbritannien verabschiedet wurde: „Vierundneunzig Prozent der Raucher beginnen vor ihrem 25. Lebensjahr mit dem Konsum, und Berichten zufolge konsumieren 22 Prozent der 15- bis 16-Jährigen in Europa E-Zigaretten. Mit der Einführung eines generationsbezogenen Verkaufsverbots für Nikotinprodukte hat das Vereinigte Königreich einen gewaltigen Schritt zum Schutz der Gesundheit junger Menschen getan.“ (ac)
Mehr erfahren zu: "Hypothalamische Adipositas: Setmelanotid reduziert BMI nach Hirntumoren signifikant" Weiterlesen nach Anmeldung Hypothalamische Adipositas: Setmelanotid reduziert BMI nach Hirntumoren signifikant Eine neue Therapie bietet Hoffnung für Patienten, deren Gewichtskontrolle infolge eines Hirntumors oder dessen Behandlung entgleist ist. Eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte klinische Studie zeigt, dass der […]
Mehr erfahren zu: "Pflege im Heim: Eigenanteile steigen weiter" Pflege im Heim: Eigenanteile steigen weiter Pflegebedürftige im Heim zahlen so viel wie nie. Dennoch setzt die geplante Pflegereform vor allem auf Einsparungen bei Zuschlägen und eine Entlastung der klammen Pflegekassen.
Mehr erfahren zu: "Verbundprojekt zu Phagen-Therapie entwickelt Alternative zu Antibiotika" Verbundprojekt zu Phagen-Therapie entwickelt Alternative zu Antibiotika Der medizinische Einsatz von Phagen ist in Deutschland bisher aufgrund von technischen, rechtlichen, ökonomischen und ethischen Unklarheiten jedoch nur selten möglich. Wie sich diese beheben lassen könnten, erforscht ein neues […]