Verbundprojekt zu Phagen-Therapie entwickelt Alternative zu Antibiotika

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Der medizinische Einsatz von Phagen ist in Deutschland bisher aufgrund von technischen, rechtlichen, ökonomischen und ethischen Unklarheiten jedoch nur selten möglich. Wie sich diese beheben lassen könnten, erforscht ein neues Projekt.

Für das Verbundprojekt „MEDphage“ kooperieren Forschende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) mit Wissenschaftlern der Universität Leipzig sowie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben über drei Jahre mit rund 970.000 Euro, rund 725.000 Euro gehen an die MLU.

Antibiotikaresistente Bakterien gehören laut der Weltgesundheitsorganisation zu den zehn größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit. Weltweit sterben Schätzungen zufolge jährlich rund 1,3 Millionen Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern. Bakteriophagen könnten hier Abhilfe schaffen.

Dass Phagen nicht genutzt werden ist ein strukturelles Problem

In mehreren osteuropäischen Ländern kommen Phagen seit vielen Jahrzehnten zum Einsatz. In Deutschland ist das aber noch nicht der Fall. „Dass Phagen bisher nicht breiter genutzt werden, ist meiner Meinung nach nicht nur ein technisches, medizinisches Problem, sondern ein strukturelles“, sagt Projektleiter Dr. Timo Faltus von der MLU. Anders als bei Antibiotika muss die Behandlung mit Phagen in den meisten Fällen auf die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten abgestimmt und die Phagen müssen individuell hergestellt werden. Das könnte theoretisch in Krankenhausapotheken passieren.

„Allerdings ist unser Gesundheitssystem bisher vor allem auf Fertigarzneimittel ausgelegt, die unabhängig vom konkreten Patienten produziert werden. Individualisierte und in der Apotheke hergestellte Arzneimittel durchlaufen im Unterschied zu Fertigarzneimitteln keine Zulassungsverfahren, sie sind teurer und gehören automatisch nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen. Die allgemeine Patientenversorgung mit individualisierten Phagen-Arzneimitteln setzt daher neue technische, ethische, rechtliche und gesundheitsökonomische Ansätze voraus“, ergänzt Faltus.

Praxistaugliche Empfehlungen für Politik, Wissenschaft und Versorgung erarbeiten

Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „MEDphage“ an. Das Projekt wertet den aktuellen Forschungs- und Rechtsstand aus und gleicht ihn mit der medizinischen Praxis ab. Auf dieser Grundlage sollen am Ende konkrete und praxistaugliche Empfehlungen für Politik, Wissenschaft und Versorgung stehen.

Um das Thema möglichst umfassend zu bearbeiten, kooperieren Juristen, Medizinethiker, Gesundheitsökonomen und Mediziner im Rahmen des Projekts. Zudem ist das Team im engen Austausch mit Patientenvertretungen, Behörden, Vertretern von Krankenkassen, Ärzten und der pharmazeutischen Industrie.