Studie: „Watch and Wait“ ist bei sehr gebrechlichen Patienten möglicherweise besser als eine Notoperation20. Mai 2022 Foto: © santypan/stock.adobe.com Neue, in „Anaesthesia“ veröffentlichte Forschungsergebnisse zeigen, dass es für sehr gebrechliche Patienten bei fünf häufigen medizinischen Notfällen besser sein kann, einen „Watch and Wait“-Ansatz zu verfolgen, als eine Notoperation durchzuführen. Die Studie deutet darauf hin, dass dies die Outcomes sogar verbessern würde. Die Forschenden um Prof. Richard Grieve von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (Großbritannien) analysierten Krankenhausdaten zu erwachsenen Patienten mit häufigen akuten Erkrankungen, die zwischen 2010 und 2019 in 175 Akutkrankenhäusern des National Health Service in England notfallmäßig aufgenommen wurden. Bei den berücksichtigten akuten Erkrankungen handelte es sich um Appendizitiden (268.144 Fälle), Gallensteinleiden (240.977), Divertikelkrankheiten (138.869), Hernien (106.432); und Darmverschlüsse (133.073). In der Studie wurde die Wirksamkeit zweier Strategien miteinander verglichen: einer Notfalloperationsstrategie und einer Nicht-Notfalloperationsstrategie, wobei letzere eine medizinische Behandlung mit der Möglichkeit einer späteren Operation umfasste. Hauptendpunkt der Untersuchung war die Anzahl der Tage, die die betroffenen Patienten in den 90 Tagen nach der ersten initialen notfallmäßigen Aufnahme außerhalb des Krankenhauses verbrachten. Die Wissenschaftler berichten sowohl über die Outcomes insgesamt als auch für vordefinierte Untergruppen nach Alter, Geschlecht, Anzahl der Komorbiditäten und Grad der Gebrechlichkeit. Insgesamt stellten die Forschenden fest, dass die durchschnittliche Anzahl der Tage, die die Patienten bis zum Ablauf von 90 Tagen außerhalb eines Krankenhauses verbrachten, sich für jede der fünf Erkrankungen zwischen den beiden Strategien kaum unterschied. Bei Patienten mit schwerer Gebrechlichkeit führte die Strategie ohne Notoperation im Vergleich zu einer mit Notoperation jedoch zu einer durchschnittlichen Erhöhung der Anzahl der Tage, an denen sie am Leben und nicht hospitalisiert waren. Bei diesen Patienten mit schwerer Gebrechlichkeit betrug die durchschnittliche Zunahme der Anzahl nichtstationären Tage über den Zeitraum von 90 Tagen unter einer Strategie ohne im Vergleich zu einer mit Notfall-Operation 21 Tage für eine Appendizitis, sechs Tage bei Gallensteinerkrankungen, 39 Tage bei einer Divertikelerkrankung, 19 Tage für Hernien und 35 Tage für Darmverschlüsse. Bei der Mehrheit der schwer gebrechlichen Patienten, bei denen keine Notoperation durchgeführt wurde, konnte innerhalb der 90-tägigen Nachbeobachtungszeit eine Operation gänzlich vermieden werden. Grieve erklärt: „Der Chirurg, der Anästhesist und das übrige multidisziplinäre Team müssen zusammen mit dem Patienten und den Pflegekräften entscheiden, ob ein Patient notoperiert werden soll oder nicht. Für manche Patienten mit akuten Erkrankungen muss das sehr genau erwogen und entschieden werden – es ist oft schwierig zu entscheiden, ob es besser ist, zu operieren oder ob es besser ist, dem Patienten Antibiotika zu verabreichen und abzuwarten, bis sich sein Zustand beruhigt und verbessert.“ Der Professor für Methologie in der Gesundheitsökonomie fügt hinzu: „Es ist keine exakte Wissenschaft. Für einige Patienten besteht erhebliche Unsicherheit darüber, was das Beste ist. Unsere Ergebnisse liefern neue Evidenz für das Treffen einer solch schwierigen Entscheidung. Unsere Studie zeigt, dass bei sehr gebrechlichen Patienten ein „Watch and Wait“-Ansatz zu besseren Ergebnissen führen kann als eine Notoperation.“ Die Autoren schlussfolgern: „Bei Patienten mit schwerer Gebrechlichkeit können Notfalloperationsstrategien bei jedem dieser fünf medizinischen Notfälle zu schlechteren Ergebnissen führen als Strategien ohne Notfalloperation. Bei Patienten, die nicht gebrechlich sind, können notfallchirurgische Strategien bei Patienten mit Hernien und Darmverschluss effektiver sein. In weiteren Forschungen zur Optimierung der Versorgung mit allgemeiner Notfallchirurgie sollte daher berücksichtigt werden, dass Faktoren wie der Grad der Gebrechlichkeit des Patienten die vergleichende Wirksamkeit von Strategien für Notfalloperationen und Nicht-Notfalloperationen beeinflussen können.“
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