Studie zur Prävention von Depressionen

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Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat eine web-basierten Feedbackintervention zur Früherkennung von Depressionen entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Mobil Krankenkasse soll die Wirksamkeit der Maßnahme nun im Rahmen der DISCOVER-Studie evaluiert werden.

Weltweit leiden mehr als 320 Millionen Menschen an Depressionen: In Deutschland ist jeder Sechste mindestens einmal im Laufe seines Lebens betroffen. Leider wird circa die Hälfte der Menschen mit Depressionen nicht richtig erkannt. Die Ergebnisse der Anfang des Jahres angelaufenen DISCOVER-Studie sollen helfen, die Früherkennung von Depressionen zu verbessern.

Die frühzeitige Versorgung von Betroffenen verbessern

Die Studie untersucht, wie der Prozess der Früherkennung mithilfe des Internets verbessert werden kann – und erfasst dafür mithilfe von wissenschaftlich evaluierten Online-Fragebögen die psychische Belastung der Teilnehmenden. “Das langfristige Ziel der Studie ist es, eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema psychische Gesundheit zu fördern, Betroffene in die Erkennung von psychischen Beschwerden mit einzubeziehen und die frühzeitige Versorgung der Betroffenen zu verbessern”, erklärt PD Dr. Sebastian Kohlmann, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der DISCOVER-Studie. Viele Betroffene wissen dem Wissenschaftler zufolge gar nicht, dass sie unter einer Depression leiden. Häufig falle es Menschen schwer, typische Symptome richtig zu deuten: Schlafstörungen oder auch Energielosigkeit würden beispielsweise oft auf körperliche Ursachen zurückgeführt und entsprechend behandelt, so der Experte.

Niederschwelliger Zugang über das Internet

Bei der Recherche von Symptomen suchen viele Menschen Hilfe im Internet. “Durch die Anonymität im Internet fällt es Menschen häufig leichter, über die eigenen psychischen Beschwerden zu sprechen – besonders, wenn sie noch nicht sicher sind, was da eigentlich genau bei ihnen los ist”, erklärt Kohlmann. Untersuchungen hätten gezeigt, dass rund ein Viertel der Deutschen das Internet nutze, um Informationen zu psychischer Gesundheit zu suchen. Tatsächlich gibt es dort jede Menge Onlinetests für psychische Beschwerden. Viele davon seien jedoch nicht wissenschaftlich evaluiert, kritisiert der Experte. Das möchte sein Forschungsteam mit DISCOVER ändern. Es sei extrem wichtig, dass Symptome aktiv erfragt und diagnostisch richtig eingeordnet werden. “Nur so kann eine adäquate Behandlung erfolgen”, sagt Kohlmann.

Krankenkasse unterstützt bei der psychischen Gesundheit

Großes Potenzial sieht der Psychologe in der Zusammenarbeit mit der Mobil Krankenkasse. “Ich begrüße es sehr, dass die Mobil Krankenkasse das Thema Prävention von psychischen Beschwerden aktiv vorantreibt: Über psychische Gesundheit darf gesprochen werden – je früher desto besser”, sagt Kohlmann. Im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen nimmt der Experte immer wieder Stigmatisierung und Scham wahr. “Es sollte im Interesse einer jeden Krankenkasse sein, psychisch belasteten Menschen frühzeitig Hilfe anzubieten. Je früher man bei psychischen Beschwerden hilft, umso besser sind die Behandlungschancen, umso geringer sind die Folgekosten, und vor allem: umso schneller können sich Betroffene wieder gesund fühlen”, so Kohlmann weiter. Darüber hinaus erhofft sich sein Team, dass die DISCOVER-Studie auf diesem Wege Menschen erreicht, die das Internet weniger nutzen, wie etwa ältere Menschen. “Gerade in dieser Generation leiden viele Menschen unter psychischen Beschwerden, die oft nicht geäußert, sondern stillschweigend ertragen werden”, sagt Kohlmann.

Hilfe zur Selbsthilfe

Unter discover-studie.de gibt es Informationen zum Hintergrund der Studie und zum Ablauf. Wer sich entscheidet mitzumachen, wird eingeladen, wissenschaftlich evaluierte Online-Fragebögen auszufüllen – Dauer circa zehn Minuten. Etwa jeder zehnte Teilnehmende wird nach einem Monat und nach sechs Monaten noch einmal per Telefon befragt. So soll der Verlauf des psychischen Wohlbefindens über die Zeit erfasst werden.