Subduralhämatom: Keine Folge des Impfens, sondern meist von Misshandlung1. August 2019 Foto: ©lisalucia – stock.adobe.com Bei Gerichtsprozessen werden Subduralhämatome bei Kindern zunehmend als Impfschaden angeführt. Französische Wissenschaftler haben nun gezeigt, dass zwischen Impfungen und der Diagnose eines subduralen Hämatoms kein signifikanter zeitlicher Zusammenhang besteht und Gehirnblutungen beim Kindern weiterhin als “red flag” für Kindesmisshandlung angesehen werden müssen. Ohne Referenztest, Kenntnis des genauen Verletzungsmechanismus oder Geständnis des Täters beruht die Diagnose eines misshandlungsbedingten Schädel-Hirn-Traumas bei Kindern oft auf einer Kombination von klinischen, sozialen, biologischen und radiologischen Befunden. Im Kontext der aktuellen, globalen Impfskepsis wird ein neuer, alternativer ursächlicher Mechanismus für Netzhautblutungen und neuroradiologische Befunde, die auf ein Kopftrauma infolge von Misshandlung hinweisen, ins Feld geführt: die Nebenwirkung von Impfstoffen. Diese Hypothese kann verheerende Folgen für die Kinder haben, da sie Schutzmaßnahmen für die Betroffenen hinauszögert. Französische Wissenschaftler haben nun den zeitlichen Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Auftreten subduraler Hämatome bei Kindern untersucht und dabei keine Hinweise auf keinen ursächlichen Zusammenhang gefunden, sodass das Subduralhämatom weiterhin als “red flag” für Misshandlung gelten muss. In ihre prospektive bevölkerungsbezogenen Untersuchung, die sie zwischen Januar 2015 und April 2017 durchführten, schlossen Juliette Fleury vom Universitätsklinikum Nantes, Frankreich, und Kollegen alle Säuglinge im Alter von 11–52 Wochen ein, die einer ersten zerebralen Bildgebung (CT oder MRT) unterzogen wurden. Die Impfstoffexposition von Säuglingen mit subduralem Hämatom verglichen die Forscher mit der von 2–3 vergleichbaren Kindern ohne subdurales Hämatom oder anderen bildgebenden Befunden, die mit einem missbräuchlichen Kopftrauma vereinbar sind. Die Fälle und Kontrollen wurden nach chronologischem (± 7 Tage) bzw. Gestationsalter (≤ 33 vs. > 33 Wochen) verglichen. Der Impfstatus der Kinder wurde deren Impfpässen entnommen. Von den 228 prospektiv beobachteten Säuglingen hatten 28 ein subdurales Hämatom, darunter 22 mit missbräuchlichem Kopftrauma. Das mittlere chronologische Alter bei der Bildgebung betrug 5,3 Monate für die 28 Fälle und 62 Kontrollen, die sich in der durchschnittlichen Zeitspanne seit der letzten Impfung nicht signifikant unterschieden (1,4 vs. 1,3 Monate, p = 0,62). Auch hinsichtlich des Anteils der Kinder, die seit ihrer Geburt mindestens eine Impfung (86 % vs. 89 %; Matched-Pair-OR [MPOR] 0,77; 95 %-KI 0,17–3,86) oder innerhalb von 7 Tagen (MPOR 0,94; 95 %-KI 0,08–6,96), 14 Tagen (MPOR 0,70; 95 %-KI 0,12–2,92) oder 21 Tagen (MPOR 0,48; 95 %-KI 0,08–1,98) vor der zerebralen Bildgebung erhalten hatten, bestand kein Unterschied zwischen den Gruppen. „Wir fanden keinen signifikanten zeitlichen Zusammenhang zwischen Impfung und der Diagnose eines subduralen Hämatoms, das weiterhin als rote Flagge für missbräuchliches Kopftrauma und Kindesmisshandlung angesehen werden muss“, schlussfolgern die Autoren. (ej)I Originalpublikation: Fleury J et al.: Evaluation of a Temporal Association between Vaccination and Subdural Hematoma in Infants. J Pediatr 2019;209:134-138.e1.
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