Suizidalität bei Ehepartnern von Krebspatienten5. Februar 2025 © Haas/peopleimages.com – stock.adobe.com (Symbolbild) Wenn ein Ehepartner eine Krebsdiagnose erhält, leidet die Psyche des anderen mitunter so stark, dass das Selbstmordrisiko steigt. Das belegt eine aktuelle Studie, die nahe legt, dass klinisches und gesellschaftliches Bewusstsein erforderlich ist, um suizidales Verhalten bei den Ehepartnern von Krebspatienten zu verhindern, insbesondere im 1. Jahr nach der Krebsdiagnose. Für seine landesweite Kohortenstudie in Dänemark sammelte das Team um Qianwei Liu, damals am Stockholmer Karolinska Institut, Schweden, registerbasierte Daten aus dem Zeitraum 1986–2016 (Analysen im Zeitraum 08.08.2022–30.10.2023). Konkret verglichen die Wissenschaftler Personen, deren Ehepartner zwischen 1986 und 2015 eine Krebsdiagnose erhalten hatte (definiert als Exposition), mit solchen, deren Partner im selben Zeitraum keine Krebsdiagnose erhalten hatte. Letztere wurden zufällig aus der Allgemeinbevölkerung ausgewählt und nach Geburtsjahr und Geschlecht abgeglichen. Anhand des Danish National Patient Register und des Danish Psychiatric Central Research Register identifizierte das Team Selbstmordversuche bis 2016 sowie Todesfälle durch Selbstmord über das Danish Causes of Death Register. Flexible parametrische und Cox-Modelle (Proportional Hazards) kamen zum Einsatz, um HRs und 95%-KIs für Selbstmordversuche und Todesfälle durch Selbstmord unter Ehepartnern von Krebspatienten abzuschätzen. Wie den Ergebnissen zu entnehmen ist, umfasste die Studie 409.338 exponierte und 2.046.682 nichtexponierte Personen (medianes Alter bei Kohorteneintritt für beide Gruppen 63 Jahre; IQR 54–70; 55,4% Frauen). Während der Nachbeobachtung verzeichneten die Autoren 2714 Fälle von Selbstmordversuchen unter exponierten Personen (Inzidenzrate [IR] 62,6/100.000 Personenjahre) und 9994 unter nichtexponierten (IR 50,5/100.000 Personenjahre), sowie 711 Todesfälle durch Selbstmord unter exponierten Personen (IR 16,3/100.000 Personenjahre) und 2270 unter nichtexponierten (IR 11,4/100.000 Personenjahre). Darüber hinaus beobachteten Liu et al. bei den Ehepartnern von Krebspatienten während der gesamten Nachbeobachtung ein erhöhtes Risiko für Selbstmordversuche (HR 1,28; 95%-KI 1,23–1,34) und Tod durch Selbstmord (HR 1,47; 95%-KI 1,35–1,60). Deutlich geworden sei dies insbesondere im 1. Jahr nach der Krebsdiagnose mit einer HR von 1,45 (95%-KI 1,27–1,66) für einen Selbstmordversuch und 2,56 (95%-KI 2,03–3,22) für Tod durch Selbstmord, betonen die Forscher. Noch größer fiel das Risiko für einen Selbstmordversuch und Tod durch Selbstmord aus, wenn der Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wurde oder der Ehepartner nach der Krebsdiagnose verstarb. Fazit Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein klinisches und gesellschaftliches Bewusstsein erforderlich ist, um suizidale Verhaltensweisen bei Ehepartnern von Krebspatienten zu verhindern, insbesondere im ersten Jahr nach der Krebsdiagnose. (sf) Autoren: Liu Q et al. Korrespondenz: Fang Fang; [email protected] Studie: Suicide Attempt and Suicide Death Among Spouses of Patients With Cancer Quelle: JAMA Oncol 2024;10(10):1323–1330. Web: https://doi.org/10.1001/jamaoncol.2024.3036
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