Suizidprävention an Schulen: Mit Harry Potter Krisen meistern lernen10. September 2024 Harry-Potter-Romane können bei der Bewältigung von depressiven Symptomen helfe. (Foto: © MERCURY studio – stock.adobe.com) Schulen haben sich als wesentlicher Schauplatz der Übertragung von suizidalem Denken und Handeln, aber auch von Hoffnung und Bewältigungsstrategien bei Kindern und Jugendlichen erwiesen. Vor diesem Hintergrund haben Wisseschaftler der MedUni Wien ein Programm zur Suizidprävention im Klassenzimmer entwickelt. Das Schulprojekt „Lesen für die psychische Gesundheit“ zielt darauf ab, die psychische Gesundheitskompetenz und die Bewältigungsfähigkeiten von Jugendlichen zu verbessern. Für die durch speziell geschultes Lehrpersonal angeleitete Lektüre haben Thomas Niederkrotenthaler und sein Team vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien den Roman „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ ausgewählt. Der Grund: Die Autorin J. K. Rowling hat ihre persönlichen Erfahrungen mit Depressionen in das Buch einfließen lassen, die sie nach eigenen Aussagen mit Hilfe der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) überwunden hat. Roman mit integrierter Therapie Was Rowling nicht öffentlich gesagt hat: Sie hat KVT, den Goldstandard der Gesprächstherapie zur Behandlung von Depressionen und Angstzuständen, auch in das Buch integriert. „Tatsächlich kann der Roman als Allegorie für ihre Erfahrungen und als einführende Anleitung zur KVT gelesen werden, die von Lehrer:innen im Unterricht vermittelt werden kann. Die Leser:innen begleiten Harry auf seinem Weg und lernen mit ihm, was es bedeutet, depressiv zu werden. Vor allem aber verstehen sie, wie er Fähigkeiten der KVT einsetzt, um einen Weg zu Resilienz zu finden“, umreißt Projektleiter Niederkrotenthaler den Kern des FWF-geförderten Programms. Aktuell werden die Leiter:innen von Sekundarschulen in Österreich zur Teilnahme am Projekt eingeladen. Ab dem Sommersemester 2025 geht es in die Umsetzung, die von Niederkrotenthaler und seinem Team wissenschaftlich begleitet wird. Dass Jugendliche tatsächlich von Harry Potter lernen können, Krisen zu bewältigen, wurde bereits in einer Studie nachgewiesen.1 Parallel dazu haben Forscher um Niederkrotenthaler Suizidprävention unter dem bislang kaum beachteten Gesichtspunkt der Transmission untersucht.2 Darunter versteht man die Übertragbarkeit suizidalen Denkens und Handelns, die z. B. an Schulen zu Clusterbildungen führen kann: Der Tod eines Mitschülers oder einer Mitschülerin durch Suizid lenkt die Aufmerksamkeit auf das Thema oder bestimmte Suizidmethoden und kann weitere Suizide im Umfeld nach sich ziehen. Es gibt aber auch eine Transmission bei positivem Bewältigungsverhalten, die insbesondere dann stattfindet, wenn Skills zum Umgang mit Schwierigkeiten erlernt werden. „Weltweit werden schulbasierte Lehrpläne für psychische Gesundheit entwickelt, die Übertragbarkeit und Verallgemeinerbarkeit der Inhalte stellen dabei die größte Herausforderung dar. Harry Potter überschreitet geografische und kulturelle Grenzen. Die Identifikation mit der Figur bietet Pädagog:innen eine einzigartige Gelegenheit, sie zur Förderung des psychischen Wohlbefindens zu nutzen“, beschreibt Niederkrotenthaler den ersten umfassenden Lehrplan für psychische Gesundheit, der direkt in den Unterricht eingebettet wird.
Mehr erfahren zu: "RegioOnkoNet: FZI überführt digitale Onkologie-Lösungen in die Versorgung auf dem Land" RegioOnkoNet: FZI überführt digitale Onkologie-Lösungen in die Versorgung auf dem Land Im Forschungsprojekt RegioOnkoNet schaffen die Verbundpartner eine sichere digitale Infrastruktur, die Fachärzte, Hausärzte und Krebspatienten in der Modellregion Karlsruhe–Freiburg standortunabhängig vernetzt. Das FZI Forschungszentrum Informatik bringt hierfür prototypische digitale Lösungen […]
Mehr erfahren zu: "Knowledge Connector: Bessere klinische Entscheidungen in der molekularen Präzisionsonkologie" Knowledge Connector: Bessere klinische Entscheidungen in der molekularen Präzisionsonkologie Forschende am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben mit dem Knowledge Connector ein digitales Werkzeug entwickelt, das klinische Entscheidungen in der molekularen Präzisionsonkologie erheblich […]
Mehr erfahren zu: "BIÖG-Studie zur Jugendsexualität in 2025: Erster Sex immer später" BIÖG-Studie zur Jugendsexualität in 2025: Erster Sex immer später Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in Köln hat die ersten Ergebnisse der Jugendsexualitätsstudie 2025 vorgestellt. Die Daten zeigen vor allem, dass Jugendliche in Deutschland immer später sexuell aktiv werden […]