SUPREMO-Studie entlastet Patientinnen: Weniger Strahlentherapie nach Brustentfernung

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Brustkrebs-Patientinnen müssen nach einer Mastektomie nicht zusätzlich bestrahlt werden, wenn die feingewebliche Untersuchung nur ein mittleres Rückfallrisiko ergibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue UK-Studie.

Nach einer Mastektomie wird bei Brustkrebspatientinnen mit hohem Rückfallrisiko zusätzlich eine Postmastektomie-Radiotherapie (PMRT) empfohlen. Ob diese auch bei nur mäßig hohem Rückfallrisiko sinnvoll ist, war bisher unklar.

Die aktuelle SUPREMO-Studie (Selective Use of Postoperative Radiotherapy aftEr MastectOmy) aus dem Vereinigten Königreich untersuchte diese Frage. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Fast 1700 Teilnehmerinnen

Untersucht wurden Patientinnen in den Krankheitsstadien pT1-2 N1 oder pT2 N0 mit G3 und/oder Lymphgefäßinvasion, die zuvor mit Mastektomie und Axilla-Dissektion behandelt worden waren. Die Wissenschaftler nahmen 1679 Patientinnen in den Jahren 2006 bis 2013 an 173 Kliniken, überwiegend im Vereinigten Königreich, in die Studie auf. Diese erhielten entweder nur eine typische adjuvante medikamentöse Therapie (Kontrollarm) oder eine identische medikamentöse Therapie plus eine Strahlentherapie der Brustwand. Die meisten Patientinnen waren in der Kategorie pN1 und hatten 1-2 befallene axilläre Lymphknoten (durchschnittlich 1,2 befallene Lymphknoten).

Die Heilungsraten waren in beiden Gruppen viel besser als erwartet mit einer 10-Jahres-Überlebensrate von 81,4 bzw. 81,9 Prozent, berichten die Autoren. Bei der Planung der Studie war eine Überlebensrate nach 10 Jahren von 56 Prozent im Kontrollarm kalkuliert worden. Zwar kam es durch die Bestrahlung signifikant seltener zu einem erneuten Tumor an der Brustwand (nach zehn Jahren 1,1 statt 2,5 Prozent). Dieser Unterschied war jedoch sehr klein und hatte keinen Einfluss darauf, wie lange die Patientinnen insgesamt lebten. Die Teilnehmerinnen vertrugen die Strahlentherapie gut, so die Forscher. Im Vergleich zum Kontrollarm kam es außerdem kaum zu vermehrten Nebenwirkungen.

Hohe Heilungsrate beobachtet

Die gute Nachricht für Patientinnen, das betont Prof. Juliane Hörner-Rieber von der DEGRO-Arbeitsgruppe Mammakarzinom, ist die in der Studie in beiden Armen beobachtete hohe Heilungsrate, die deutlich oberhalb der bei der Studienplanung angenommen Werte liegt. Das beruhe vor allem auf der besseren Diagnostik und medikamentösen Therapie bei Risikogruppen. Dass die zusätzliche Strahlentherapie bei so niedrigem Rückfallrisiko keinen zusätzlichen Vorteil zeigte, überrasche daher nicht, sagt sie.

Allerdings müsse man berücksichtigen, dass die in der Studie durchgeführte Operation (Brustentfernung, bei Lymphknotenbefall mit zusätzlicher radikaler Achselausräumung) für die meisten Patientinnen bereits eine Übertherapie darstellte, denn diese Frauen werden heute sehr viel schonender behandelt mit brusterhaltender Operation und Strahlentherapie und Verzicht auf Achselausräumung. Nach einer Mastektomie und wenn nur ein bis zwei Lymphknoten befallen waren (was in der SUPREMO-Studie der Fall war), wird schon seit Jahren bei vielen Patientinnen auf eine Postmastektomie-Bestrahlung verzichtet, ergänzt Hörner-Rieber.

Und ob bei Patientinnen mit drei (oder mehr) befallenen Lymphknoten oder einer Tumorgröße von größer als fünf Zentimetern auf eine Bestrahlung verzichtet werden kann, werde durch die Studie nicht beantwortet, weil diese Patientengruppe nicht ausreichend repräsentiert war.

Erwähnung bereits in neuer S3-Leitlinie

Prof. David Krug, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Campus Kiel, weist darauf hin, dass die Daten der Studie bereits in der neuen S3-Leitlinie erwähnt sind. Bei Patientinnen, die den SUPREMO-Kriterien entsprechen (ein bis zwei Lymphknoten befallen und eher günstige Risikokonstellation sowie mit radikaler Achselausräumung) sollte man auf eine Bestrahlung verzichten, wenn moderne systemische Therapieschemata eingesetzt werden. Andere Patientinnen sollte man detailliert im Tumorboard besprechen und individuell beraten, heißt es weiter.