Systematischer Review zu Chlamydien- und Gonokokken-Infektionen unterstützt Screening bei jungen Frauen

Neisseria gonorrhoeae (3-D-Rendering). Bild: ©PRB ARTS – stock.adobe.com

Das Screening auf Chlamydien und Gonokokken senkt bei jungen Frauen das Risiko für entzündliche Beckenerkrankungen. Das ergab ein systematischer Review im Auftrag der US-amerikanischen Präventions-Task-Force (USPSTF).

Aufgrund dieses Reviews kommt die USPSTF „mit mäßiger Sicherheit“ zu dem Schluss, dass das Screening auf Chlamydien wie auch auf Gonorrhoe bei allen sexuell aktiven Frauen ≤24 Jahren und bei Frauen ≥25 Jahren mit erhöhtem Infektionsrisiko einen moderaten Nettonutzen hat und empfiehlt dies daher in einem aktualisierten Statement jeweils mit Empfehlungsgrad B. Das Gremium kommt zu dem Schluss, dass bei Männern die aktuelle Evidenz nicht ausreicht, um das Verhältnis von Nutzen und Schaden durch ein Screening auf Chlamydien und Gonorrhoe abzuschätzen.

Infektionen mit Folgen

Chlamydien und Gonorrhoe gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen in den USA. Die Infektionsraten sind bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts am höchsten. Chlamydien- und Gonokokkeninfektionen bei Frauen verlaufen in der Regel asymptomatisch und können zu einer entzündlichen Beckenerkrankung und den damit verbundenen Komplikationen führen. Neugeborene von Schwangeren mit unbehandelter Infektion können eine neonatale Chlamydien-Pneumonie oder Gonokokken-/Chlamydien-Ophthalmie entwickeln. Eine Infektion bei Männern kann zu Urethritis und Epididymitis führen. Beide Infektionsarten können das Risiko einer HIV-Infektion oder einer HIV-Übertragung erhöhen.

Für den aktualisierten Evidenzbericht mit systematischem Review wählten Amy G. Cantor von der Oregon Health & Science University in Portland (OR, USA) und Kollegen randomisierte klinische Studien und Beobachtungsstudien aus, in denen die Wirksamkeit des Screenings, die Genauigkeit der Risikostratifizierung und alternativer Screening-Methoden, die Genauigkeit der Tests und mögliche Schäden infolge des Screenings untersucht wurden. Als Datenquellen dienten das Cochrane Central Register of Controlled Trials, die Cochrane Database of Systematic Reviews und Medline. Berücksichtigt wurden Artikel zwischen 01.01.2014 und 28.05.2020. Erhoben wurden Infektionen, Infektionsübertragung, Komplikationen, die diagnostische Genauigkeit von Test- und Probeentnahmemethoden aufgeschlüsselt nach Körperregionen sowie ein möglicher Schaden durch das Screening.

Daten von fast 180.000 Personen analysiert

Die Wissenschaftler schlossen 27 Studien in ihre Analyse ein (n=179.515). Chlamydien-Screening im Vergleich zu keinem Screening war in 2 von 4 Studien signifikant mit einem verringerten Risiko für eine entzündliche Beckenerkrankung (pelvic inflammatory disease, PID) verbunden. In der größten Studie und war das Screening mit einer Reduktion im Krankenhaus diagnostizierter PID (0,24% vs. 0,38%; relatives Risiko 0,6 [95 %-KI 0,4–1,0]) assoziiert; dies galt nicht für ambulant diagnostizierte PID oder Epididymitis. In Studien, die Instrumente zur Risikovorhersage bei asymptomatischen Frauen überprüften, zeigte allein ein Alter <22 Jahre eine zu umfangreicheren Kriterien vergleichbare Genauigkeit.

Die Sensitivität der Chlamydien-Tests war ähnlich, wenn die ­Proben bei Frauen endozervikal entnommen wurden (89–100%) und wenn sie von der Frau selbst oder vom Arzt in der Vagina gewonnen wurden (90–100 %). Das Gleiche gilt für Männer bei Probeantnahme am Meatus (100%), in der Harnröhre (99%) und im Rektum (92%), aber nicht im Pharynx bei Männern, die Sex mit Männern haben (69,2%). Die Sensitivität der Gonokokken-Tests betrug ≥89% für alle Entnahmestellen. Falsch positive und falsch negative Testraten waren bei allen Körperregionen und Methoden der Probeentnahme niedrig.

Das Screening auf Chlamydien­infektionen war also bei jungen Frauen signifikant mit einem geringeren PID-Risiko assoziiert. Die Kriterien für die Risikovorhersage, die über das Alter hinaus gingen, zeigten nur begrenzte Genauigkeit. Der Test auf asymptomatische Chlamydien- und Gonokokkeninfektionen war bei Probeentnahme an den meisten anatomischen Stellen sehr genau, einschließlich Urin- und selbst entnommenen Proben. Die Wirksamkeit des Screenings bei Männern, die Wirksamkeit während einer Schwangerschaft, optimale Screening-Intervalle und Nebenwirkungen des Screenings müssen nach Ansicht der Autoren weiter untersucht werden.

(ms)