Systemischer Lupus: Neu entdeckter Wirkstoff blockiert Signalweg der Immunantwort1. November 2023 Foto: © velimir – stock.adobe.com Forschenden ist die Identifizierung und Charakterisierung einer chemischen Substanz gelungen, die die Wechselwirkung des Transporterproteins SLC15A4 mit dem Adapterprotein TASL hemmen kann. Davon könnten Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes (SLE) profitieren. Bei Autoimmunerkrankungen verlaufen Entzündungen chronisch und führen zu schweren Gewebeschäden. Mehrere komplexe molekulare Signalwege sind an diesem Prozess beteiligt, doch Therapien und Wirkstoffe, die spezifisch auf bestimmte Teile dieser Signalwege abzielen, sind nach wie vor rar. Bereits in vorangegangenen Studien entdeckten die Wissenschaftler der Forschungsgruppe von Giulio Superti-Furga, Principal Investigator und Wissenschaftlicher Direktor des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ein neues Adapterprotein namens TASL, das für die Signalübertragung vom endolysosomalen Membrantransporter SLC15A4 und von den Toll-like-Rezeptoren 7 und 9 – zentralen Spielern der angeborenen Immunabwehr – zum entzündungsfördernden Transkriptionsfaktor IRF5 (Interferon-regulierenden Faktors 5) eine wesentliche Rolle spielt. Ist TASL aktiviert, stehen die Zeichen in der Zelle ganz auf Immunabwehr, denn die in weiterer Folge aktivierten Hormone rufen B-Zellen, T-Zellen und weitere Unterstützer des adaptiven Immunsystems herbei. Was bei gesunden Menschen als sinnvoll erscheint, ist bei Autoimmunerkrankungen wie SLE Teil des Problems. Aus den vorangegangenen Ergebnissen leiteten die Wissenschafter des Superti-Furga Labors die Hypothese ab, dass die Regulierung des Signalweges SLC15A4 und TASL als geeignetes therapeutisches Ziel für die bessere Behandlung von SLE dienen könnte. Den Forschenden gelang nun ein wichtiger Schritt zur Erreichung dieses Ziels: Sie konnten eine neue chemische Substanz identifizieren, die diesen Signalweg unterbricht. Neues Testverfahren Für ihre Studie entwickelten die Forschenden ein neues Testverfahren, mit dem sich die Stabilität beziehungsweise das Vorhandensein von TASL gezielt überwachen lässt. Wenn TASL nicht an SLC15A4 gebunden ist, ist es sehr instabil. Gemeinsam mit der CeMM Molecular Discovery Plattform entdeckte Andras Boeszoermenyi, Studienautor und Postdoc in Superti-Furgas Labor, ein Molekül, das die Stabilität des TASL-Proteins regulierte, und zeigten dabei, dass dies vom Vorhandensein des SLC15A4 abhängig war. Die neu entdeckte Substanz, genannt „Feeblin“, bewirkte genau das, was die Wissenschaftler erwarteten: Sie schaltete die Signalübertragung an IRF5 aus. Das Molekül wurde Feeblin genannt, in Anlehnung an die bedeutende Arbeit des Nobelpreisträgers Bruce Beutler über Mutationen im SLC15A4-Signalweg, der daraus resultierende, mutierten Mäusestämme „feeble“ nannte. „Die Ergebnisse bestätigen die Erkenntnisse, die wir seit der Entdeckung des SLC15A4-TASL-Komplexes und der Vorstellung, wie man ihn angreifen kann, gewonnen haben. Dies bestärkt uns in unserer Überzeugung, mit Feeblin oder ähnlichen Substanzen, in Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit Autoimmunkrankheiten zu erschließen“, so Manuele Rebsamen, vormals Wissenschaftler der Superti-Furga-Gruppe am CeMM und heute Assistenzprofessor an der Universität Lausanne. Sein Team trug dazu bei, die Wirkung der Substanz zu erforschen. Vom Wirkstoffkandidaten zum neuen Medikament Projektleiter Superti-Furga erklärt: „Es ist einfach eine wunderbare Geschichte. Wir haben diesen neuen Adapter für angeborene Immunität, TASL, identifiziert, der an SLC15A4 bindet und für den IRF5-Signalweg unerlässlich ist, und in nur drei Jahren konnten wir einen Wirkstoffkandidaten mit einem völlig neuen Wirkmechanismus identifizieren, einen allosterischen Regulator von Proteininteraktionen.“ Die Validierung des Wirkstoffs unter physiologienahen Bedingungen erfolgte im Team von Leonhard Heinz, Gruppenleiter an der Abteilung für Rheumatologie der Medizinischen Universität Wien und ebenfalls ehemaliges Mitglied des Superti-Furga-Labors. „Bei Lupus besteht ein erheblicher medizinischer Bedarf, und es ist sehr erfreulich zu sehen, wie ein Mechanismus, den wir am CeMM entdeckt haben, jetzt in Form eines Wirkstoffs bei Zellen von SLE-Patientinnen und -Patienten vielversprechende Wirkung zeigt. Wir hoffen, dass sich dies in den kommenden Jahren in neuen Behandlungsmöglichkeiten niederschlagen wird“, so Leonhard Heinz.
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