Tadalafil: Langzeiteinnahme mit erhöhtem Glaukomrisiko assoziiert

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Das zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, aber auch Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) eingesetzte Tadalafil könnte das Glaukomrisiko erhöhen. Darauf deutet eine große Kohortenstudie im Fachjournal „British Journal of Ophthalmology“ hin.

Die Studienautoren um Dr. Yun Hsiu vom National Taiwan University Hospital in Taipeh, Taiwan, empfehlen daher, bei einer langfristigen Tadalafil-Therapie eine ophthalmologische Untersuchung und Verlaufskontrollen in Erwägung zu ziehen. Dies gelte insbesondere für Patienten mit Glaukomrisikofaktoren.

Bei LUTS ist oft eine langfristige Einnahme von Tadalafil nötig

Tadalafil (Cialis) gehört wie Sildenafil (Viagra) zu den Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE5-Hemmer). Die Wirkstoffklasse wurde bereits mit verschiedenen Augenerkrankungen, unter anderem des Sehnervs und der Makula, in Verbindung gebracht. Die bisherige Evidenz für einen möglichen Zusammenhang mit Glaukomen ist jedoch uneinheitlich. Das gilt insbesondere für die langfristige tägliche Einnahme von Tadalafil zur Behandlung von LUTS bei benigner Prostatahyperplasie.

In der retrospektiven Kohortenstudie wurden Daten aus dem TriNetX-Netzwerk ausgewertet. Eingeschlossen wurden Männer ab 40 Jahren mit LUTS infolge einer benignen Prostatahyperplasie. Mittels Propensity-Score-Matching wurden 36.927 Tadalafil-Anwender mit ebenso vielen Männern verglichen, die keine PDE5-Hemmer erhielten. Die Forschenden berücksichtigten unter anderem Alter, Ethnizität, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion und Begleitmedikation.

Deutlicher 5-Jahres-Risikoanstieg unter Tadalafil

Bei einer Einnahmedauer von bis zu fünf Jahren war Tadalafil mit einem um 22 Prozent höheren Glaukomrisiko assoziiert (HR 1,22; 95%-KI 1,12-1,33). Die kumulative 5-Jahres-Inzidenz betrug 3,93 Prozent unter Tadalafil gegenüber 3,16 Prozent ohne PDE5-Hemmer (p<0,001).

Auch eine okuläre Hypertension (HR 1,32; 95%-KI 1,06-1,65) und ein primäres Offenwinkelglaukom (HR 1,33; 95%-KI 1,05-1,67) traten unter Tadalafil häufiger auf. Dagegen zeigte sich weder für das Normaldruckglaukom noch für das primäre Winkelblockglaukom eine signifikante Assoziation. Eine Glaukomtherapie wurde unter Tadalafil ebenfalls häufiger begonnen (HR 1,33; 95%-KI 1,20-1,47).

Augenärztliche Untersuchung vor Tadalafil-Therapie könnte sinnvoll sein

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich aus den Ergebnissen kein kausaler Zusammenhang ableiten. Hsiu und seine Kollegen vermuten aber, dass eine chronische PDE5-Hemmung die Physiologie des Auges beeinflussen könnte.

Dennoch folgern sie: „Die Ergebnisse stellen keine Kontraindikation für die Anwendung von Tadalafil dar. Sie unterstreichen aber die Bedeutung einer ophthalmologischen Ausgangsuntersuchung und regelmäßiger Verlaufskontrollen, insbesondere bei Patienten mit bestehendem Glaukom, okulärer Hypertension, familiärer Glaukombelastung oder hoher Myopie sowie bei Patienten, die eine Langzeittherapie benötigen.“

(nec/BIERMANN)