Tag der Organspende: Bundesweit stehen zu wenig Spenderherzen zur Verfügung3. Juni 2023 Foto: ©Kiattisak – stock.adobe.com In Deutschland gibt es statistisch pro eine Millionen Einwohner nur zehn Organspender. Über die Hälfte aller Patientinnen und Patienten, die auf ein neues Spenderherz warten, können nicht versorgt werden. Zum diesjährigen Tag der Organspende am 3. Juni machen die herzmedizinischen Fachgesellschaften auf das Thema aufmerksam und fordern ein Umdenken in der Bundesrepublik. Trotz aller Fortschritte in der Herz-Kreislauf-Medizin bietet die Transplantation eines neuen Herzens für viele schwer Erkrankte die einzige Überlebenschance. „Wegen des anhaltenden Mangels an Spenderherzen sind die Aussichten, ein geeignetes Spenderorgan zu erhalten, für viele Patientinnen und Patienten aber sehr gering“, erklärt Prof. Volkmar Falk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). „Für Menschen mit schwerer, nicht umkehrbarer Herzinsuffizienz im Endstadium ist jedoch die Herztransplantation die einzige Aussicht auf langfristiges Überleben.“ Ohne Spenderherz lebt man mit Herzschwäche nur noch rund fünf Jahre Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die Todesursache Nummer Eins in Deutschland. Eine der schwersten und tödlichsten Herzerkrankungen ist dabei die Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. Der Herzmuskel schafft hier nicht mehr, genügend Blut durch den Körper zu pumpen. Erkrankte bekommen bei mittleren oder kleinen Anstrengungen unter anderem Luftnot oder Schwindel und sind im Alltagsleben eingeschränkt. „Zwar wurde die Herzschwäche durch Fortschritte in der Forschung in den letzten Jahrzehnten immer besser behandelbar, dennoch liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit nach der Diagnose nur bei rund fünf Jahren“, sagt Prof. Holger Thiele, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK). Die einzige langfristige Therapie für ausgewählte Personen mit unumkehrbarer Herzinsuffizienz im Endstadium ist eine Transplantation. „Die Prognose für Herztransplantierte ist sehr gut: Etwa 60 Prozent leben zehn Jahre und länger mit einem Spenderherzen. Organspenden heißt Leben retten und Lebenszeit schenken“, betont DGTHG-Präsident Falk. Für das menschliche Herz gibt es aktuell keinen vollwertigen künstlichen Ersatz. Implantierbare Kreislaufpumpen zur Unterstützung der Pumpfunktion des Herzkammermuskels (Ventricular Assist Devices, VAD), sind damit momentan die einzige längerfristige Therapie, wenn andere Behandlungsoptionen limitiert sind und kein Spenderherz zur Verfügung steht. Patientinnen und Patienten können mit einem permanenten VAD jahrelang, meistens mit nur geringen Einschränkungen, leben. Diese Therapie dient heutzutage entweder als Überbrückung der Wartezeit bis zur Herztransplantation oder sogar als dauerhafte Alternative zur Transplantation, wenn diese aus medizinischen Gründen nicht indiziert ist. Regelung in Deutschland erschwert Organtransplantationen Auf eine Million Deutsche kommen derzeit nur gut zehn Organspender. Aktuell gilt in Deutschland die Willensbekundung. Das bedeutet, wer nach seinem Tod anderen Menschen durch die Organspende das Leben retten will, muss dies vorher ausdrücklich schriftlich dokumentieren; idealerweise durch den Organspendeausweis (erhältlich u.a. beim Hausarzt, in Apotheken und unter www.organspende-info.de). Wenn kein Organspendeausweis vorliegt, werden meist die Angehörigen um Erlaubnis gefragt, ob die lebensrettenden Organe entnommen werden dürfen. „Leider besteht bei den Angehörigen oft Unsicherheit darüber, wie der oder die Verstorbene entschieden hätte. Deshalb entscheiden sich viele vorsichtshalber dagegen. Daher ist es wichtig, dass sich jeder selbst einmal über das Thema Gedanken macht und sich eine eigene Meinung bildet“, meint DGK-Präsident Thiele. Widerspruchslösung wäre die menschlichere Variante In vielen europäischen Ländern gilt bereits die Widerspruchslösung. Dabei sind potenziell alle Menschen grundsätzlich Organspenderinnen und -spender, es sei denn, sie haben sich zu Lebzeiten ausdrücklich dagegen entschieden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach plädierte im Januar 2023 bereits dafür, über die Einführung der Widerspruchslösung in Deutschland erneut abstimmen zu lassen. Eine erste Abstimmung im Jahr 2020 war gescheitert. Thiele: „Die Nationale Herz-Allianz unterstützt das Vorhaben von Prof. Lauterbach, die Widerspruchslösung in Deutschland zu etablieren. Es ist die wesentlich menschlichere Lösung, denn sie stellt das Leben in den Vordergrund des Denkens und nicht den Tod. Jedes gespendete Organ ist ein potenzieller Neuanfang für ein schwerkrankes Kind, oder eine Mutter oder einen Vater, die vielleicht sonst keine Chance auf Überleben hätten.“
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