Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf10. Dezember 2018 Unterhalb einer kritischen Länge führt der Telomer-Schwund zum Wachstumsstopp oder zum Zelltod. In Stammzellen und den meisten Krebszellen dagegen wird die Länge der Chromosomenenden durch spezielle Verlängerungsmechanismen oberhalb der kritischen Schwelle erhalten, sodass die Zellen quasi „unsterblich“ sind. (Foto: © freshidea – Fotolia.com) In einem internationalen Forschungsprojekt entschlüsseln Wissenschaftler die Mechanismen von Wachstum und Rückbildung beim Neuroblastom. Zu den häufigsten Krebsarten im Kindesalter gehört das Neuroblastom. Teils bildet sich dieser Tumor ohne jegliche Therapie komplett zurück, bei anderen Patienten jedoch schreitet er trotz hochintensiver Therapie unaufhaltsam voran. In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler der Klinik für Kinderheilkunde an der Uniklinik Köln im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts die genetischen Ursachen der unterschiedlichen Verlaufsformen dieses Tumors. Durch die Entschlüsselung der Erbinformation der Krebszellen entdeckten die Wissenschaftler Veränderungen in Genen des RAS- und des p53-Krebssignalwegs in etwa 18 Prozent der Fälle. „Das Vorliegen solcher Veränderungen war insgesamt mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf vergesellschaftet, jedoch ließ sich bei einigen Patienten mit derartigen Mutationen auch eine spontane Rückbildung des Tumors nachweisen“, berichtet Prof. Matthias Fischer, Leiter der Experimentellen Pädiatrischen Onkologie an der Uniklinik Köln. Durch die Integration der genetischen Daten mit Informationen über Verlängerungsmechanismen der Chromosomen-Enden, der Telomere, konnten die Wissenschaftler ein klares Bild über die Mechanismen der verschiedenen Verlaufsformen des Neuroblastoms gewinnen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Neuroblastome nur dann aggressiv wachsen, wenn Telomer-Verlängerungsmechanismen vorliegen. „Sind darüber hinaus noch zusätzliche Mutationen in Krebssignalwegen vorhanden, so ist der Krankheitsverlauf besonders ungünstig, und die meisten der betroffenen Kinder können mit heutigen Behandlungsschemata nicht geheilt werden. Fehlen jedoch Telomer-Verlängerungsmechanismen, kommt es regelmäßig zu spontanen Rückbildungen des Tumors, und die Prognose der Patienten ist zumeist auch ohne jegliche Therapie exzellent“, erklärte Dr. Sandra Ackermann, Forscherin in Fischers Arbeitsgruppe. Den Wissenschaftlern zufolge verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Aktivierung von Telomer-Verlängerungsmechanismen einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung bösartiger Tumoren darstellt. Mit Hilfe der genetischen Informationen ist es beim Neuroblastom nun möglich, den Krankheitsverlauf der Patienten präzise vorherzusagen und die Therapie entsprechend anzupassen. Darüber hinaus liefern die Ergebnisse Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien für Patienten mit einer besonders ungünstigen Prognose: Die gezielte Hemmung von Krebssignalwegen und Telomer-Verlängerungsmechanismen könnte bei diesen Kindern einen vielversprechenden neuen Therapieansatz darstellen. Originalpublikation: Ackermann S. et al.: A mechanistic classification of clinical phenotypes in neuroblastoma. Science 2018;362(6419):1165-1170.
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