Mehr mentale Care-Arbeit bei Frauen mit Folgen für die psychische Gesundheit

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Forscherinnen der HMU Health and Medical University in Potsdam haben die Verteilung und die gesundheitlichen Folgen mentaler Care-Arbeit in Deutschland untersucht. Die Studie zeigt, dass Frauen nicht nur die Hauptlast der „unsichtbaren“ Familienorganisation tragen, sondern dass insbesondere die emotionale Sorgearbeit ein erhebliches Risiko für die psychische Gesundheit darstellt.

Während körperliche Hausarbeit oft sichtbar ist, bleibt die mentale Care-Arbeit – das Planen, Organisieren und Sorgen – meist verborgen. Das Team um HMU Prof. Rebecca Wiczorek konnte nachweisen, dass Frauen in Deutschland signifikant mehr mentale Care-Arbeit leisten als Männer. Besonders deutlich ist der Unterschied im organisatorischen Bereich, gefolgt von kognitiven Aufgaben. Bemerkenswert ist hierbei: Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind in Deutschland mehr als doppelt so groß wie in vergleichbaren US-amerikanischen Studien, was auf kulturelle Unterschiede hindeutet.

Emotionale Care-Arbeit als größter Stressfaktor

Die Studie belegt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der mentalen Care-Arbeit und einer schlechteren psychischen Gesundheit. Wer mehr mentale Care-Arbeit leistet, berichtet über mehr Stress, stärkere Depressivität und höhere emotionale Erschöpfung. „Der entscheidende Faktor ist dabei die emotionale Komponente, also das ständige Sich-Sorgen-Machen um das Wohlbefinden der Familienmitglieder“, erklärt Wiczorek. Diese Form der Arbeit ist oft grenzenlos und führt dazu, dass Betroffene auch nach Abschluss physischer Tätigkeiten gedanklich nicht zur Ruhe kommen.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass das Geschlecht die Wirkung dieser Belastung beeinflusst. Während Frauen vor allem bei einem sehr hohen Pensum an mentaler Care-Arbeit überproportionale Einbußen ihrer psychischen Gesundheit erleben, zeigen Männer bei geringer bis moderater Belastung stärkere negative Auswirkungen als Frauen. Dies könnte darauf hindeuten, dass gesellschaftliche Rollenerwartungen und die Art der übernommenen Aufgaben eine wesentliche Rolle bei der Verarbeitung des „Mental Load“ spielen.

Praktische Implikationen und Ausblick

Die Ergebnisse sind nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern haben auch konkrete Praxisbedeutung. Institutionen mit Familienkontakt – etwa Beratungsstellen oder Gesundheitseinrichtungen – könnten die Befunde nutzen, um stärker für das Thema mentale Care-Arbeit zu sensibilisieren und stereotype Geschlechterrollen zu hinterfragen. Darüber hinaus bieten die Ergebnisse Ansatzpunkte für gezielte Interventionen, wie etwa Achtsamkeitstrainings, die nachweislich das Stresserleben von Eltern reduzieren können. Künftige Forschung sollte zudem Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Paare einbeziehen sowie längsschnittliche Designs nutzen, um Kausalzusammenhänge besser zu verstehen.