Migräne ist mehr als nur „Kopfschmerz“5. September 2026 Symbolbild © fizkes/stock.adobe.com Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert zum Tag des Kopfschmerzes einen früheren Zugang zu leitliniengerechter Versorgung von Migräne. Zum bundesweiten Tag des Kopfschmerzes am 5. September will die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) auf die Versorgungslücke bei Migräne aufmerksam machen. Migräne ist für Betroffene oft weit mehr als „nur Kopfschmerz“. Sie kann den Alltag, die Arbeit und das Familienleben massiv beeinträchtigen. Gleichzeitig wird sie häufig zu spät erkannt oder nicht passend behandelt. Dabei waren die Möglichkeiten der modernen Migränetherapie nie besser als heute. Viele Betroffene nach wie vor zu spät diagnostiziert Mit rund acht bis zehn Millionen Betroffenen zählt Migräne zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen in Deutschland und gehört weltweit zu den führenden Ursachen für krankheitsbedingte Einschränkungen im erwerbsfähigen Alter. Trotz moderner Therapiemöglichkeiten würden viele Betroffene zu spät diagnostiziert oder nicht konsequent nach aktuellem Stand behandelt. Wie lässt sich Migräne früher erkennen? Was hilft im Alltag wirklich? Warum brauchen viele Betroffene einen besseren Zugang zu moderner Versorgung? Mit ihrer Initiative „Berlin migränefrei 2027“ wollen die Schmerzmediziner Dr. Jan Peter Jansen, Leiter des DGS-Landeszentrums Berlin/Brandenburg, und seine Tochter Dr. Wiebke Jansen Menschen dabei unterstützen, ihre Migräne zu verstehen, wirksam zu behandeln und einen selbstbestimmten Umgang mit ihrer neurologischen Veranlagung zu entwickeln. Am 1. Oktober startet in Berlin der „Migräne-Lotse“, eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Menschen mit Verdacht auf Migräne oder gesicherter Diagnose, die Orientierung und Zugang zu einer leitliniengerechten ambulanten Versorgung bieten soll. „Denn die Folgen einer unzureichenden Versorgung sind vermeidbare Schmerzen, Einschränkungen der Lebensqualität sowie erhebliche gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Belastungen.“, so Jansen. „Migräne ist nicht Schwäche, sondern neurologische Besonderheit” „Migräne ist keine Schwäche, sondern eine neurologische Besonderheit. Viele Menschen mit Migräne verfügen über außergewöhnliche Fähigkeiten und Ressourcen,“ beschreibt Dr. Michael Überall, DGS-Vizepräsident, Schmerzmediziner, Kinderarzt und Experte für Migräneprophylaxe aus Nürnberg. Er lebt selbst mit Migräne und kann die negativen und positiven Seiten der Erkrankung aus eigener Erfahrung einordnen. „Wichtig ist es, dass Migräne frühzeitig erkannt und passgenau behandelt wird. Wir haben heute wirksame Optionen für Akuttherapie und Prophylaxe – von Triptanen über CGRP-Antikörper bis zu nichtmedikamentösen Ansätzen. Entscheidend ist, dass Menschen mit häufigen Attacken oder chronischer Migräne nicht jahrelang warten müssen, bis sie eine sinnvolle Therapie erhalten. Wer frühzeitig behandelt wird, hat eine realistische Chance, Attackenfrequenz und Leidensdruck deutlich zu reduzieren und einer Chronifizierung vorzubeugen.“ Prof. Hartmut Göbel, Leiter des DGS Exzellenzzentrum Kiel, Schmerzmediziner, Neurologe und Experte für Kopfschmerz- und Migränemedizin, ordnet die Erkrankung medizinisch ein: „Migräne entsteht aus einer neurobiologischen Disposition heraus, die durch genetische und Umweltfaktoren geprägt ist. Wenn Attacken zu häufig werden oder nicht adäquat behandelt werden, kann sich ein chronischer Schmerz entwickeln. Eine gute Behandlung bedeutet heute, frühzeitig zu diagnostizieren, leitliniengerecht zu therapieren und digitale sowie verhaltensbasierte Angebote sinnvoll zu kombinieren.“ Göbel hat mit der TK die Migräne-App entwickelt, die dabei hilft, den Überblick über Attacken, Trigger und Therapieerfolge zu behalten. „Das Thema Kopfschmerz und Migräne ist ein wichtiger Schwerpunkt der DGS. Mit unseren Praxisleitlinien, der Vernetzung von Schmerzzentren und gezielten Fortbildungen schaffen wir die Grundlage für eine leitliniengerechte Versorgung,“ sagt DGS-Präsident Dr. Richard Ibrahim.
Mehr erfahren zu: "Psyche und Körper zusammen denken" Psyche und Körper zusammen denken Auf einr DKOU-Session der Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akutkliniken (ANOA) wurde für mehr Offenheit zwischen den Fachrichtungen geworben.
Mehr erfahren zu: "Migräne individuell behandeln: Was neue Medikamente leisten – und was die Versorgung erschwert" Migräne individuell behandeln: Was neue Medikamente leisten – und was die Versorgung erschwert Moderne CGRP-Medikamente helfen vielen Migränepatienten, aber nicht allen – und welches Mittel wirkt, lässt sich bislang nicht vorhersagen. Neue Rabattregeln könnten den nötigen Präparatewechsel nun erschweren, warnt die Fachgesellschaft DMKG. […]
Mehr erfahren zu: "Narkolepsie: Neue Therapie zielt erstmals auf das fehlende Orexin" Weiterlesen nach Anmeldung Narkolepsie: Neue Therapie zielt erstmals auf das fehlende Orexin Ein neuer Wirkstoff könnte die Therapie der Narkolepsie grundlegend verändern, indem er direkt am gestörten Orexinsystem ansetzt. Prof. Ulf Kallweit von der Universität Witten/Herdecke erläutert den neuen Therapieansatz und die […]