Therapeutischer HPV-Impfstoff bei Kopf-Hals-Krebs: Nutzen unklar

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Beugt der therapeutische HPV-Impfstoff PepCan Rezidiven bei Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen vor? In einer Studie erwies sich der Impfstoff als sicher, reduzierte die Rezidivrate im Vergleich zu Placebo aber nicht.

Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Phase-I/II-Studie unter der Leitung von Emily Bivens und Mayumi Nakagawa von der University of Arkansas for Medical Sciences in Little Rock untersuchte den therapeutischen Impfstoff gegen das humane Papillomavirus (HPV) PepCan. Im Fokus stand, ob die Impfung verträglich ist und im Vergleich zu Placebo zu weniger Rezidiven bei Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen führt.

Die Impfung erwies sich als verträglich, allerdings war der Anteil an Rezidiven in der Impfstoff-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe. Damit scheint PepCan mit Blick auf die Reduzierung von Rezidiven nicht wirksam zu sein – allerdings weisen die Autoren auf die geringe Patientenzahl hin. Damit seien die Ergebnisse nicht eindeutig. Trotzdem liefere die Studie wichtige immunologische Erkenntnisse, betonen Bivens et al. Die Studie wurde in „Oncotarget“ veröffentlicht.

Der experimentelle therapeutische HPV-Impfstoff PepCan soll die Immunantwort gegen HPV 16 stimulieren. PepCan enthält vier HPV-16-E6-Peptide in Kombination mit einem aus Candida gewonnenen Adjuvans. Von diesem ist bereits bekannt, dass es das Immunsystem stimuliert. Es wurde bereits in früheren Studien zu therapeutischen Krebs-Impfungen getestet.

Therapeutischer HPV-Impfstoff zeigt günstiges Sicherheitsprofil

An der Studie nahmen 17 Patienten mit HNSCC teil, unabhängig von ihrem HPV-Status. Alle hatten eine Standardtherapie abgeschlossen und wiesen keine Anzeichen einer Erkrankung auf, als sie in die Studie aufgenommen wurden. Die Teilnehmer wurden randomisiert und erhielten entweder PepCan (12) oder ein Placebo (5). Die Teilnehmer wurden bis zu zwei Jahre lang nachbeobachtet, um Sicherheit und Immunreaktionen zu bewerten sowie Rezidive zu erfassen.

Mit Blick auf den HPV-Status waren Impf- und Placebogruppe ähnlich, allerding nicht hinsichtlich der Lokalisation der Erkrankung. Während die Patienten der Placebogruppe ein Larynxkarzinom hatten, waren es bei den Patienten der Impfgruppe Larynx, Pharynx oder Mundhöhle betroffen.

Der therapeutische Krebs-Impfstoff zeigte ein günstiges allgemeines Sicherheitsprofil. Am häufigsten traten leichte Reaktionen an der Injektionsstelle als unerwünschte Ereignisse auf, bei Patienten, die PepCan erhielten, signifikant häufiger. Bei zwei Teilnehmern kam es nach der sechsten Injektion zu allergischen Reaktionen, darunter ein Ereignis des Grades 3. Diese Reaktionen stuften die Autoren als dosislimitierende Toxizitäten ein. Schwerwiegende unerwünschten Ereignisse wurden nicht gemeldet.

Rezidivrate in der Placebo-Gruppe höher, Stichprobe zu klein

Das Autorenteam analysierte PepCan versus Placebo hinsichtlich der Rezidivraten in der Intention-to-treat-Population. Dabei zeigte sich, dass die Rate in der Placebo-Gruppe höher war: Vier von fünf (80%) Patienten der Placebo-Gruppe blieben im Rahmen der Studie rezidivfrei, während das nur auf fünf von elf (45%) der Impf-Gruppe zutraf. Allerdings sei die Stichprobengröße zu klein, um abschließend zu beurteilen, welchen Einfluss die Impfung auf das Rezidivrisiko hat, so die Autoren.

Das Team um Bivens und Nakagawa hatte die Studie vorzeitig abgebrochen. In ihrer Arbeit geben sie zwei Gründe für die Entscheidung an. Erstens sei es zu Problemen bei der Herstellung des Impfpeptids gekommen. Als zweiten Grund verwiesen sie auf die Ergebnisse einer klinischen Phase-II-Studie, welche die Wirksamkeit von PepCan mit der alleinigen Gabe des Candida-Adjuvans bei Frauen mit zervikalen intraepithelialen Neoplasien verglichen hatte. Sowohl für PepCan als auch für das Candida-Adjuvans konnte eine Regression der Neoplasien beobachtet werden, bei vergleichbarer Wirksamkeit. Die Studie von Nakagawa M et al. ist derzeit als Preprint verfügbar.

Immunanalysen liefern wichtige Hinweise

Bivens und ihr Team untersuchten auch die Immunreaktionen – dabei waren einige Befunde „bemerkenswert“, wie die Forschenden hervorheben. So zeigten rezidivfreie Patienten in der PepCan-Gruppe nach der Impfung eine Tendenz, neue T-Zell-Reaktionen gegen HPV 16 E6 zu entwickeln. Zudem waren höhere Konzentrationen zirkulierender T-Helferzellen vom Typ 1 (Th1) vor der Impfung mit einem Ausbleiben von Rezidiven assoziiert. Das deutet nach Einschätzung der Autoren darauf hin, dass der bereits bestehende Immunstatus das Ansprechen auf den Impfstoff beeinflussen könnte.

Die Forscher analysierten zudem T-Zell-Rezeptor-Repertoires, Zytokinprofile sowie das Mund- und Darmmikrobiom. Es wurden keine wesentlichen Unterschiede im Mikrobiom festgestellt. Dennoch lieferten die Immunanalysen weitere Hinweise darauf, dass impfstoffinduzierte zelluläre Immunantworten bei einigen Patienten mit den klinischen Ergebnissen in Zusammenhang stehen könnten. (ja/BIERMANN)