OSA-Diagnose: Reicht eine Nacht im Schlaflabor wirklich aus?25. August 2026 Foto: kittyfly/stock.adobe.com Um eine Obstruktive Schlafapnoe (OSA) zu diagnostizieren, reicht eine Nacht im Schlaflabor wohl nicht. Wie eine prospektive Studie zeigt, führen Schwankungen im Schweregrad von Nacht zu Nacht zu falschen oder fehlenden Diagnosen. Die neue Studie eines Teams um Dr. Bastien Lechat von der Flinders University in Adelaide (Australien) stellt die bisherige Praxis zur OSA-Diagnose infrage: Die Überwachung und Vermessung des Schlafs für eine Nacht im Schlaflabor liefert kein so genaues Bild der Erkrankung wie die Schlafanalyse über mehrere Nächte hinweg. Das Team um Lechat hatte für seine prospektive klinische Studie den Standard – eine Nacht im Schlaflabor – mit wiederholtem Schlafmonitoring über mehrere Wochen hinweg verglichen. Dabei zeigte sich, dass der Schweregrad der Schlafapnoe von Nacht zu Nacht erheblich variieren kann. Damit spiegelt ein einzelner Test den tatsächlichen Zustand einer Person möglicherweise nicht wider. Für Erstautor Lechat zeigen die in „npj Digital Medicine“ veröffentlichten Studienergebnisse eine grundlegende Einschränkung der derzeitigen Ansätze zur OSA-Diagnose auf. Schlafmonitoring zu Hause versus eine Nacht im Schlaflabor Für ihre Studie rekrutierten die Autoren 100 Personen mit Verdacht auf OSA. Diese erhielten ein Schlafmonitoring-System (Withings Sleep Analyzer [WSA]), das unter der Matratze angebracht wurde, um den Schlaf zu Hause über einen Zeitraum von drei Monaten zu überwachen. Parallel dazu unterzogen sich die Probanden einer Polysomnographie über eine einzelne Nacht. Primärer Endpunkt der Studie war die Durchführbarkeit des Monitorings mit der neuen Technologie zur Schätzung des Apnoe-Hypnoe-Index (AHI). Dieser galt als erreicht, wenn mindestens 14 Nächte mit AHI-Aufzeichnungen innerhalb des ersten Monats vorlagen. Zu den sekundären Endpunkten gehörte die diagnostische Einstufung einer mittelschweren bis schweren OSA (AHI ≥ 15 Ereignisse/h). In ihre endgültigen Analysen bezogen Lechat et al. 92 Teilnehmer (53 ± 15 Jahre; BMI = 31 ± 7 kg/m²; 48 Frauen) ein. Bei 85 (92 %) lagen im ersten Überwachungsmonat mindestens 14 Nächte mit gültigen AHI-Messungen vor. Im Vergleich zur Polysomnographie wies die WSA eine Spezifität von 85 Prozent bei einer Sensitivität von 77 Prozent sowie einen Gesamt-F1-Score von 80 Prozent bei der Erkennung von OSA auf. OSA-Diagnose mittels WSA: Höhere Variabilität des Schweregrads Teilnehmer, bei denen die Autoren mittels WSA, aber nicht durch Polysomnographie eine OSA diagnostizieren konnten, wiesen eine höhere Variabilität des OSA-Schweregrads von Nacht zu Nacht auf. Außerdem zeigte sich, dass viele dieser Studienteilnehmer während der Polysomnographie nur minimal in Rückenlage schliefen und zudem eine kurze Schlafdauer (-97 [-183, -11] min, p-Wert = 0,027) aufwiesen. Wie die Autoren schreiben, belegen ihrer Ergebnisse, dass die mehrnächtige, belastungsfreie Überwachung von OSA mittel KI zu Hause durchführbar ist. Sie könne Patienten identifizieren, bei denen das Risiko einer Fehldiagnose bei einer einmaligen Polysomnographie besteht, darunter solche mit hoher Schwankungsbreite von Nacht zu Nacht, kurzer Schlafdauer und minimalem Schlaf in Rückenlage während der Polysomnographie, heißt es weiter in der Veröffentlichung. „Schlafapnoe ist eine dynamische Erkrankung“ „Bei einigen Teilnehmern stellten wir deutliche Unterschiede zwischen dem Ergebnis einer einzelnen Nacht und dem Durchschnittswert über mehrere Nächte fest, was darauf hindeutet, dass aktuelle diagnostische Ansätze den Schweregrad der Erkrankung bei manchen Personen unter- oder überschätzen könnten“, fasste Lechat die Studienergebnisse zusammen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Schlafapnoe eine dynamische Erkrankung ist, und indem wir erfassen, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert, können wir ein viel genaueres und klinisch aussagekräftigeres Bild vom Zustand eines Patienten erstellen“, ergänzte Prof. Sutapa Mukherjee, Professorin für Atemwegs- und Schlafmedizin an der Flinders University. Patienten mit höherem Komplikationsrisiko identifizieren Über die Verbesserung der Genauigkeit der OSA-Diagnose hinaus könnten die Ergebnisse die Art und Weise verändern, wie Ärzte das Risiko einschätzen und die Behandlung steuern. Frühere Untersuchungen haben eine hohe Variabilität der Schlafapnoe von Nacht zu Nacht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht. Das bedeutet nach Einschätzung der Autoren, dass diese Muster dabei helfen könnten, Patienten mit einem höheren Komplikationsrisiko zu identifizieren. „Für Patienten bedeutet dies eine bessere Chance auf eine Diagnose, die ihren Zustand wirklich widerspiegelt, und für Ärzte eröffnet dies die Möglichkeit einer fundierteren und personalisierten Versorgung“, betonte Lechat. Noch sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, wie sich Daten aus mehreren Nächten am besten in die Routinepraxis zur OSA-Diagnose integrieren lassen. Trotzdem deuten die Ergebnisse für die Autoren auf einen Paradigmenwechsel hin – weg von der Betrachtung der OSA-Diagnose als eine einmalige Messung über eine einzige Nacht hin zur Anerkennung als eine Erkrankung, die sich im Laufe der Zeit entwickelt und im Schweregrad schwanken kann. (ja/BIERMANN)
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