Therapie bei Vorhofflimmern: Doppelte Premiere

Das „Affera“-Behandlungsteam im Herzkatheter-Labor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte: v.r.: Luis Emmanuel Castillo Jiménez (Funktionspflege), Marcel Haug (Oberarzt Intensivstation), Verena Tscholl (Leitung interventionelle Elektrophysiologie), Robert Hättasch (Leitung Hochschulambulanz), Tilman Grüner (Funktionspflege), Klinikdirektor Gerhard Hindricks. Foto: ©Ch. Maier/DHZC

Das Deutsche Herzzentrum der Charité (DHZC) setzt auf innovative Technologie, um schwere Formen des Vorhofflimmerns effektiver und zugleich schonender behandeln zu können.

Seit wenigen Jahren steht Kardiologinnen und Kardiologen neben den klassischen thermischen Ablationsverfahren (Hochfrequenzablation und Kryoablation) auch die Pulsed-Field-Ablation (PFA) zur interventionellen Behandlung des Vorhofflimmerns Verfügung. Bei diesem neuartigen Verfahren werden weder Hitze noch Kälte zur Verödung des Gewebes eingesetzt, sondern kurze elektrische Impulse. Diese wirken am Ursprungsort der Rhythmusstörung nahezu ausschließlich auf die Herzmuskelzellen – das umliegende Gewebe bleibt also intakt.

Das DHZC war 2022 unter den ersten Zentren in Deutschland, die dieses Verfahren eingesetzt haben. Nun ist die DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin die bundesweit erste Klinik, die mit dem „PulseSelect“ genannten System einen völlig neu entwickelten PFA-Katheter einsetzt. Die damit durchgeführte Ablationsbehandlung benötigt weniger Zeit, verursacht weniger Komplikationen und kann weniger Folgeeingriffe nötig machen, hebt das DHZC die Vorteile des Systems hervor.

Internationale Studie belegt Sicherheit und Effektivität

In der multizentrischen Studie PULSED AF, durchgeführt mit 300 Patientinnen und Patienten in 41 Zentren, konnten die hohe Effektivität und die äußerst geringe Komplikationsrate beim Einsatz dieses innovativen Verfahrens belegt werden. So kam es in nur 0,7 Prozent der Behandlungen zu ernsthaften Komplikationen, 80 Prozent der Patientinnen und Patienten spürten als Folge der Behandlung keinen unregelmäßigen Herzschlag mehr.

„All in one“

Ein weiteres, am DHZC erstmals eingesetztes System vereint drei Katheter zu einem. Das „Affera“-System bietet die Möglichkeit sowohl zur Pulsed-Field- als auch zur Hochfrequenz-Ablation und verfügt zugleich über eine hochmoderne „Mapping“-Funktion: Dabei wird mit Hilfe spezieller Sensoren ein dreidimensionales Modell der Herzkammer erstellt, in dem dann die Bereiche identifiziert werden können, die die unregelmäßigen Herzschläge erzeugen.

Bisher musste sowohl für dieses Mapping als auch für die anschließende Ablationsbehandlung jeweils ein separater Katheter vorbereitet und über die Gefäße bis ins Herz vorgeschoben werden. Das neue System kommt weltweit erstmals mit einem Katheter aus und ermöglicht den behandelnden Ärztinnen und Ärzten dabei auch kurzfristig die Wahl des optimalen Ablationsverfahrens: Denn je nach Ursprungsort der schadhaften Reize im Herzen bieten sowohl die Hochfrequenzablation als auch die PFA Vor- und Nachteile.

Bundesweit bisher nur an drei Zentren 

Die im Fachmagazin „JACC: Electrophysiology“ veröffentlichten Ergebnisse der 12-monatigen Studie als Grundlage für die CE-Kennzeichnung zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit dem neuartigen Katheter und den verschiedenen Ablationsläsionssets effizient, sicher und klinisch effektiv behandelt werden können. Das DHZC (Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte) gehört zu den drei ersten Zentren in Deutschland, die das Affera-Verfahren anwenden.

Individuell beste Therapie bei Vorhofflimmern

„Die neuen, hochinnovativen Systeme erweitern unsere therapeutischen Möglichkeiten auf eindrucksvolle Weise“, sagt Prof. Gerhard Hindricks, Leiter der DHZC-Rhythmologie und Direktor der DHZC-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Campus Charité Mitte: „Je nach Lokalisation, Schweregrad und etwaiger Vorbehandlung können wir unseren Patientinnen und Patienten nun ein noch besseres und individuell maßgeschneidertes Angebot zur schonenden, zielgerichteten und nachhaltigen Behandlung des Vorhofflimmerns machen.“