Therapieangebot für Kinder und Jugendliche mit Kopfschmerz wird ausgebaut

Das Uniklinikum Dresden und die AOK Plus haben einen Versorgungsvertrag für ein Kinder- und Jugendkopfschmerzprogramm geschlossen (v.l.): Prof. Rainer Sabatowski, Frank Ohi (Kaufmännischer Vorstand Universitätsklinikum Carl Gustav Carus), Rainer Striebel (Vorstandsvorsitzender der AOK Plus), Prof. Gudrun Goßrau, Dr. Matthias Richter. (Quelle: UKD/Marc Eisele)

Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen, mehr als 20 Prozent fehlen deshalb wiederholt im Unterricht. ie Kopfschmerzambulanz am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bietet über das Dresdner Kinder-/Jugendkopfschmerzprogramm (DreKiP) die Möglichkeit zu einer multimodalen Therapie. Gemeinsam mit der Krankenkasse AOK Plus hat sich das Uniklinikum nun auf die weitere Finanzierung der Therapie geeinigt.

Eine Studie an Dresdner Schulen hat ergeben, dass 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen haben. Rund fünf Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden unter schweren kopfschmerzbedingten Einschränkungen im Alltag, verändern dadurch ihr Verhalten und können nicht zur Schule gehen. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Bildungsweg der Betroffenen. In der Kopfschmerzambulanz für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Dresden wurde in den vergangenen Jahren eine Therapiestrategie etabliert, bei der sowohl biologische als auch psychische und soziale Faktoren von wiederkehrenden Kopfschmerzen berücksichtigt werden. Die Kinderkopfschmerzambulanz befindet sich im UniversitätsSchmerzCentrum und kooperiert im Rahmen des Programms eng mit der Kinderklinik des Uniklinikums.

Am Beginn der Schmerzbehandlung steht die diagnostische Einordnung der Kopfschmerzen durch einen Facharzt oder eine Fachärztin. Allein zwischen 2015 und 2019 stieg die Zahl der Kopfschmerzdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen um 44 Prozent an. „In den anschließenden Corona-Jahren mit Schulschließungen und Homeschooling kamen noch einmal deutlich mehr Fälle dazu“, berichtet Prof. Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Uniklinikum. Sobald ein Kind in das Therapieprogramm aufgenommen wird, muss es in einem Kopfschmerzkalender oder einer App die Häufigkeit, die Stärke und mögliche Begleiterscheinungen dokumentieren. Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind die häufigsten Kopfschmerzen. Zur Therapie werden nichtmedikamentöse Verfahren wie Entspannungstechniken und Ausdauersport, Biofeedback und Schlafhygiene eingesetzt. Auch die Reduktion von Stress spielt eine wichtige Rolle. Bei akutem Migränekopfschmerz kommen entsprechende Medikamente zum Einsatz.

Zentraler Baustein in der Behandlung der jungen Patienten ist die Gruppentherapie. In acht Modulen befassen sich sechs bis acht Kinder und Jugendliche mit den Themen Stressmanagement, Entspannungstechniken und körperlicher Aktivierung. An drei Sitzungen nehmen auch die Eltern teil. Die Auslöser für Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sind vielfältig: Lange Phasen der Konzentration, Flüssigkeits- oder Bewegungsmangel, zu wenig Schlaf oder seelischer Stress können den Schmerz auslösen oder verstärken. Darum ist es so wichtig, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Eltern so viel wie möglich über Kopfschmerzen wissen. Das ist der Ausgangspunkt für das biopsychoedukative Therapiekonzept DreKiP.

Im Januar 2016 startete das ambulante, interdisziplinäre und bislang spendenfinanzierte Therapieprogramm DreKiP am Uniklinikum. Die Erfahrungen und Inhalte aus den vergangenen Jahren werden nun als besondere Versorgung für die Versicherten der Krankenkasse AOK PLUS angeboten.

Versorgungsnetz in Sachsen wird ausgebaut

„Den betroffenen Kindern und Jugendlichen gelingt es nach dem Abschluss des Programms, besser mit ihren Kopfschmerzen umzugehen, durch mehr körperliche Aktivität und eigenständiges Anwenden von Entspannungstechniken erhöht sich die Selbstwirksamkeit und der Alltag gelingt zu Hause und in der Schule besser“, erklärt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. „Diese einzelnen Aktivitäten sind wichtige Elemente, mit denen es den Kindern und Jugendlichen gelingen kann, ihrem Kopfschmerz nachhaltig zu begegnen. Bisher hat die Hochschulmedizin Dresden für dieses wichtige Angebot die Verantwortung als Maximalversorger in der Region übernommen. Mit dem jetzt geschlossenen Vertrag gehen wir einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung, um das Therapieprogramm langfristig anzubieten und regional in Sachsen auszubauen.“

Erklärtes Ziel der Partner ist es, das Versorgungsnetz des am Uniklinikum entwickelten Kopfschmerzprogramms sachsenweit auszubauen. Ein erster Standort wird jetzt in der Kinderklinik des Städtischen Klinikums Görlitz etabliert, dann folgen Chemnitz und Leipzig.