Möglicher Therapieansatz für Nervenschäden bei Diabetes entdeckt28. November 2025 Längsschnitte zweier verletzter Nerven (grün). Beide Präparate stammen von diabetischen Tieren; in der unteren Darstellung wurde das Tier mit einem Peptid behandelt. (Bild: © Dietmar Fischer/Universität zu Köln) Forschende haben den Signalweg entschlüsselt, der bei Diabetes die Nervenregeneration hemmt. Außerdem haben sie ein therapeutisches Peptid entwickelt, das neue Perspektiven für die Behandlung und möglicherweise auch für die Prävention diabetischer Nervenschädigungen bietet. Nervenschäden zählen zu den häufigsten und zugleich belastetsten Folgeerkrankungen des Diabetes. Weltweit leiden Millionen Patienten unter Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Bewegungseinschränkungen. Grund dafür ist oft, dass geschädigte Nervenfasern bei ihnen aus bislang unklaren Gründen nur unzureichend nachwachsen. Ein Forschungsteam um Prof. Dietmar Fischer von der Universität zu Köln hat nun einen zentralen Mechanismus identifiziert, der diese eingeschränkte Regeneration bei Diabetes erklärt. Aufbauend darauf gelang den Forschenden die Entwicklung eines therapeutischen Ansatzes, mit dem sich die Regeneration steigern lässt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ veröffentlicht. Eiweißmolekül p35 blockiert Nervenregeneration Das Team wies in Mausmodellen für Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 nach, dass sich das Eiweißmolekül p35 in Nervenzellen stark anreichert. Dieses Protein aktiviert ein Enzym, das eine Signalkaskade in Gang setzt, die das Nachwachsen von Nervenfasern blockiert. Die natürliche Regenerationsfähigkeit der Nerven ist dadurch erheblich eingeschränkt. Durch gezielte Eingriffe in diesen Signalweg gelang es den Wissenschaftlern, die Blockade aufzuheben. Dies geschah entweder mithilfe genetischer Methoden oder pharmakologisch – mit neu entwickelten Peptiden, die systemisch verabreicht werden können. In den präklinischen Modellen wuchsen die Nervenfasern daraufhin wieder ähnlich schnell wie bei gesunden Tieren. Zudem führte der Erfolg zu deutlichen motorischen und sensorischen Verbesserungen. „Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass die Nervenheilung bei Diabetes auf ein vergleichbares Niveau mit gesunden Tieren gebracht werden kann, wenn die übermäßige Aktivierung des Signalwegs verhindert wird. Eine Regenerationsverbesserung tritt selbst dann noch ein, wenn eine diabetische Neuropathie bereits manifest ist“, berichtet Fischer. Besonders aussichtsreich sei dabei ein von seiner Arbeitsgruppe entwickeltes und patentiertes Peptid. Dieses setzt direkt an der Ursache an und könnte sich prinzipiell auch zur Weiterentwicklung als Medikament eignen. Perspektiven für Behandlung und Prävention Die durch Diabetes verursachte Regenerationsschwäche tritt bereits vor dem Auftreten einer diabetischen Neuropathie auf. Dabei handelt es sich um eine häufigen Komplikation, die nahezu die Hälfte aller Patienten betrifft. Die Forschenden untersuchen derzeit in einer weiteren Studie, ob der entdeckte Mechanismus auch direkt zur Entstehung dieser Nervenerkrankung beiträgt und ob sich das Risiko durch die neuen Behandlungsoptionen verringern lässt. Die aktuelle Studie eröffnet den Autoren zufolge neue Perspektiven für die Behandlung und möglicherweise auch für die Prävention von Nervenschädigungen bei Diabetes beziehungsweise der diabetischen Neuropathie, einer der weltweit häufigsten und bislang unheilbaren Folgeerkrankungen. Außerdem interessant zum Thema Nervenschäden bei Diabetes: Nervenschäden bei Typ-2-Diabetes entstehen oft schon vor der Diagnose
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