Therapieoption für Tumorpatienten mit der seltenen DNAJB1-PRKACA-Genfusion4. Oktober 2023 Bild: ©SurfupVector – stock.adobe.com Am Tübinger Universitätsklinikum startet in der Klinischen Kooperationseinheit (KKE) Translationale Immunologie in Zusammenarbeit mit der Abteilung Innere Medizin I jetzt eine klinische Phase I-Studie, die den therapeutischen Krebs-Peptidimpfstoff Fusion-VAC-XS15 in Kombination mit Atezolizumab als Therapie beim fortgeschrittenem fibrolamellären hepatozellulären Karzinom (FL-HCC) und anderen Tumorerkrankungen mit Nachweis des DNAJB1-PRKACA Fusionstranskripts untersucht. Das FL-HCC ist eine Tumorerkrankung, die typischerweise junge Erwachsene ohne vorbestehende Lebererkrankung betrifft. Diese Tumoren treten in den letzten Jahren zunehmend auf. Für das fortgeschrittene FL-HCC gibt es bislang keine Standardtherapie. Auch für andere Tumorerkrankungen mit Nachweis des DNAJB1-PRKACA Fusionstranskripts, wie bspw. bestimmte bösartige Neubildungen von Bauchspeicheldrüse oder Gallengängen, sind die Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt.In der aktuellen Studie untersuchen die Tübinger Experten die Möglichkeit, diese Tumorerkrankung mit einer Peptid-Impfung zu behandeln. Der Peptidimpfstoff, der aus einem Eiweiß der Fusionsregion besteht, wird im Wirkstoffpeptidlabor der GMP-Einheit des Universitätsklinikums Tübingen hergestellt. „In unseren ersten präklinischen und klinischen Untersuchungen haben wir starke Immunantworten gegen das DNAJB1-PRKACA-Fusionspeptid aktivieren können und auch bereits erste positive Ergebnisse in Patienten gesehen“, erklärt Prof. Juliane Walz, in deren Abteilung der Peptidimpfstoff entwickelt wurde. Schwerwiegende Nebenwirkungen durch die Peptidimpfung erwarten die Ärzte nicht, da der Impfstoff spezifisch für die Genfusion tragenden Tumorzellen „maßgeschneidert“ wird.In der Untersuchung wird der Impfstoff zusammen mit Atezolizumab verabreicht. Atezolizumab ist bereits für die Behandlung eines anderen Leberzellkrebses (Hepatozelluläres Karzinom) zugelassen. „Durch die Kombination aus Peptidimpfstoff und Immuncheckpoint-Inhibitor erhoffen wir eine noch bessere Wirkung der Tumorimpfung“, erklärt Prof. Michael Bitzer, der gemeinsam mit Prof. Helmut Salih die klinische Prüfung leitet.Kriterien für eine StudienteilnahmeTeilnehmen können erwachsene Patienten mit lokal fortgeschrittenen oder metastasiertem FL-HCC oder mit einer anderen bösartigen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Tumorerkrankung mit Nachweis der DNAJB1-PRKACA-Genfusion, für die keine etablierte Standardtherapie möglich ist.Vor Beginn der Behandlung müssen die Teilnehmenden einmalig in das Tübinger Studienzentrum kommen. Bei der Voruntersuchung wird Blut abgenommen und die Eignung zur Studienteilnahme geprüft. Im Rahmen der Studie erhalten die Probanden mindestens zwei Impfungen mit dem Fusion-VAC-XS15-Peptidimpfstoff. Alle vier Wochen wird Atezolizumab als intravenöse Infusion verabreicht. Die Behandlung ist über zwölf Monate geplant.Die Studie wird vom Netzwerk der Zentren für Personalisierte Medizin (ZPM) an den baden-württembergischen Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm durchgeführt. Studienstart ist in Tübingen. Finanziert wird die Studie von der Medizinischen Fakultät Tübingen und der ForTra gGmbH für Forschungstransfer der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Den Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab stellt die Roche Pharma AG zur Verfügung.Informationen zur Studienteilnahme und Kontakthttps://www.medizin.uni-tuebingen.de/go/KKEE-Mail: [email protected]
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