Therapierefraktärer Schock: Methylenblau scheint sicher zu sein, aber es besteht noch Forschungsbedarf

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Ein Wissenschaftlerteam der Yale University in New Haven, USA, hat eine Literaturstudie und Umfrage zur Verwendung von Methylenblau zur Behandlung des katecholaminrefraktären Schocks bei Kindern durchgeführt und dabei noch großen Forschungs- und Informationsbedarf festgestellt.

Das Nicht-Ansprechen eines Schocks auf eine Flüssigkeits- und Katecholamintherapie hat bei Kindern eine signifikante Morbidität und Mortalität zur Folge. Die Anwendung von Methylenblau zur Behandlung des refraktären Schocks ist bei Kindern nicht gut beschrieben. Ein Wissenschaftlerteam der Yale University in New Haven, USA, hat daher gängige Literaturdatenbanken nach Studien zur Verwendung von Methylenblau zur Behandlung des katecholaminrefraktären Schocks von der Einführung der Datenbanken bis zum Jahr 2019 durchsucht und die gefundenen Studien qualitativ analysiert. Um die aktuellen Anwendungsmuster von Methylenblau in der pädiatrischen Intensivmedizin zu erfassen, starteten Andrea Otera Luna und Kollegen zudem eine elektronische Umfrage.

In die Literaturstudie schlossen die Autoren 24 Arbeiten ein. Diese hatten den durch verschiedene Ätiologien induzierten refraktären Schock untersucht und herausgefunden, dass Methylenblau im Allgemeinen sicher war und den mittleren arteriellen Blutdruck erhöhte. Allerdings bestehe ein allgemeiner Mangel an entsprechenden Studien und die gesichteten Arbeiten umfassten nur eine geringe Anzahl von Patienten und seien von geringer Qualität, schränken die Autoren die Aussagekraft ihrer Literaturstudie ein.

An der Umfrage beteiligten sich 125 Institutionen, was einer Rücklaufquote von 22,5 % entsprach. Von den befragten Ärzten berichteten etwa gleich viele, dass sie Methylenblau zur Schockbehandlung verwendet (40%) oder aber nie in Erwägung gezogen (43%) hätten. Die häufigsten Gründe für den Verzicht auf Methylenblau waren Unkenntnis bezüglich des Medikaments, seiner korrekten Dosierung sowie der Mangel an evidenzbasierten Empfehlungen.

Aus ihrer Untersuchung ziehen die Autoren das Fazit, dass Methylenblau sicher zu sein scheine und Kindern mit refraktärem Schock zugute kommen könne. Es bestehe allerdings eine große Kluft zwischen Ärzten, was die Vertrautheit mit diesem Medikament und den Mustern seiner Anwendung betreffe. Studien zur formalen Beurteilung der Sicherheit und Wirksamkeit von Methylenblau zur Behandlung des pädiatrischen Schocks seien deshalb gerechtfertigt, resümieren Otera Luna und Kollegen. (ej)

Originalpublikation:
Luna AO et al. Methylene Blue for Refractory Shock in Children: A Systematic Review and Survey Practice Analysis. Pediatr Crit Care Med 2020;21(6):e378–e386.