Thrombektomie nach Schlaganfall: Beatmungsdauer ist prognoserelevant24. Juni 2020 Simon Fandler-Höfler (Foto: Med Uni Graz) Beim Schlaganfall ist nicht nur die Akutbehandlung entscheidend für den Krankheitsverlauf und die Genesung. Auch die Dauer der künstlichen Beatmung infolge der Thrombektomie scheint eine wichtige Rolle zu spielen, wie WissenschafterInnen an der Med Uni Graz nun gezeigt haben. Auch wenn weltweit die Zahl an durchgeführten Thrombektomien nach Schlaganfall steigt, fehlen über einige Auswirkungen auf die PatientInnen nach erfolgreicher Gefäßwiedereröffnung noch wichtige Daten. „Die mechanische Thrombektomie wird häufig unter Vollnarkose durchgeführt, was eine künstliche Beatmung erforderlich macht. Wir haben gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Klinischen Abteilung für Neuroradiologie, vaskuläre und interventionelle Radiologie und der Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Med Uni Graz untersucht, welchen Einfluss die Beatmungszeit nach erfolgter mechanischer Thrombektomie auf die Prognose behandelter Patientinnen und Patienten hat“, erklärt Simon Fandler-Höfler von der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Graz. Dazu wurden SchlaganfallpatientInnen in eine Studie eingeschlossen, die innerhalb der letzten acht Jahre in Graz mittels mechanischer Thrombektomie unter Vollnarkose behandelt wurden. Dabei handelt es sich um 447 PatientInnen mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis und einem mittleren Alter von 69 Jahren. Untersucht wurde der Einfluss der Beatmungsdauer auf die langfristige Prognose, welche als gut definiert wurde, wenn PatientInnen drei Monate nach dem Schlaganfall wieder ein unabhängiges Leben führen konnten. Zusätzlich wurde die Rate der aufgetretenen Lungenentzündungen erhoben. Längere Beatmungszeit ist mit schlechterer Prognose verbunden „Unsere Beobachtungen haben gezeigt, dass eine kürzere Beatmungszeit mit einer besseren Prognose und geringeren Langzeitfolgen des Schlaganfalls verbunden war“, sagt Fandler-Höfler. „Auch nachdem wir eine Reihe anderer Faktoren, welche ebenfalls Einflüsse auf die Prognose haben können, in die Analyse einbezogen, bestand diesbezüglich ein starker Zusammenhang.” Eine längere Beatmungszeit war darüber hinaus mit einem höheren Risiko für Lungenentzündungen während des Aufenthalts auf der Intensivstation bzw. der Stroke Unit verbunden. Verglichen mit einer raschen Extubation, stieg die Rate an Lungenentzündungen bei verzögerter Extubation auf den dreifachen Wert an. Fandler-Höfler und seine KollegInnen schlussfolgerten, dass eine kürzere Beatmungszeit nach erfolgreicher mechanischer Thrombektomie ein unabhängiger Faktor für eine bessere Prognose war und gleichzeitig mit einer geringeren Rate an Lungenentzündungen einherging. Outcome: Auch Blutdruck spielt eine wichtige Rolle In einer weiteren Untersuchung konnten die ForscherInnen an der Med Uni Graz zeigen, dass ausgeprägte Blutdruckabfälle während einer mechanischen Thrombektomie mit einer schlechteren Prognose verbunden sind. Daraus könnte sich zukünftig eine individuellere Narkoseführung während der mechanischen Thrombektomie ableiten. Originalpublikationen: Fandler-Höfler S et al. Ventilation time and prognosis after stroke thrombectomy: the shorter, the better! Eur J Neurol 2020 May;27(5):849–855. Fandler-Höfler S et al. Single Mean Arterial Blood Pressure Drops During Stroke Thrombectomy Under General Anaesthesia Are Associated With Poor Outcome. J Neurol 2020 May;267(5):1331–1339.
Mehr erfahren zu: "Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen" Hirnorganoide helfen, die Biologie des Ebola-Virus besser zu verstehen Nach einer Infektion kann das Ebola-Virus monate- bis jahrelang unbemerkt im menschlichen Körper überleben, unter anderem im Zentralen Nervensystem. Mithilfe von Hirnorganoiden haben Forschende nun wertvolle Einblicke in die Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen" Künstliche Intelligenz kann patientenrelevante Erfolge einer Behandlung vorhersagen Forschende des Universitätsklinikums Tübingen haben am Beispiel der Tiefen Hirnstimulation bei Parkinson gezeigt, dass Künstliche Intelligenz dabei helfen kann, patientenrelevante Therapieerfolge wie verbesserte Alltagsfunktionen besser vorherzusagen.
Mehr erfahren zu: "Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie" Millionenförderung für die Erforschung der zerebralen Amyloidangiopathie Ein Transatlantisches Exzellenznetzwerk, an dem auch eine Forschungsgruppe der Universitätsmedizin Magdeburg beteiligt ist, erhält acht Millionen Euro Förderung zur Erforschung einer häufig übersehenen Gefäßerkrankung.