Thrombosen bei COVID-19-Patienten gezielt aufspüren und behandeln23. Juni 2020 Bild: © Tatiana Shepeleva – Adobe/Stock Die Erfahrungen der letzten Wochen haben gezeigt, dass es im Zusammenhang mit COVID-19 häufig zu Thrombosen und Embolien kommt. Im Rahmen der allgemeinen Entzündungsreaktion im Körper scheinen die Viren auch das Endothel anzugreifen. Die Folge ist eine unkontrollierte Blutgerinnung. Mediziner aus der Schweiz raten in der Fachzeitschrift “TH Open” (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2020) zur gezielten Suche nach möglichen Thrombosen mittels bildgebender Verfahren und zu einer intensivierten Behandlung mit Medikamenten, die Blutgerinnsel beseitigen können. Darüber hinaus könnte auch eine Kompressionstherapie hilfreich sein. Viele Patienten, die wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden, leiden unter Thrombosen, die unerkannt tödliche Lungenembolien auslösen können. Am Kantonsspital in Freiburg (Schweiz) haben die Ärzte deshalb Anfang April begonnen, alle Patienten mit COVID-19 regelmäßig mit einem Duplex-Ultraschall auf Thromben im Halsbereich sowie Armen und Beinen zu untersuchen. Bei einem unklaren Ergebnis wird die Untersuchung innerhalb von sieben Tagen wiederholt. Bei einem Verdacht auf eine Lungenembolie wird eine Angiografie mittels Computertomografie durchgeführt. Wie der leitende Arzt der Angiologie, Daniel Périard, und Mitarbeiter berichten, wurden bei 17 von 29 Intensivpatienten, das sind über 58 Prozent, Thrombosen entdeckt. Darunter waren zwei Patienten mit einer Lungenembolie. Bei den Patienten mit Thrombosen war der D-Dimer-Wert erhöht. Der Laborwert zeigt an, dass der Körper Blutgerinnsel abbaut, was ein indirekter Hinweis auf deren Existenz ist. Bei einigen Patienten war auch der LDH-Wert erhöht. Das Enzym tritt bei einer Schädigung des Gewebes aus den Zellen ins Blut. Von 29 weiteren Patienten, die auf Normalstationen behandelt wurden, wiesen sechs, also gut 20 Prozent, eine venöse Thromboembolie auf. Die meisten Patienten hatten bei Diagnosestellung bereits die in der Klinik übliche Thromboseprophylaxe mit einer täglichen subkutanen Injektion von Enoxaparin oder zwei Injektionen unfraktionierter Heparine pro Tag erhalten. Da es trotz dieser Schutzmaßnahmen zu Thrombosen kommen kann, sollten alle COVID-19-Patienten nach Ansicht von Périard eine erhöhte medikamentöse Prophylaxe erhalten und regelmäßig mittels Duplex-Ultraschall untersucht werden. An der Schweizer Universitätsklinik werden alle Intensivpatienten, bei denen eine Thrombose entdeckt wurde, mit einer therapeutischen Dosis Enoxaparin oder unfraktionierter Heparine behandelt. Auf den Normalstationen kommt Rivaroxaban zum Einsatz, das ebenfalls die Blutgerinnung hemmt. In den ersten vier Wochen nach der Einführung des neuen Schemas sei es an der Klinik zu einem deutlichen, aber nicht vollständigen Rückgang von neuen Venenthrombosen und Lungenembolien gekommen, berichtet Périard. Seiner Ansicht nach sollte die medikamentöse Prophylaxe durch weitere Maßnahmen unterstützt werden. Dazu könnte eine Kompressionstherapie gehören. Auf Normalstationen reicht es aus, wenn die Patienten Kompressionsverbände tragen. Auf Intensivstationen rät Périard nach Möglichkeit zu einer intermittierenden Kompressionstherapie. Dabei werden die Beine von Luftkissen umschlossen, deren Druck regelmäßig verändert wird. Diese Behandlung soll die Muskelpumpe ersetzen, die bei gesunden Menschen die Bildung von Thrombosen in den Beinvenen verhindert. Publikation: G. Grandmaison, A. Andrey, D. Périard, R. P. Engelberger, G. Carrel, S. Doll, J.-B. Dexpert, C. Krieger, H. Ksouri, D. Hayoz, G. Sridharan:Systematic Screening for Venous Thromboembolic Events in COVID-19 PneumoniaTH Open 2020; 4 (2); e113-e115 https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0040-1713167
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