Weltweit erste Resuscitation Academy für den Klinikbereich startet in Deutschland

Start der innerklinischen Resuscitation Academy in Kiel (Foto: ©Hans-Michel Scharf/DGAI)

Jährlich kommt es in deutschen Kliniken zu zehntausenden Herz-Kreislauf-Stillständen – mit bislang geringen Überlebenschancen. Das neue iRAD-Programm soll Abläufe verbessern und die Versorgung nachhaltig stärken.

Laut aktueller Hochrechnungen des Deutschen Reanimationsregisters kommt es jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern zu rund 28.000 bis 38.000 Herz-Kreislauf-Stillständen (wir berichteten). Doch trotz schneller Hilfe überleben nur etwa 20 Prozent der Betroffenen. Ein Grund dafür liegt nach Einschätzung von Fachleuten nicht nur in der Schwere der Erkrankungen, sondern auch in Unterschieden bei Organisation und Prozessen der Notfallversorgung. Fachleute sehen deutliches Verbesserungspotenzial daher vor allem in strukturierten Abläufen, Trainings und Datennutzung. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) die innerklinische Resuscitation Academy Deutschland (iRAD) ins Leben gerufen.

Handlungsfelder und Ziele der iRAD

Nun fiel der Startschuss für die erste iRAD: Vom 14. bis 16. April 2026 fand sie am Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel statt. Zwölf deutsche Kliniken nehmen an dem zweijährigen Programm teil.

Die iRAD ist laut DGAI die erste Resuscitation Academy weltweit, die sich gezielt mit der innerklinischen Reanimation befasst. Das Programm überträgt zentrale Elemente der Resuscitation Academy auf den innerklinischen Bereich und orientiert sich an aktuellen internationalen Empfehlungen.

Im Mittelpunkt steht dabei ein systemischer Ansatz mit vier Handlungsfeldern: Planung und Vorbereitung, Vorbeugung, Prinzipien und Kultur sowie Durchführung. Ziel ist es, Prozesse zu vereinheitlichen, vermeidbare Ereignisse zu reduzieren und die Versorgungsqualität zu verbessern.

Standardisierung als Grundlage verbesserter Versorgung

Dass der Fokus auf innerklinische Notfälle hochrelevant ist, haben auch die Bad Boller Reanimations- und Notfallgespräche 2026 eindrücklich gezeigt. Dort stand erstmals der Herz-Kreislauf-Stillstand im Krankenhaus im Zentrum – mit dem klaren Befund: Trotz vorhandener Strukturen gibt es erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten entlang der gesamten Versorgungskette.

„Ein wesentlicher Ansatzpunkt liegt in der Standardisierung von Abläufen und der konsequenten Auswertung von Daten. Beides ist in vielen Häusern bislang nur teilweise umgesetzt“, sagt Prof. Jan-Thorsten Gräsner, Programmdirektor der iRAD. Genau hier setze die iRAD an und unterstütze Kliniken dabei, entsprechende Strukturen systematisch aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Die Zielgruppen des Programms reichen von Verantwortlichen in Klinikleitung und Qualitätsmanagement über Aus- und Weiterbildungsbereiche bis hin zu Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften sowie Notfallteams aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notaufnahme und Innerer Medizin.

Teilnehmerfeedback

„Wir nehmen an der iRAD teil, weil wir die Notfall- und Reanimationsversorgung in unseren Häusern kontinuierlich weiterentwickeln wollen“, erklärt Daniel Leiendecker von den Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis, die zu den ersten zwölf Teilnehmern zählen. „Für uns ist es eine wertvolle Chance, eigene Prozesse kritisch zu überprüfen, neue Impulse aufzunehmen und uns mit anderen erfahrenen Kliniken auszutauschen. Dass wir als regionaler Versorger Teil dieses Projekts sind, macht uns besonders stolz. Wir möchten zeigen, dass hohe Qualität, Engagement und der Wille zur Verbesserung nicht von der Größe eines Hauses abhängen.“

Erfahrenes Programm als Grundlage

Die iRAD baut auf den Erfahrungen der Resuscitation Academy Deutschland (RAD) auf, die ebenfalls von der DGAI veranstaltet wird. Dieses Programm unterstützt seit mehreren Jahren erfolgreich Rettungsdienste dabei, ihre Abläufe bei Herz-Kreislauf-Stillständen zu verbessern. Bis einschließlich 2025 haben bereits 45 Rettungsdienstbereiche teilgenommen, auch hier mit dem gemeinsamen Ziel, die Überlebenschancen Betroffener deutlich zu erhöhen.