Thrombozyten mit doppelter Mission6. Oktober 2021 Prof. David Stegner am Konfokal-Mikroskop. Foto: © Judith Flurer/Rudolf-Virchow-Zentrum (PSC) Prof. David Stegner hat kürzlich die Professur für Vaskuläre Bildgebung am Rudolf-Virchow-Zentrum angenommen. Er erforscht mit seiner Gruppe die Interaktionen von Thrombozyten mit Immunzellen und wie sich diese auf Entzündungsprozesse, wie beispielsweise bei einem Schlaganfall, auswirken. Stegner nahm den Ruf auf die Professur für Vaskuläre Bildgebung am Rudolf-Virchow-Zentrum – Center for Integrative and Translational Bioimaging im Sommer 2021 an. Er nutzt hochmoderne Fluoreszenzmikroskopie um die „Thrombo-Inflammation“, also entzündliche Prozesse die von Thrombozyten gesteuert werden, besser zu verstehen. „Dieses Entzündungsgeschehen kann bei einem Infarkt oder Schlaganfall das gesunde Gewebe zusätzlich schädigen. Wir wollen die genauen Vorgänge verstehen, damit Patientinnen und Patienten in Zukunft besser behandeln werden können“, erklärt Stegner.Thrombozyten haben mehrere FunktionenDie Funktion der Thrombozyten bei der Blutstillung bei Wunden ist schon lange bekannt. Im ungünstigsten Fall kann die Blutgerinnung auch zu Thromben führen, die die Blutgefäße verstopfen und zum Absterben des dahinterliegenden Gewebes führen können. Dies ist beispielsweise bei einem Schlaganfall der Fall, weshalb die Standardbehandlung eine möglichst schnelle Beseitigung des Thrombus vorsieht, um das unterversorgte Gewebe zu retten. Allerdings zeigte sich, dass bei vielen Patienten auch nach der Entfernung des Thrombus das Gewebe hinter dem Verschluss geschädigt wird. Die Wissenschaftler zeigten in früheren Studien, dass Thrombozyten Immunzellen in das betroffene Gewebe locken können. „In gewissem Umfang ist das durchaus sinnvoll, denn es muss zum Beispiel Zellschrott der abgestorbenen Zellen durch die Immunzellen entsorgt werden. Allerdings kann eine überschießende Reaktion des Immunsystems auch zum Absterben von gesunden Zellen führen“, erläutert Stegner. Genau in diesem Spannungsfeld zwischen erwünschter und überschießender Immunreaktion setzt Stegner mit seiner Forschung an, die er nun, mit den zusätzlichen Ressourcen der Professur ausgestattet, nochmals intensivieren und auch auf infektiöse Krankheitsmodelle ausweiten kann.Hochleistungsmikroskopie zeigt alle MitspielerEin wichtiges Werkzeug seiner Forschung sind dabei die Mikroskope mit denen seine Gruppe intravitale Bilder, also am lebenden Organismus, aufnehmen kann. „Mit den am Rudolf-Virchow-Zentrum und Institut für Experimentelle Biomedizin vorhandenen Hochleistungs-Fluoreszenzmikroskopen, wie dem Konfokalen- oder 2-Photonenmikroskop, können wir nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich beobachten wie die Prozesse ablaufen und welche Rezeptoren und Proteine daran beteiligt sind“, erklärt Stegner. Denn erst wenn diese Faktoren alle bekannt sind, kann man auch an medizinische Eingriffe denken.Stegner kam nach seinem Biochemiestudium in Bayreuth für die Promotion nach Würzburg an den Lehrstuhl für Experimentelle Biomedizin. Nach verschiedenen Postdoktorandenprojekten am Universitätsklinikum Würzburg und dem Rudolf-Virchow-Zentrum startete er seine eigene Forschungsgruppe am Institut für Experimentelle Biomedizin am Universitätsklinikum Würzburg. Er war mehrfach Projektleiter verschiedener Sonderforschungsbereiche und ist Wissenschaftlicher Sekretär des Transregio-SFBs 240. Seit 2021 ist er W2 Professor am Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg.
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