Tiergesundheit erfordert mehr Zeit am Tier und vernünftige Gebühren

Ltd. VD Dr. Holger Vogel (BTK-Präsident) bei seinem Grußwort Foto: © bpt/Urban

Die Tiergesundheit hat eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung – sowohl in der Lebensmittelproduktion und -sicherheit als auch für Haustiere und ihre Besitzer. Sie ist aber auch entscheidend für die nationale Sicherheit, wie auf dem Neujahrsempfang des Bundesverbands praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) deutlich wurde.

Dr. Siegfried Moder, bpt-Präsident, betonte deshalb auch bei seiner Begrüßung zum diesjährigen Neujahrsempfang des bpt unter der Schirmherrschaft von Tierärztin und MdB Dr. Franziska Kersten (SPD), wie wichtig der Schutz von Lebensmittelketten ist.

Dr. Siegfried Moder (bpt-Präsident), Dr. Stephan Hofmeister (BFB-Präsident), StB/WP Dipl.-Kfm. Gero Hagemeister (BFB-Vizepräsident) Foto: © bpt/Urban

Wie es in einer Mitteilung des bpt weiter heißt, forderte Moder die Zuhörenden, unter anderem Prof. Eberhard Haunhorst, Leiter der Abteilung 3 „Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit“ im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und den für Tiergesundheit zuständigen Berichterstatter der CDU-Bundestagsfraktion, MdB Dieter Stier, mit Blick auf den Ausbruch von Maul- und Klauenseuche im Januar 2025 auf, „…nicht nur die Gesundheit des Menschen, sondern auch die Tiergesundheit als kritische Infrastruktur mitzudenken und in die Krisenprävention einzubeziehen.“

GOT sorgt für stabiles Preisgefüge

Grußworte sprachen neben Dr. Franziska Kersten, auch der Präsident der Bundestierärztekammer (BTK), Ltd. VD Dr. Holger Vogel, der Präsident des Bundesverbandes Freier Berufe (BFB), Dr. Stefan Hofmeister und Prof. Eberhard Haunhorst. Die Betonung der Wichtigkeit der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) zum Schutz der Verbraucher (Tierhalter) war dabei allen ein Anliegen. Für bpt-Präsident Dr. Moder ist klar, dass die in diesem Jahr anstehende GOT-Evaluierung zeigen wird, dass die angestrebte Steigerung der Attraktivität des Berufsbilds durch die damalige Ampel-Regierung zur Schaffung günstiger Arbeitsbedingungen und Stabilisierung einer flächendeckenden Notdienstversorgung verbessert wurde.

MdB Dr. Franziska Kersten (SPD, Schirmherrin), Prof. Eberhard Haunhorst (BMLEH), Dr. Petra Sindern (1. bpt-Vizepräsidentin) Foto: © bpt/Urban

Die aktuell in Teilen der Politik diskutierte Abschaffung der GOT würde ganz sicher nicht zu einem fallenden Preisniveau führen. Ganz im Gegenteil. der Blick in unsere EU-Nachbarländer zeige klar, dass die Versorgung gerade auf dem Land dann gefährdet wäre und die Preise explodieren würden, so Moder.

Tiergesundheit ist auch Krisenprävention

Keynote-Speaker Jonathan Rushton, Professor of Economics of Animal Health an der Universität Edinburgh (Schottland), machte klar, dass selbst vegan lebende Menschen durch Tiere beeinflusst würden. Sei es schlicht durch Nahrungskonkurrenz oder durch Haustiere. Außerdem fungiert Rushton als Berater der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Anhand von Zahlen zeigte er die volkswirtschaftliche Bedeutung der tierärztlichen Tätigkeit auf insbesondere im Bereich der Lebensmittelversorgung und -sicherheit. Krisenprävention könne ohne das Mitdenken der Tiergesundheit nicht vollständig sein, wie Rushton betonte. Auch gesamtgesellschaftlich sei die Arbeit der Tierärzte unabdingbar.

Krisenprävention durch Bürokratieabbau

Die zentrale Forderung Moders war erneut die nach mehr Zeit am Tier, also dem Abbau überflüssiger Bürokratie. Auch wenn es erste Schritte in die richtige Richtung gäbe, stellte er fest: „Das ist und bleibt bisher ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Er verwies auf die bereits im letzten Sommer an den Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Alois Rainer überreichten zehn konkreten bpt-Vorschläge. Durch diese sollte mehr Zeit am Tier erreicht werden. Die Forderungen beinhalten unter anderem die Verlängerung des Kontrollintervalls bei den tierärztlichen Hausapotheken, die Verdopplung des Schulungsintervalls für die Röntgenfortbildung und die Veränderung des Bewertungssystems beim Antibiotikamonitoring. Ohne die passenden Rahmenbedingungen, werde es zunehmend schwierig werden, die tierärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten, so Moder.