Toxisches Peptid im Gehirn von Alzheimer-Patienten entdeckt20. Februar 2017 © decade3d – fotolia.com Forscher haben im Gehirn von Alzheimer-Patienten ein neues Peptid entdeckt, das auf Nervenzellen stark giftig wirkt. Es scheint vor allem in sehr frühen Stadien der Erkrankung gebildet zu werden. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten finden sich regelmäßig massive Ablagerungen des Peptids ß-Amyloid. Die Protein-Fragmente lagern sich außerhalb der Nervenzellen zu langen fädigen Strukturen zusammen. Diese Amyloid-Knäuel werden im Hirngewebe als sogenannte Plaques sichtbar. Früher ging man davon aus, dass die Plaques wesentlich für die Symptome der Demenzerkrankung verantwortlich sind. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die langen Fäden aus vielen hundert ß-Amyloid-Molekülen und die Plaques selbst für das Gehirn weniger schädlich sind. Kritisch scheinen hingegen Oligomere aus nur wenigen ß-Amyloid-Molekülen zu sein: Sie verursachen eine weitaus größere funktionelle Störung von Nervenzellen. Allerdings sind Amyloid-Oligomere nur kurzlebig und verschmelzen normalerweise schnell zu den vergleichsweise harmlosen Fäden. Wissenschaftler aus Bonn, Ulm und Göttingen haben nun aber eine Variante von ß-Amyloid entdeckt, die sich weniger gesellig zeigt: Diese Variante lagert sich zwar zu Oligomeren zusammen, bildet aber keine langen Fäden. „Die von uns entdeckte Variante ist daher für Nervenzellen extrem gefährlich“, erklärte Dr. Sathish Kumar, Neurowissenschaftler an der Universität Bonn. Das veränderte ß-Amyloid fanden die Forscher sowohl in Mäusen mit einer Alzheimer-ähnlichen Erkrankung als auch bei Alzheimer-Patienten. In Alzheimer-Plaques war es allerdings kaum nachzuweisen. Stattdessen bildet es den Ergebnissen zufolge in den Nervenzellen selbst kleinere Ablagerungen. Da es auch in sehr frühen Phasen der Erkrankung auftritt, eignet es sich möglicherweise für eine bessere Früherkennung. Langfristig könnte die Entdeckung auch neue therapeutische Optionen eröffnen, allerdings warnte Prof. Jochen Walter von der Universität Bonn aber vor überzogenen Hoffnungen: „Wir wissen bislang noch nicht einmal, wie wichtig dieses veränderte Peptid für die Entstehung der Alzheimer-Demenz ist. Das ist eine ganz zentrale Frage, der wir nun in Folgestudien nachgehen wollen. Autoren: Kumar S et al. Korrespondenz: Walter J, Department of Neurology, University of Bonn, 53127, Bonn, Germany Studie: Phosphorylation of the amyloid β-peptide at Ser26 stabilizes oligomeric assembly and increases neurotoxicity Quelle: Acta Neuropathol. 2016 Apr;131(4):525-37 Web: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4789232/
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