Transfusionsmediziner fordern bundesweites Blutspende-Monitoring4. Januar 2022 Foto: ©ctvvelve – stock.adobe.com Der demografische Wandel in Deutschland gefährdet die Versorgung der Krankenhäuser mit Blutkonserven. Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI) fordert daher ein bundesweites Monitoring, um das regionale Spendenaufkommen und die Verfügbarkeit von Blutprodukten erfassen zu können. In Deutschland zeichnet sich durch den demografischen Wandel ein Mangel an Blutspenden ab, darauf weist die DGTI hin. Die Baby-Boomer-Generation und die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit kommen zunehmend in das Alter, in dem sie kein Blut mehr spenden können. Gleichzeitig ist diese Altersgruppe aufgrund eines höheren Risikos für Erkrankungen aber verstärkt auf Blutspenden angewiesen. Blutspender dürfen bei einer Erstspende nicht älter als 68 Jahr sein, bei Mehrfachspendern sollte die Altersgrenze 75 Jahre nicht überschreiten. „Der jetzt eintretende demografische Wandel wird absehbar nicht nur zu einem regionalen, sondern auch zu einem deutschlandweiten Mangel an Blutkonserven führen“, warnt der DGTI-Vorsitzende Prof. Hubert Schrezenmeier. „Hinzu kommt, dass viele Spender aktuell aufgrund der Corona-Pandemie nicht oder weniger zur Blutspende kommen“, so Schrezenmeier, der auch Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm ist. Im schlimmsten Fall könne dies dazu führen, dass Kliniken nicht mehr genügend Blutkonserven für alle Patientinnen und Patienten haben, die auf Transfusionen angewiesen sind. Saarland bereits auf Importe aus anderen Bundesländern angewiesen Eine aktuelle in der Zeitschrift „Transfusion Medicine and Hemotherapy“ veröffentlichte Untersuchung aus dem Saarland zeigt, wie sich der demografische Wandel auf die Blutversorgung auswirkt. „Mit 24,1 Prozent ist fast ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt, mehr als in jedem anderen westdeutschen Bundesland“, erklärt Prof. Hermann Eichler, Direktor des Instituts für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin der Universität des Saarlandes in Homburg. Im Jahr 2017 wurden im Saarland 8200 Erythrozyten-Konzentrate mehr transfundiert als bei Blutspendern in dieser Region eingesammelt wurden. „Die Veränderung der Bevölkerungspyramide hat somit bereits zu einem strukturellen Defizit an Blutkonserven geführt. Dieses konnte nur durch Importe aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz ausgeglichen werden“, berichtet Eichler. Doch auch dort nimmt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung zu. „Wie lange das Saarland noch Blutkonserven aus anderen Bundesländern erhalten kann, ist nicht bekannt“, so Eichler. Die Studie zeigt, dass das Defizit bis 2030 auf jährlich über 18.300 Blutkonserven ansteigen könnte. Der Transfusionsmediziner befürchtet, dass dann Anfragen der Kliniken von den Blutbanken nicht mehr ausreichend bedient werden könnten. Vergleichbare Daten und Prognosen liegen auch aus Mecklenburg-Vorpommern vor. Bundesweites Monitoring und mehr Werbung Um den regionalen Blutproduktebedarf und das jeweilige Spenderaufkommen erfassen zu können, fordert die DGTI ein bundesweites Monitoring. „Wir müssen jetzt regelhaft ermitteln, wie Blutkonserven regional gespendet und benötigt werden“, sagt Schrezenmeier. Der Bedarf an Blutkonserven sei zwar in den letzten Jahren zurückgegangen. Allein dadurch lassen sich die Folgen des demografischen Wandels jedoch nicht ausgleichen. „Wir müssen vor allem bei jüngeren Menschen für das Blutspenden werben“, ergänzt Eichler. „Leider haben sich viele Blutspender während der aktuellen Corona-Pandemie zurückgezogen, obwohl von der Blutspende kein Infektionsrisiko ausgeht und die Blutspendedienste strengstens auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen achten. Aber auch nach der Pandemie werden mehr Blutspender benötigt“, so die beiden Experten abschließend.
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