Transkranielle Gleichstromstimulation bei Depression nicht wirksam19. Juli 2023 Bei der Depressionsbehandlung mit der transkraniellen Gleichstrom-stimulation (engl. transcranial direct current stimulation – tDCS) wird versucht, Nervenzellen im sogenannten Stirnhirn wiederholt anzuregen. (Quelle: LMU München) Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) wird in der Behandlung der Depression als einfach durchführbare und kostengünstige Alternative zur transkraniellen Magnetstimulation gepriesen. Zwei Studien hatten einen positiven Effekt nachgewiesen. Ein Münchner Forscherteam hat das Verfahren ebenfalls überprüft und kommt in „The Lancet“ zu weniger überzeugenden Ergebnissen.1 Bei der Depressionsbehandlung mit der transkraniellen Gleichstromstimulation (engl. transcranial direct current stimulation – tDCS) wird versucht, Nervenzellen im Stirnhirn wiederholt anzuregen und so anhaltende Veränderungen im Verschaltungsmuster der dortigen Nervenzellen zu erreichen. In der aktuellen Studie eines Forscherteams der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU Klinikums München wurden 160 Patienten mit mittelschwerer Depression an acht Kliniken in Deutschland mit der tDCS behandelt. Alle Patienten waren stabil auf ein antidepressives Medikament eingestellt, von welchem sie allerdings nicht ausreichend profitiert hatten. Sechs Wochen lang bekam nun eine Hälfte der Patienten eine tDCS-Behandlung, die andere Hälfte eine Scheinbehandlung, die den Ablauf und die Begleiterscheinungen der Therapie nachahmt. Als Resultat zeigten sich keine Unterschiede in der Wirksamkeit des Verfahrens in beiden Gruppen – weder sechs Wochen nach der Behandlung noch sechs Monate später. „Wir haben durchgehend keine Wirkung auf die depressive Symptomatik gefunden“, erklärte Dr. Gerrit Burkhardt vom Center for Non-Invasive Brain Stimulation Munich-Augsburg (CNBSMA), das zur Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie gehört. „Veröffentlichungen von Negativergebnissen sind für Ärzte oft ähnlich wichtig wie Wirksamkeitsnachweise, werden aber weiterhin häufig nicht publiziert oder nur mit geringer Sichtbarkeit“, ergänzte Burkhardt, der dem Forscherteam um Prof. Frank Padberg angehört. „Die Veröffentlichung eines Negativergebnisses in einem so hohen Journal ist also eine sehr erfreuliche Entwicklung und eine Stärkung von transparenter, unabhängiger Forschung.“ Der Ansatz der tDCS ist den Forschenden zufolge damit aber nicht vom Tisch, sondern müsse weiterentwickelt und verfeinert werden. Zur Behandlung depressiver Erkrankungen steht aber weiter die transkranielle Magnetstimulation (TMS) zur Verfügung, die auch in der 2022 veröffentlichten Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ empfohlen wurde. Dieser Behandlungsansatz wird aktuell durch eine in „Lancet Psychiatry“ veröffentlichte Studie gestützt, an der die Forschungsgruppe um Padberg ebenfalls beteiligt war.2 Die Metaanalyse untersuchte, ob TMS Patienten mit depressiven Symptomen auch unabhängig von der Erkrankung helfen kann. In Kooperation mit der Hong Kong Polytechnic University analysierten die Forschenden insgesamt 174 Studien mit mehr als 7900 Patienten im Durchschnittsalter von 44 bis 63 Jahren. Das Ergebnis: „Mit der TMS lassen sich depressive Symptome auch behandeln, wenn diese im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten“, erklärte Padberg. Entsprechend wirkt die TMS beispielsweise auch bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, die zeitgleich unter depressiven Beschwerden leiden. „Da die TMS sehr nebenwirkungsarm, aber wirksam ist, haben wir das Verfahren seit mehreren Jahren in unsere klinische Versorgung integriert“, erklärte Padberg weiter.
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