Traumberuf in Schieflage23. Januar 2024 Symbolbild Foto: © hedgehog94 – stock.adobe.com Schlechte Arbeitszeiten, viel Bürokratie, unangemessene Bezahlung und immer mehr Patienten. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) zeigt an seinem Messestand auf der Grünen Woche in Berlin, warum Tierärzte knapp werden. Was für Klinikärzte gang und gäbe ist, verbietet Deutschlands Tierärzten das Gesetz: Eine Lücke im geltenden Arbeitszeitgesetz bedingt, dass angestellte Tierärzte anders als Humanmediziner keine kompletten Wochenenddienste übernehmen dürfen. Und der Anteil der Angestellten im Tierarztberuf wächst seit Jahren stetig. So kommt es, dass in manchen Regionen Tierbesitzer mit ihrem verletzten oder akut kranken Tier weite Strecken zurücklegen müssen, um einen tierärztlichen Notdienst zu erreichen. Den Praxen ist es schlicht verboten, die Mitarbeiter wie Klinikärzte zum Dienst einzuteilen. Das starre Arbeitszeitgesetz ermöglicht Ausnahmen für Ärzte, doch nicht für Tierärzte. bpt-Geschäftsführer Heiko Färber: „Die Tierärzte wurden bei der Festlegung von Ausnahmen beim Arbeitszeitgesetz einfach vergessen, dabei betrifft das Problem alle Notdienstberufe.“ Wochenenddienst per Gesetz nicht erlaubt Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) fordert die Bundesregierung seit langem auf, für Tierärzte eine Ausnahme im Arbeitszeitgesetz zuzulassen. Denn alle Notdienstberufe sollten am Wochenende und nachts einsatzfähig sein – kranke Tiere richten sich nicht nach dem Wochentag oder dem Dienstplan. bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder: „Wir wünschen uns von der Bundesregierung gezielte Maßnahmen wie die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes und den im Koalitionsvertrag festgelegten Bürokratieabbau, damit der Tierarztberuf wieder attraktiver werden kann.“ Ein Dreischichtbetrieb am Wochenende wäre gesetzeskonform, würde aber eine dreifache Belegschaftsstärke erfordern. Das können die meisten Tierarztpraxen nicht stemmen, weder finanziell noch personell. Dr. Moder: „Unter anderem wegen des starren Arbeitszeitgesetzes mussten in den vergangenen Jahren immer mehr Praxen den Notdienst aufgeben, weil es unmöglich ist, gesetzeskonforme Dienstpläne zu erstellen, die auch wirtschaftlich tragbar sind.“ Erdrückende Bürokratie Die hohe Verantwortung und der körperlich belastende Arbeitsalltag sind schon Abschreckung genug. Es muss dafür gesorgt werden, dass die Arbeitsbedingungen für Tierärztinnen und Tierärzte endlich wieder attraktiv werden. Neben einer angemessenen Bezahlung gehört dazu, dass sie überwiegend tatsächlich am Tier tätig werden können. Was viele nicht wissen: Der Tierarztberuf ist unter den Spitzenreitern, wenn es um bürokratische Belastungen geht. Ursache sind stetig zunehmende Aufzeichnungs- und Meldepflichten. Trotz aller Beteuerungen der Regierungsparteien in Wahlprogrammen und Koalitionsvertrag hat die den Tierärzten gesetzlich aufgezwungene Bürokratie einen traurigen Höchststand erreicht. Manchen Tierarzt kostet sie fast die Hälfte der täglichen Arbeitszeit – Zeit, die für die Untersuchung und Behandlung kranker Tiere fehlt. Auch das macht den Tierarztberuf heute unattraktiv und verschärft den Personalmangel. Siegfried Moder: „Politik und Gesellschaft scheinen die umfangreichen Verantwortungsbereiche der Tierärztinnen und Tierärzte nicht bewusst zu sein: Tierwohl und Tiergesundheit im Heimtier- und Nutztierbereich bedeuten auch Verbraucherschutz vor Zoonosen und die Erhaltung der Versorgungs- und Lebensmittelsicherheit. Anders kann ich mir nicht erklären, dass uns immer mehr Verwaltungsaufgaben aufgebürdet werden, die uns von der Arbeit am Tier abhalten.“ Podiumsdiskussion am Messe-Donnerstag Der bpt lädt alle Medienvertreter zu seiner Podiumsdiskussion im Rahmen der Grünen Woche ein für Donnerstag, den 25. Januar 2024, von 16 bis 17 Uhr, auf der Bühne des ErlebnisBauernhofs (Halle 3.2). Thema ist: „Lücken in der tierärztlichen Versorgung verhindern. Jetzt handeln! Aber wie?“ Anschließend gibt es einen Empfang am bpt-Messestand (Stand Nr. 415).
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