Tuberkulose: Studie bestätigt erhöhtes Risiko nach Organtransplantationen in Europa

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Nach einer Organtransplantation haben Personen auch in Ländern mit eigentlich niedriger bis mittlerer Inzidenz ein deutlich erhöhtes Risiko für Tuberkulose. Forschende glauben nun, die wesentliche Ursache dafür ermittelt zu haben.

Die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Tuberkulose bei denen Patienten beruht demnach auf zum Teil auf unbehandelten latenten Tuberkuloseinfektionen seitens der Organempfänger. Aber auch Neuinfektionen spielen eine relevante Rolle. Die Autoren der multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie haben ihre Ergebnisse jüngst im „Journal of Infection“ veröffentlicht haben.

Das Forscherteam vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Forschungszentrum Borstel stellte bei Transplantierten verglichen mit der Allgemeinbevölkerung ein sechsmal höheres Risiko für Tuberkulose fest. In Südeuropa war die Tuberkuloseinzidenz sogar etwa neunmal höher als in Zentraleuropa. Zusätzlich erkrankten Patienten mit Migrationsgeschichte mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit. Zugleich fanden die Wissenschaftlern heraus, dass nur rund ein Drittel der Transplantierten vor der Transplantation auf eine latente Tuberkuloseinfektion untersucht worden war und lediglich jede zehnte Person eine präventive Therapie erhalten hatte.

Forschungsergebnisse in Zahlen

Die Analyse umfasste 5805 erwachsene Organtransplantierten, die zwischen 2007 und 2012 in einem 15 europäischen Zentren operiert worden waren. Sie wurden bis zum Jahr 2018 nachbeobachtet. Das Auftreten einer mikrobiologisch bestätigten Tuberkulose nach der Transplantation bildete den primären Endpunkt. Die Autoren berechneten die Inzidenzraten pro 100.000 Personenjahre. Die standardisierten Inzidenzraten (SIR) basierten auf den länderspezifischen Hintergrundraten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Analyse von Risikofaktoren wurden mittels Cox-Regressionsmodellen analysiert.

Von 5805 Patienten (medianes Alter 51 Jahre; 62,7% Männer; 73,9% Nierentransplantierte) testete man 33,8 Prozent auf Tuberkulose. 10,3 Prozent erhielten eine Tuberkulose-Prophylaxe.

In insgesamt 33.785 Personenjahren entwickelten 23 Patienten (0,4%) eine Tuberkulose (68,0/100.000 Personenjahre). Die höchste Inzidenz ermittelten die Studienautoren bei Patienten mit positivem Screening-Befund, aber ohne Tuberkulose-Prophylaxe (233,8/100.000). Die Forschenden stellten fest, dass die Inzidenz in Südeuropa höher ausfiel als in Mitteleuropa (251,9 vs. 28,7/100.000). Die gepoolten standardisierten Inzidenzraten berechnete man auf 12,8 beziehungsweise 3,1. Das Tuberkuloserisiko erwies sich bei Organempfängern aus Südeuropa (Hazard Ratio [HR] 22,9) sowie bei Personen mit Migrationshintergrund (HR 2,7) als erhöht.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit differenzierter, regional angepasster Strategien zur Prävention der Erkrankung“, sagt Erstautor Dr. Thomas Theo Brehm aus der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.

Zu der Veröffentlichung ist auch ein Kommentar erschienen.

(UKE/ac)