Tuberkulose: Studie bestätigt erhöhtes Risiko nach Organtransplantationen in Europa14. Januar 2026 Abbildung, KI-generiert, © Mariya Sorvacheva/stock.adobe.com Nach einer Organtransplantation haben Personen auch in Ländern mit eigentlich niedriger bis mittlerer Inzidenz ein deutlich erhöhtes Risiko für Tuberkulose. Forschende glauben nun, die wesentliche Ursache dafür ermittelt zu haben. Die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Tuberkulose bei denen Patienten beruht demnach auf zum Teil auf unbehandelten latenten Tuberkuloseinfektionen seitens der Organempfänger. Aber auch Neuinfektionen spielen eine relevante Rolle. Die Autoren der multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie haben ihre Ergebnisse jüngst im „Journal of Infection“ veröffentlicht haben. Das Forscherteam vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Forschungszentrum Borstel stellte bei Transplantierten verglichen mit der Allgemeinbevölkerung ein sechsmal höheres Risiko für Tuberkulose fest. In Südeuropa war die Tuberkuloseinzidenz sogar etwa neunmal höher als in Zentraleuropa. Zusätzlich erkrankten Patienten mit Migrationsgeschichte mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit. Zugleich fanden die Wissenschaftlern heraus, dass nur rund ein Drittel der Transplantierten vor der Transplantation auf eine latente Tuberkuloseinfektion untersucht worden war und lediglich jede zehnte Person eine präventive Therapie erhalten hatte. Forschungsergebnisse in Zahlen Die Analyse umfasste 5805 erwachsene Organtransplantierten, die zwischen 2007 und 2012 in einem 15 europäischen Zentren operiert worden waren. Sie wurden bis zum Jahr 2018 nachbeobachtet. Das Auftreten einer mikrobiologisch bestätigten Tuberkulose nach der Transplantation bildete den primären Endpunkt. Die Autoren berechneten die Inzidenzraten pro 100.000 Personenjahre. Die standardisierten Inzidenzraten (SIR) basierten auf den länderspezifischen Hintergrundraten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Analyse von Risikofaktoren wurden mittels Cox-Regressionsmodellen analysiert. Von 5805 Patienten (medianes Alter 51 Jahre; 62,7% Männer; 73,9% Nierentransplantierte) testete man 33,8 Prozent auf Tuberkulose. 10,3 Prozent erhielten eine Tuberkulose-Prophylaxe. In insgesamt 33.785 Personenjahren entwickelten 23 Patienten (0,4%) eine Tuberkulose (68,0/100.000 Personenjahre). Die höchste Inzidenz ermittelten die Studienautoren bei Patienten mit positivem Screening-Befund, aber ohne Tuberkulose-Prophylaxe (233,8/100.000). Die Forschenden stellten fest, dass die Inzidenz in Südeuropa höher ausfiel als in Mitteleuropa (251,9 vs. 28,7/100.000). Die gepoolten standardisierten Inzidenzraten berechnete man auf 12,8 beziehungsweise 3,1. Das Tuberkuloserisiko erwies sich bei Organempfängern aus Südeuropa (Hazard Ratio [HR] 22,9) sowie bei Personen mit Migrationshintergrund (HR 2,7) als erhöht.Auffällig war laut den Studienautoren zudem, dass die meisten Tuberkulosefälle erst mehr als zwei Jahre nach der Transplantation auftraten. Dies spreche dafür, dass neben der Reaktivierung latenter Infektionen auch Neuinfektionen nach der Transplantation eine relevante Rolle spielen. Die Autoren schlussfolgern, dass ein einheitlicher Ansatz zur Tuberkuloseprävention in Europa nicht ausreicht. Dr. Thomas Theo Brehm, Wissenschaftler der Forschergruppe Klinische Infektiologie und Arzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowie am Forschungszentrum Borstel ist einer der Erstautoren der Arbeit. Er erklärt: „In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz könnte ein gezieltes Tuberkulose-Screening von Risikogruppen sinnvoll sein, während in Regionen mit höherer Inzidenz ein universelles Screening und eine konsequente präventive Therapie empfohlen werden“. „Dort sollte auch regelmäßig nach einer Transplantation bei den stark immungeschwächten Patientinnen und Patienten nach Hinweisen für eine Neuinfektion mit Tuberkulosebakterien gesucht werden“, ergänzt Prof. Christoph Lange, Medizinischer Direktor am Forschungszentrum Borstel und einer der Seniorautoren der Studie. Zu der Veröffentlichung ist auch ein Kommentar erschienen. (UKE/ac)
Mehr erfahren zu: "Kinder mit OSA: Erhöhtes Risiko für Grippe und COVID-19" Kinder mit OSA: Erhöhtes Risiko für Grippe und COVID-19 Unabhängig von Alter und Gewicht haben Kinder mit Obstruktiver Schlafapnoe (OSA) ein doppelt so hohes Risiko, an Grippe oder COVID-19 zu erkranken, wie gesunde Kinder – auch nach Adenotonsillektomie.
Mehr erfahren zu: "Land unterstützt UKSH und übernimmt Schulden" Land unterstützt UKSH und übernimmt Schulden Fraktionen und Regierung stehen in Schleswig-Holstein geschlossen hinter dem Universitätsklinikum: Viel Geld fließt in Forschung, Versorgung und Modernisierung. Doch die Entscheidung bringt auch neue Schulden für das Land.
Mehr erfahren zu: "Mögliches Universalvakzin: Einmal sprühen und vor allen Atemwegsinfekten geschützt?" Mögliches Universalvakzin: Einmal sprühen und vor allen Atemwegsinfekten geschützt? Ergebnisse einer experimentellen Studie an Mäusen deuten darauf hin, dass ein potenzieller neuer Impfstoff vor einer ganzen Reihe respiratorischer Krankheitserreger schützen könnte. Dabei halte seine Wirkung lange an, berichten Forschende.