Turniertierarzt deckt Tierquälerei bei Reitturnier auf

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Tierschutzrelevante Vorfälle haben zum Abbruch eines Reitturniers in München geführt. Bei mehreren Ponys hatte ein Tierarzt am frühen Sonntagmorgen Auffälligkeiten festgestellt, die Veranstalter reagieren sofort. Auch die Polizei ermittelt. Ein Beleg dafür, dass bei Reitturnieren immer mindestens ein Turniertierarzt anwesend sein muss.

Nach den Vorfällen in München und dem abrupten Turnierende herrschen Entsetzen und Angst: Kinder sind verstört, Ermittlungen laufen.

„Nach Angaben des verantwortlichen Tierarztes Dr. Michael Zeitelhack seien nur wenige Ponys betroffen“, hieß es in der Mitteilung. „Den Allgemeinzustand der Ponys beurteilte er insgesamt als gut; es seien nach aktuellem Stand keine Folgeschäden zu erwarten.“

Nach dem Abbruch eines Reitturniers in München sind nun Details bekanntgeworden, die deutlich auf Tierquälerei hinweisen. „In der Nacht gab es im Stall ein Vorkommnis, bei dem sechs Ponys Mähnen, Schweife und zum Teil auch Schöpfe abgeschnitten wurden“, sagte Wilfried Herkommer dem Fachportal „equi pages“. Bei mehreren Pferden „waren die Zungen mit Gummibändern straff umwickelt“, berichtete der frühere Geschäftsführer des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes.

Herkommer war nach Angaben des Portals selbst bei dem Turnier, das am Sonntag wegen der Vorfälle abgebrochen worden war. Denn auch seine Enkelin ritt in München in der U21-Tour. „Der Schock war bei allen groß“, sagte Herkommer. „Die Kinder waren zutiefst verstört. Keiner wollte unter diesen Umständen mehr reiten. Jeder wollte nur noch nach Hause.“

Sicherheitskonzept auf Olympia-Reitanlage verschärft

Der Jurist vermutet: „Es wird davon ausgegangen, dass es jemand war, der sich mit Pferden auskennt, denn ein Nicht-Pferdemensch greift einem Pferd beziehungsweise Pony eigentlich nicht einfach ins Maul. Das war aber nötig, um die Gummibänder um die Zungen wickeln zu
können.“ Herkommer sagte weiter: „Möglicherweise waren es auch mehrere Täter, damit einer festhalten konnte.“

Als Reaktion auf die Vorfälle auf der Olympia-Reitanlage in München-Riem soll das Sicherheitskonzept verschärft werden. „Wir werden alles tun, damit sich Pferde und Pferdefreunde so sicher wie möglich fühlen und der Zutritt zukünftig noch stärker kontrolliert
wird“, sagt Thomas Schreder, der derzeitige Geschäftsführer des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes, in einer Verbandsmitteilung.

Schreder zeigte sich zugleich erleichtert, dass es den betroffenen Ponys nach bisherigen Kenntnissen gut gehe. Der Geschäftsführer betonte: „Unser Hauptaugenmerk gilt dem Wohl der Kinder und Jugendlichen sowie den betroffenen Ponys und den Betreuern und Eltern, die zu Gast auf der Olympia-Reitanlage waren.“

„Wir sind tief erschüttert“

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hatte am Sonntag erstmals von tierschutzrelevanten Vorfällen berichtet. Aus ermittlungstechnischen Gründen wurden nach Angaben des Verbandes keine Details veröffentlicht. Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen. Das zuständige Kreisveterinäramt sei in die Vorgänge eingebunden.

„Wir sind tief erschüttert über die Vorfälle in München-Riem“, sagte Dennis Peiler, der Vorstandsvorsitzende des Verbandes. „Wir verurteilen dieses Handeln auf das Schärfste. Der Schutz und das Wohlergehen der uns anvertrauten Pferde und Ponys haben für uns oberste Priorität. Uns ist es ein großes Anliegen, dass die Vorkommnisse vollständig aufgeklärt und entsprechend geahndet werden.“

Die Ponys, die an der bayerischen Sichtung zum „Preis der Besten“ teilnahmen, waren in einem Stall untergebracht. Der „Preis der Besten“ ist eine deutschlandweite Prüfung für die besten
Nachwuchsreiter, die in den Disziplinen Dressur, Springen und Voltigieren vom 8. bis 10. Mai in Warendorf ausgetragen werden.

Weitere Informationen:

München-Riem: Sicherheitskonzept wird verschärft | Deutsche Reiterliche Vereinigung – Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht

Tierschutzvorfall: Das geschah in München-Riem | Equi Pages