Typ-1-Diabetes: Fr1da-Studie dehnt Früherkennung auf 12 Bundesländer aus6. Mai 2026 Die Fr1da-Studie ermöglicht die Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern im Alter von 2-10 Jahren nun in insgesamt 12 Bundesländern. Symbolbild: martenaba/stock.adobe.com Im Rahmen der Fr1da–Studie, die von Forschenden am Institut für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich geleitet wird, können Familien ihre Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes testen lassen. Ab Mai 2026 erweitert die Studie ihr Angebot um fünf weitere Bundesländer. Typ-1-Diabetes beginnt oft lange, bevor Kinder erste Symptome entwickeln. In dieser frühen Phase lassen sich im Blut bereits Inselautoantikörper gegen Bestandteile der insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse nachweisen. Hier setzt Fr1da an: Die Studie sucht in der Allgemeinbevölkerung gezielt nach frühen, noch symptomlosen Stadien des Typ-1-Diabetes und ordnet das jeweilige Krankheitsstadium anschließend genauer ein. So leistet Fr1da einen Beitrag dazu, die Erkrankung früher zu erfassen und ihren Verlauf besser zu verstehen. Dies schafft die notwendige Grundlage für gezieltere Vorsorge- und Interventionsansätze. Bisher gab es das Angebot in Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen nun hinzu. Weniger Fälle von diabetischer Ketoazidose Seit 2015 haben Kinder- und Jugendarztpraxen in den bislang teilnehmenden Bundesländern mehr als 240.000 Kinder in der Fr1da-Studie getestet. Bei mehr als 730 Kindern fanden die Forschenden ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die frühe Diagnose klinisch relevant sein kann: Nur 2,5 Prozent der im Rahmen von Fr1da identifizierten Kinder entwickelten zu Beginn der Erkrankung eine diabetische Ketoazidose. Ohne frühe Diagnose liegt diese Rate in Deutschland seit Jahren bei über 20 Prozent. Wird bei einem Kind im Rahmen von Fr1da ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes nachgewiesen, lädt das Team die Familie zu weiteren Untersuchungen in eine pädiatrische Diabetesklinik ein. Dort bestimmen Ärztinnen und Ärzte, in welchem Krankheitsstadium sich das Kind befindet: noch unauffälliger Zuckerstoffwechsel, erste Stoffwechselveränderungen oder bereits ein manifester Typ-1-Diabetes. Darauf aufbauend legen sie einen Vorsorgeplan mit Kontrollterminen fest; Kinder mit manifestem Typ-1-Diabetes werden in der Regelversorgung weiter betreut. Fr1da verschafft Zeit für Aufklärung, Vorsorge und Behandlung „Mit Fr1da sehen wir Typ-1-Diabetes nicht erst dann, wenn Kinder akut erkranken, sondern deutlich früher“, sagt Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und wissenschaftliche Leiterin der Fr1da-Studie. „Das schafft Zeit für Aufklärung, Vorsorge bei Bedarf für medizinische Intervention und hilft uns zugleich, Ursachen und Verlauf der Erkrankung besser zu verstehen.“ Dafür stützt sich Fr1da auf ein über Jahre aufgebautes Netzwerk aus Kinder- und Jugendarztpraxen, Laboren und pädiatrischen Diabeteszentren. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass sich das Fr1da-Screening gut in den Alltag kinder- und jugendärztlicher Praxen integrieren lässt und von Familien sehr gut angenommen wird. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, Fr1da in die Selektiv- oder sogar in die Regelversorgung zu überführen“, sagt Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ). Ein Kind von 250 entwickelt Typ-1-Diabetes Typ-1-Diabetes ist keine seltene Erkrankung: In Deutschland erkrankt etwa eines von 250 Kindern daran. Mit der Ausweitung auf 12 Bundesländer erreicht Fr1da nun einen Großteil der Bevölkerung, wie Ziegler betont: „Deutlich mehr Kinder haben jetzt die Möglichkeit, an Fr1da teilzunehmen.” Zugleich zeigt der Schritt, dass die Früherkennung nicht nur wissenschaftlich, sondern auch gesundheitspolitisch an Bedeutung gewinnt: Langfristig sollte der Zugang dazu nicht vom Wohnort abhängen. Für das erweiterte Angebot von Fr1da hat das Team neben dem Zentrallabor in München ein zweites Zentrallabor in Dresden aufgebaut. Familien und Praxen werden außerdem von drei regionalen Koordinationsstellen in München, Dresden und Hannover unterstützt. Weitere Informationen stehen unter www.fr1da.de bereit. Aktuelle Zahlen zur Fr1da-Studie können dem Fr1da Dashboard entnommen werden.
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