Typ-1-Diabetes: HbA1c-Wert beeinflusst die Entwicklung des Grauen Stars

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Weibliches Geschlecht, ein höheres Alter bei Diagnose des Typ-1-Diabetes (T1D) und ein höherer HbA1c-Wert sind Risikofaktoren für die Entwicklung einer Katarakt bei Kindern und Jugendlichen mit T1D. Das zeigt eine Untersuchung zur diabetischen Katarakt bei Typ-1-Diabetes in einer großen pädiatrischen Kohorte.

Für die Studie hatten Ursula M. Reiter vom Universitätsklinikum Augsburg und Kollegen die Daten von 92.633 Patienten im Alter von sechs Monaten bis 21 Jahren aus dem deutsch/österreichischen multizentrischen Diabetesregister (DPV) analysiert.

Im Register fanden sich 235 Patien­ten (0,25 %) mit diabetischer Katarakt, 200 konnten genauer kategorisiert werden: 67 mit früher Katarakt (3 Monate vor Diabetesbeginn bis 12 Monate danach), 133 mit später Katarakt (>12 Monate nach Diabetesbeginn). Zum Vergleich der ­klinischen Parameter bei Diabetes­beginn verwendeten die Forscher Regressionsmodelle, die für Alter und Geschlecht angepasst wurden.

Dabei zeigte sich, dass die Rate der Kataraktentwicklung bei Diabetes­beginn eine Spitze zeigte und mit längerer Diabetesdauer abnahm. Bei den Patienten mit Katarakt überwogen Mädchen und junge Frauen deutlich. Patienten mit früher Katarakt­entwicklung waren bei Diabetes­beginn älter (12,8 Jahre; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 11,8–13,9 vs. 8,9; 95 %-KI 8,9–9,0; p<0,001) und wiesen einen höheren HbA1c-Wert auf als Patienten ohne Katarakt (9,0 %; 95 %-KI 8,55–9,38 vs. 7,6 %; 95 %-KI 7,60–7,61; p<0,001). Sie hatten einen niedrigeren Größen-SDS (-0,22; 95 %-KI -0,48 bis 0,04 vs. 0,25; 95 %-KI 0,24–0,26; p<0,001), einen niedrigeren Gewichts-SDS (-0,31; 95 %-KI-0,55 bis -0,08 vs. 0,21; 95 %-KI 0,20–0,21; p<0,001) und einen niedrigeren BMI-SDS (-0,25; 95 %-KI -0,49 bis -0,02 vs. 0,12; 95 %-KI 0,12–0,13; p=0,002).

Patienten mit später Katarakt zeigten einen höheren HbA1c-Wert bei Diabetesbeginn (8,35 %; 95 %-KI 8,08–8,62 vs. 8,04 %; 95%-KI 8,03–8,05; p=0,023) und einen höheren mittleren HbA1c-Wert während der gesamten Dokumentationsdauer (8,00 %; 95 %-KI 7,62–8,34 vs. 7,62 %; 95 %-KI 7,61–7,63; p=0,048).

Die Autoren stellen die Hypothese auf, dass die durch Hyperglykämie verursachte osmotische Schädigung der Linsenfasern zu Beginn des Diabetes der wichtigste Pathomechanismus sein könnte. Entsprechend sei die langfristige Blut­zuckerkontrolle mit der Entwicklung einer Katarakt verbunden. (ej)